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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-08-15 · 16 (15.8.1929) · p. Seite 259

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
16 (15.8.1929)
Article
Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
Date
1929-08-15
Page
Seite 259 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 259 dürfen am Wege nicht stehenbleiben. Wir sollten uns nicht dem Vorwurf aussetzen, durch Versagung von Mitteln eine für das Judentum so wertvolle Arbeit nicht entsprechend gefördert zu haben. Wir möchten deshalb vorschlagen, an Stelle der in den Etat eingesetzten 5000 RM. einen Betrag von 12 000 RM. zu genehmigen, das bleibt noch weit unter dem, was der Frontbund mit 20 000 RM. wünscht. Es sind von Sachverständigen Mitteilungen eingelaufen über die statistischen Erhebungen, die zeigen, daß die Beteiligung der Juden am Grundbesitz stärker ist, als angenommen wurde; wir werden Mittel zur Verfügung stellen müssen, um diesen Grundbesitz zu erhalten. Ich stelle' mit einer gewissen Genugtuung fest, daß ein Beschluß gefaßt werden soll, wonach in Zukunft bei Neubesetzung von Stellen in Zwerggemeinden auch unter Mitwirkung des Finanzreferenten beurteilt werden soll, ob diese Posten aufgelassen werden sollen. Eine Statistik haben wir allerdings nicht in die Hand bekommen. Aber-wir wünschen, daß dieser Beschluß auch in die Tat umgesetzt wird. Bezüglich der Etatvorberatung im ganzen haben wir im vergangenen Jahr zu beanstanden gehabt, daß sie sich in einem allzu schnellen Tempo abgewickelt hat. Ich möchte dringend bitten, daß, vielleicht durch vorherige Einberufung des Finanzausschusses, die Sachen rechtzeitiger und gründlicher durchberaten werden können und ich bitte Sie sich eines früheren Beschlusses zu erinnern, wonach der Finanzausschuß einen Unterausschuß einsetzen kann, der mit bestimmten Ausgaben zu betrauen ist. Im Zusammenhang mit der Frage der Einsparung auch bei etwas kleineren Posten komme ich zurück auf den Betrag von 10 000 RM. für Tagungen usw. Ich möchte im Anschluß an das, was Herr Kommerzienrat Rosenzweig berichtet hat, doch einmal ernstlich zu erwägen geben, ob denn nicht eine zweijährige Etatperiode eingeführt werden könnte, die es dann nur notwendig machen würde, die Tagung alle zwei Jahre einzuberufen. Wir sind doch über die Entwicklungs'ahre des Verbandes hinweg. Ich verkenne nicht, daß das im Widerspruch zu dem Wunsche steht, die Tagung solle über alles genauer informiert und zu den Entscheidungen mehr herangezogen werden. Die Tagung ist aber nach den Erfahrungen ein Instrument, das schwer zu handhaben ist, und dessen Zusammenberufung immer wieder große Kosten verursacht. Ich möchte deshalb ernstlich diesö Neuerung Ihrer Erwägung anheimgegeben, wobei bestehende Ausschüsse vielleicht mehr als bisher die Arbeit in der Zwischenzeit leisten könnten. Wir haben doch das Vertrauen zu den Mitgliedern dieser Ausschüsse, daß sie die Angelegenheiten im Sinne des Verbandes erledigen werden. Nach den allgemeinen Bemerkungen gestatte ich mir, zu den zwei Hauptprojekten überzugehen, die uns heute beschäftigen werden, das ist das Siechenheim und das Seminar in Würzburg. Bezüglich des Siechenheims glauben wir kein Wort darüber verlieren zu müssen, daß nach dem Urteil der Sachverständigen ein unbedingtes Bedürfnis besteht, ein solches zu errichten.' Was die Projekte im einzelnen anlangt, so sind wir im Prinzip der Meinung, daß die Projekte Kissingen auszuscheiden haben, weil sie Fehler aufweisen, die zum Teil schon von Sachverständigen hervorgehoben worden sind, und weil sie Mittel verschlingen, die über unsere Leistungsfähigkeit weit hinausgehen. Mit Burgpreppach können wir uns nicht befreunden, weil wir der Meinung sind, daß die Lage und die örtlichen Verhältnisse Burgpreppachs eine Unterbringung, wie wir sie wünschen, nicht gewährleisten. Unsere Sympathie gilt in dieser Frage Würzburg, wenn wir auch nicht verkennen, daß es ein gewisser Schönheitsfehler ist, daß dieses Grundstück nicht unser Eigentum ist; aber es hat den Vorzug, daß es billig ist. Dieses Projekt kostet 20 000 RM. Zuschuß und 40 000 RM. Darlehen, wobei hervorgehoben werden muß, daß hier die Rückzahlung des Darlehens gesichert erscheint. Außerdem hat dieses Projekt große Vorteile bezüglich der einheitlichen Bewirtschaftung mit dem schon bestehenden Betrieb. Ich sehe zwar ein, daß im Rahmen dieser Tagung das Projekt vielleicht nicht endgültig verabschiedet werden kann, ich möchte aber im Prinzip zum Ausdruck bringen, daß die liberale Fraktion es wünschen und begrüßen würde, wenn das Projekt Würzburg verwirklicht werden könnte. Wir glauben, daß die Rechte des Verbandes in bezug auf Unterbringung durch entsprechende Vereinbarung genügend gewahrt werden können. Bezüglich des Lehrerseminars habe ich nicht nur die letzte Broschüre, wie Oberlehrer Stall geglaubt hat, gelesen, sondern auch alle übrigen, und ich stelle mit Freude fest, daß man nicht nur ein vorbildlicher Seminarleiter, sondern auch ein Propagandachef ersten Ranges sein kann. Wir haben volles Verständnis für die Notwendigkeit einer gründlichen Ausbildung der Lehrer. Ich muß bierbei aber doch über ein Ereignis aus letzter Zeit berichten, das, wie ich mit Nachdruck betonen möchte, mit unserer Stellungnahme in der Frage der Mittelbewilligung nichts zu tun hat: In Speyer und Pirmasens brauchen wir dringend einen liberalen Religionslehrer. Es ist nicht möglich, einen passenden liberalen Religionslehrer zu bekommen. Es haben sich nur Leute gemeldet, die nicht geeignet erscheinen. Es ist charakteristisch, daß gesagt wurde, ein Lehrer, der liberal ist und in die Pfalz geht, trägt den Stempel des Liberalismus so sehr an sich, daß er Gefahr läuft, nachher in einer konservativen Gemeinde überhaupt nicht unterzukommen. Ich habe an sich durchaus Verständnis dafür, daß der Verband nach seiner ganzen Entwicklung und Struktur sehr wesentlich konservativen Zwekken dient. Aber wir müssen uns doch klar darüber sein, daß es sehr unwürdig ist, wenn es nicht möglich sein soll, in Städten wie Pirmasens und Speyer einen wirklich geeigneten Lehrer für die dortigen Bedürfnisse zu bekommen. Ich verkenne nicht, daß ein Mangel an Raum im Seminar vorhanden ist. Aber das Projekt erscheint uns heute noch nicht so gereift, daß es möglich wäre, so große Mittel zur Verfügung zu stellen. Der ursprüngliche Anstoß zur Erweiterung war hauptsächlich die erwartete Neuorganisation der Lehrerbildung in Bayern. Diese ist bis jetzt nicht gekommen und steht auch nicht in greifbarer Nähe. Ob die Schätzungen, der von Herrn Oberlehrer Stoll bezüglich der Lehrerbildung angestellt worden sind, wirklich eintreten werden und ob sie eine geeignete Grundlage dafür abgeben dürfen, ein Projekt in diesem Ausmaß zu bewilligen, erscheint fraglich. Dazu kommt, daß, wenn wir das Siechenheim heuer genehmigen, nicht genügend Mittel vorhanden sind, um auch dieses große Projekt heuer auszuführen. Ich kann mich auch mit den finanztechnischen Ausführungen nicht befreunden und ich sehe nicht klar, ob es wirklich möglich sein wird, das Darlehen von 100 000 RM. wieder zurückzugeben. Dazu kommt, daß die Anstalt durchaus nicht nur bayerischen Zwecken dient, so daß für den Ausbau nicht allein bayerische Mittel herangezogen werden sollten. Es ist ein von uns durchaus als unwürdig empfundener Zustand, daß Herr Oberlehrer Stoll und andere Herren sich bemühen müssen, die Mittel zur Bewirtschaftung und Erhaltung alljährlich durch Sammlungen aufzubringen. Wenn wir aber schließlich die Mittel genehmigen, damit das Seminar ausgebaut werden kann, so sind wir der Meinung, daß die Unterhaltung des erweiterten Seminars wiederum mehr Mittel in Anspruch nehmen wird, für die dann wieder keine Deckung vorhanden ist. Meine Freunde sehen nicht ein, weshalb die gesamten Ausgaben nicht durch sämtliche Landesverbände, gedeckt werden sollten. Deshalb stehen wir auf dem Standpunkt, daß man die Ergebnisse eines längeren Beobachtungszeitraumes abwarten sollte, bevor wir unsere Zustimmung zu dem Seminarausbau zu geben vermögen. Um nicht nur Kritik geübt zu haben, so möchte ich der Verbandsleitung und allen Organen zum Schluß innigsten Dank aussprechen, daß sie auch heuer wieder mit unermüdlicher Hingabe sich den Verbandsgeschäften gewidmet und sie mit großem Erfolg gefördert haben. l> HAUS I MÜNCHEN V^KARLSPLATZ 5 DER STARK & Cil T O F F E J NÜRNBERG LUITPOLDSTRASSE 11 ( ( Ä

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