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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-08-15 · 16 (15.8.1929) · p. Seite 257

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
16 (15.8.1929)
Article
Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
Date
1929-08-15
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 257 möglichst kurz zu halten. Ich erteile nun Rabbiner Dr. Freudev.- thal das Wort. Rabbiner Dr. F r e u d e n t h a I: Was ich zu sagen habe, gehört eigentlich noch zu den Berichten über das, was war, und nicht über . das, was sein wird. Die Wissenschaft, über die ich Ihnen noch kurz berichten will, ist groß, aber der Etat hierfür ist klein. Trotzdem haben wir innerhalb des kleinen Etats eine ganze Menge geleistet, und es gehört zum Bild der Leistungen des Verbandes, daß wir aus dem Gebiete der Wissenschaft Gutes geleistet haben. Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß im letzten Jahre unsere Zeitschrift erschienen ist. Sie hat immer noch einen sehr stark bayerischen Charakter. Im ersten Heft hat Dr. Rafael Straus einen Beitrag zur Methode der neuen Geschichtsforschung veröffentlicht und ich selbst einen Beitrag zur Rechtsforschung aus dem Mittelalter. Das zweite Heft wird ebenfalls einen Artikel von Dr. Straus und außerdem einen von Professor Schmidt über die Geschichte der Juden in Passau enthalten. Das dritte Heft wird verschiedenes über Moses Mendelssohn bringen. Auch das vierte Heft ist schon so gut wie zusammengestellt. Dr. Straus bearbeitet das Münchener Archiv. Er hofft im nächsten Jahre den ersten Band über die Geschichte der Juden in Regensburg bringen zu können. Rabbiner Dr. Weinberg hat auf unsere Kosten seine Forschungen über die Geschichte der Juden in der Oberpfalz bereits veröffentlicht. Wir haben Herrn Dr. Prys (München) veranlaßt, daß er die Aufnahme des Inventars im Würzburger Archiv sortsetzt und daß er versucht, aus rabbinischen Quellen alles herauszuziehen, was auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden im Mittelalter Bezug hat. Wir haben zur Herausgabe eines philosophischen Lexikons einen Beitrag geleistet, das deshalb notwendig ist, weil nur hieraus die Begriffe der jüdischen Schriften im Mittelalter zu erkennen sind. Wir haben weiter einen Beitrag für Tübingen geleistet, um die jüdischen Forschungen an der dortigen Universität zu fördern. Wir unterstützen auch indirekt das Lektorat in München. Im vergangenen Herbst hielten wir Fortbildungskurse für Rabbiner in Nürnberg und für Lehrer in Würzburg ab und ich darf sagen, daß sie hinsichtlich der Teilnehmerzahl sowohl, als auch hinsichtlich der Vorträge sehr gut verliefen. Wir haben auch für künstlerische Zwecke manches getan, durch Ankauf von Kunstwerken Münchener Künstler unterstützt. Auch für außerbayerische Zwecke wissenschaftlicher Art leisteten wir einiges. Endlich haben wir das Werk Dr. Ecffteins über die Anteilnahme der bayerischen Juden am Weltkrieg gefördert. Dies ist ein kleiner Überblick über das, was geleistet wurde. Wir werden in diesem Sinne Weiterarbeiten. Ich bitte Sie, unsere Arbeit auf diesen Gebieten nicht zu unterschätzen, und glaube, es ist nicht mehr nötig, an Ihr Verständnis dafür erst zu appellieren. Sie werden sich überzeugen, daß, was hierfür ausgegeben wurde, nicht unnütz ausgegeben worden ist. Ich bitte auch in diesem Jahre den eingesetzten Posten zu bewilligen. ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt dankt Rabbiner Dr. Freudenthal nicht nur für den Bericht, sondern auch für die Arbeit, die er auf diesem Gebiete geleistet hat. Er verliest nunmehr die eingelaufenen Anträge. „Die Fraktion des Blocks beantragt, die Mehreinnahmen von 10 000 RM. für Mittelstandshilfe bereitzustellen. I. A. gez. Feilchenfeld." Antrag der liberalen Fraktion, für Abwehrzwecke den Betrag von 3000 RM. zu genehmigen (dem Central-Verein zur Verfügung zu stellen). Dr. Stahl beantragt zur Geschäftsordnung, über den Antrag auf Bewilligung eines Beitrags für den Keren Hajesfod sofort abzustimmen. Rechtsanwalt Jung: Ich habe bei der vorigen Tagung Ihnen gegenüber die Verpflichtung übernommen, die Frage des Keren Hajeffod zu einer eingehenden Beratung innerhalb der liberalen Fraktion zu bringen. Ich habe diese Pflicht erfüllt. Die liberale Fraktion ist in eingehende Beratungen hierüber eingetreten. Sie ist dabei zu dem Ergebnis gelangt, Mittel für den Keren Hajesfod aus Verbandsmitteln nicht zur Verfügung zu stellen, und zwar aus finanziellen, politischen und weltanschaulichen Gründen. Da aber die weltanschaulichen Gründe einer Minderheit zur Beratung stehen, haben wir eine Abstimmung unter Fraktionszwang nicht in Aussicht genommen, sondern überlassen es unseren Kollegen, wie sie abstimmen wollen. Dr. Nuß bäum: Ich habe im vorigen Jahre einen Antrag auf Unterstützung des Keren Hajesfod gestellt, habe ihn aber dann zurückgezogen, weil mit der Ablehnung der liberalen Fraktion zu rechnen war. Die liberale Friktion hat die Abstimmung ihren Mitgliedern nun freigestellt. Sie hat jedoch noch nicht den positiven Beschluß gefaßt, den Keren Hajesfod zu unterstützen. Ich möchte unseren Antrag näher begründen. Es hat sich inzwischen folgendes begeben: In dem Mandatsvertrag ist England vom Völkerbund die Verpflichtung auferlegt, die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu fördern. Es ist vorgesehen, daß eine Jewish Agency, eine jüdische Vertretung, besteht, die die Rechte des jüdischen Volkes gegenüber der Mandatarmacht zu wahren hat. Die zionistische Organisation ist in dem Mandatsvertrag als Jewish Agency, als Vertretung des jüdischen Volkes, anerkannt. Sie hat sich jetzt entschlossen, ihre Rechte auf die Gesamtheit des Judentums zu übertragen, um die gesamte Judenheit zur Mitverantwortung heranzuziehen, und diese Bemühungen sind von Erfolg begleitet gewesen. Die maßgebenden Persönlichkeiten haben sich zur Beteiligung entschlossen. Ich habe vorige Woche an einer Vertreterversammlung in Berlin teilgenommen, in der die deutschen Vertreter gewählt 'wurden. Es wurden 21 nichtzionistische Mitglieder und Stellvertreter bestimmt, darunter auch unser verehrter Herr Vorsitzender OLGR. Dr. Neumeyer. Herr OLGR. Dr. Neumeyer genießt unser aller volles Vertrauen. Er ist aber doch speziell der Exponent des liberalen Judentums in der Leitung unseres Verbandes, und allein diese Tatsache sollte doch für die liberale Fraktion ein Grund sein, um nicht nur mit einer Minorität sondern mit einer Majorität für die Sache zu sein. Wir haben Verständnis dafür, daß man an einer Gewohnheit festhält. Die Dinge entwickeln sich aber, und es kommt ein Moment, wo ein Festhalten an alten Gewohnheiten nicht mehr verständnisvolle Pietät, sondern ein Mißverständnis der historischen Entwicklung wäre. Dieser Augenblick ist gekommen, wo es einfach nicht mehr verstanden werden kann, wenn hier der Beitrag nicht bewilligt werden könnte. Man kann mit Shakespeare sagen, die Stellung gegen den Keren Hajesfod ist ein Brauch, von dem der Bruch mehr ehrt als die Befolgung. Auch die liberale Fraktion sollte sich der großartigen Idee des Palästinaaufbaus nicht länger verschließen und dem Antrag zuftimmen. Ich bitte also, diesen Antrag mit großer Majorität anzunehmen. OLGR. Dr. Neumeyer hat in seiner Eröffnungsrede gesagt, daß aller Kampf von außen nicht entscheidend ist, daß es nur darauf ankommt, ob wir im Innern fest sind. Besitzen wir genügend innere Stärke, dann kann uns der Kampf von außen nichts anhaben. Sie kennen die Lage des deutschen Judentums. Sie wissen, wie es atomisiert ist. Wir wollen in Palästina eine Heimstätte schaffen, in der wenigstens ein Teil des Judentums mit dem Boden verwurzelt, sich zu einem gesunden Volkskörper entwickelt und gleichzeitig lebendige geistige Kraft entfaltet, und wir erhoffen uns davon eine Erneuerung und Stärkung des gesamten Judentums. Ich glaube, wenn Sie in dem guten Geist Weiterarbeiten wollen, in dem der Verband bisher gearbeitet hat, so müssen Sie unserem Antrag zustimmen. Rechtsanwalt Jung: Ich beabsichtige nicht, mich tn irgendeine weitere Debatte über diese Frage einzulassen. Ich möchte die Versicherung abgeben, daß die liberale Fraktion alles wesentliche gekannt und gewürdigt hat, was Dr. Nußbaum vorgetragen hat, und es ist nicht richtig, wenn man uns Mangel an Idealismus vorwirft. Wir befinden uns auf einem anderen weltanschaulichen Standpunkt, der es uns nicht gestattet, dem Antrag unsere Zustimmung zu geben. Es wird nunmehr über den Antrag der Jüdischen Volkspartei, einen Beitrag von 1000 RM. für den Keren Hajesfod zu bewilligen, abgestimmt. Der Antrag wird mit 33 gegen 20 Stimmen angenommen. OLGR. Dr. Neumeyer läßt über den Antrag im Rat abstimmen. Der Antrag wird im Rat mit allen gegen 3 Stimmen angenommen. ObstOGR. Prof. Dr. S i lb e rsch mi d t: Es ist folgender Antrag eingelaufen: „Für Siedlungszwecke bitte ich namens des Reichsbundes für jüdische Siedlung, Landesverband Bayern, und für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, den Betrag von 20 000 RM. zur Verfügung zu stellen, gez. Dr. Landenberger." Ich möchte vorschlagen, über diesen Antrag zusammen mit den anderen Anträgen abzustimmen. Dagegen erhebt sich kein Widerspruch. Rechtsanwalt Jung: Zunächst möchte ich dem Finanzreferenten Herrn Kommerzienrat Rosenzweig den Dank dafür aussprechen,

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