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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-08-01 · 15 (1.8.1929) · p. Seite 243

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
15 (1.8.1929)
Article
Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
Date
1929-08-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 243 haben wir die Macht der organisierten Lüge kennengelernt und wir wollen gegen sie kämpfen, wo sie sich uns entgegenstellt. Aber wir wollen nicht klagen und auch zum Anklagen ist nicht die rechte Zeit. Die Lage ist für uns dieselbe wie die des deutschen Volkes. Der äußere Feind kann uns wohl schaden, er kann uns aber nicht vernichten. Die Rettung liegt einzig bei uns selbst in unserem Willen. Ich wiederhole die Worte, die der Rektor der Münchener Universität bei der Trauerkundgebung der letzten Tage gesprochen hat: Wir wollen aufbauen, wir wollen arbeiten, wollen unseren Stamm erhalten und unseren Kindern eine Zukunft eröffnen, die besser ist als der heutige Tag. Wir wollen frei sein vom Hader, frei sein von Haß, frei aber auch von der Lüge und von der Last einer ungerechtfertigten Schmach. In diesem Sinne ist unser Verband in schwerer Zeit gegründet worden. Er sei uns das Symbol der Arbeit und des Aufstieges, des wirkenden Lebens und der Eintracht. Der Herr gebe ein ungeheures Wollen dem deutschen Volke und der jüdischen Gemeinschaft'. Der große deutsche Denker und Dichter Lessing hat als Verkörperung dieses ungeheuren Wollens eine Gestalt geschaffen, die einzig in der Geistesgeschichte dasteht; und Träger dieses höchsten sittlichen Lebens ist der Jude Nathan, sein Freund Mendelssohn. Nathan hat alles verloren, was dem Menschen lieb und teuer ist, Frau und Kind, Hab und Gut. Da legte ihm der Dichter die Worte in den Mund: „Und ich stand und rief zu Gott: Ich will, wenn du nur willst, daß ich will." So eint sich der deutsche Genius mit dem Geiste des Juden. Ober st landesgerichts ra tPro f. Dr. Silberschmidt: Wir müssen aus tiefstem Herzen den Dank unserem hochverehrten Vorsitzenden aussprechen, der uns die Entwicklung, der uns all das vorgeführt hat, was wir heute zu tun haben. Gestatten Sie, daß ich das Bild noch etwas weiterführe, gestatten Sie, daß ich die Gestalt unseres verehrten Herrn Vorsitzenden, unseres Lehrers und Führers, identifiziere mit der Gestalt, die er uns eben vorgeführt hat, mit der Gestalt des Weisen Nathan. Möge er immer waltend über dem Verbände seine schützende Hand ausbreiten. Möge er uns weiterführen den Weg, den er bisher uns geführt hat, und wenn wir wieder auf die ersten Worte seines Referats zurückkommen, wenn wir wieder Mofes Mendelssohn und Lessing als unsere Führer betrachten, dann wollen wir auch denken an die Lösung, die Lessing an den Schluß seines Nathan gestellt hat, das sind die Worte von den Ringen. Ich glaube, die Lösung der Parabel gibt auch dem Verband und gibt auch dem bayerischen und deutschen Judentum den Weg, den es zu gehen hat. Möge jeder unbeirrt in seinem Kreise sich bemühen, Gott und den Menschen wohlgefällig zu sein. Mögen wir imstande sein, das durchzuführen und mögen wir dann nach allem Haß erreichen, was unsere Vereinigung hier erstrebt, die Liebe und den Frieden. Damit sind unsere Beratungen für den Vormittag erschöpft. Wir werden nachmittags pünktlich um 245 Uhr zusammentreten. Die Sitzung des Rats beginnt um nZ Uhr. Fortsetzung der Verhandlungen am Sonntag. 30. Iuni, nachmittags 5 Uhr Der Vorsitzende, Ober st lan des gerichtsrat Professor Dr. Silber schm i dt, eröffnet die Sitzung. Es werden durch Namensaufruf die Anwesenden festgestellt. Anwesend von der Tagung: Rabbiner Dr. Baerwald (München), Hauptlehrer Dr. Bamberger (Nürnberg), Sanitätsrat Dr. Baron (München), Emil Behr (Neustadt a. d. Hardt), Lehrer Brückheimer (Marktbreit), Rabbiner Dr. Einstein (Landau, Pfalz), Hermann Engel (Würzburg), Justjzrat Dr. Erlanger (Nürnberg), Rechtsanwalt Feilchenfeld (Nürnberg), Justizrat Dr. Feuchtwanger (München), Justizrat Dr. Fränkel (München), Geheimer Justizrat Professor Dr. Frankenburger (München), Direktor Gerstle (Memmingen), Nathan Goldberger (Nssrnberg), Zahnarzt Semi Nathansen (Würzburg), Rabbiner Dr. Grünfeld (Augsburg), Justizrat Dr. Haas (Würzburg), Oberstudienrat Heinemann Ludwigshafen, Aron S. G. Heller (Jchenhausen), Dr. Herzstein (Bayreuth), Samuel Pfeuffer (Würzburg),' Kommerzienrat Hirsch (Scheinfurt), David Horn (München), Rechtsanwalt Jung (Nürnberg), Chaim Katz (Nürnberg), Leopold Klein (Speyer), Dr. Koebner (Ludwigshafen), Meier Königshöfer (Fürth), Dr. Landenberger (Nürnberg), Ludwig Lazarus (Würzburg), David Lehmann (Fürth), Samuel Levy (Landau, Pfalz), Joseph Lomnitz. (Mainstockheim), Fräulein Dr. Julie Meyer (Nürnberg), Oberlehrer Wähler (Hörstein), Siegfried Meyer (Treuchtlingen), Sanitätsrat Dr. Masur (Koburg), Rechtsanwalt Dr. Morgenroth (Bamberg), Rechtsanwalt Eigner (Pirmasens), Max Neu (Nürnberg), Heinrich Neumann (Gunzenhausen), Dr. Nußbaum (Nürnberg), Lehrer Oppenheimer (Laudenbach bei Karlstadt), Justizrat Oppenheimer (München), Justizrat Dr. Rheknheimer (Kaiserslautern), Kommerzienrat (Rosenblatt (Regensburg), Dr. Rosenthal (Würzburg), Saly Saalheimer (Würzburg), Joseph Schachno (München), Max Schloß (Augsburg), Isaak Schwab (Fürth), Jakob Seligmann (Nördlingen), Kommerzienrat Adler (Haßfurt), Oberstlandesgerichtsrat Professor Dr. Silberschmidt (München), Rechtsanwalt Dr. Sinauer (Nürnberg), Rechtsanwalt Dr. Stahl (Fürth), Frau Recha Stark (München), Julius Strauß (Bamberg), Alex Trier (Aschaffenburg), Julius Wassermann (Bamberg), Arthur Wechsler (München), Kommerzienrat Weil (München), Rabbiner Dr. Wohlgemuth (Kitzingen). Entschuldigt: Kommerzienrat Aufsesser (Nürnberg), Isidor Büchner (Fürth), Justizrat Beer (München), Leo Hirsch (Homburg, Saar), Hauptlehrer Jakob Krämer (München), Stefan Künstler (Straubing). Julius Lehmann (Neustadt a. d. Aisch), Sigmund Mainzer (Nürnberg), Frau Hermance Metzger (Landau, Pfalz), Rechtsanwalt Dr. Oettinger (Regensburg), Kommerzienrat Dr. Wassermann (München), Justizrat Wercheimer (Fürth), Geheimrat Professor Dr. Millstätter (München). Anwesend vom Rat: Oberlandesgerkchtsrat Dr. Neumeyer als Vorsitzender, Rabbiner Dr. Bamberger (Bad Kissingen), Kommerzienrat Bechmann (Fürth). Kommerzienrat Vraunschweiger (Würzburg), Kommerzienrat Dietenhöfer (Ansbach), Kommerzienrat Dreichlinger (Neumarkt), Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg), Rabbiner Dr. Hanover (Würzburg), Justizrat Dr. Hommel (Schweinfurt), Kommerzienrat Joseph (Landau, Pfalz),. Leo Katzenberger (Nürnberg), Justizrat Dr. Oestreich (München), Amtsrichter Dr. Rosenberg (Frankenthal), Hauptlehrer Rosenfeld (München), Kommerzienrat Rosenzweig (Nürnberg), Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt), Oberlehrer Stoll (Würzburg), Justizrat Dr. Straus (München). Entschuldigt: Geheimer Kommerzienrat Metzger (Nürnberg), Justizrat Dr. Strauß (Augsburg), Geheimer Justizrat Dr. Werner (Bamberg). Der Vorsitzende stellt die Beschlußfähigkeit fest und erteilt das Wort dem Schatzmeister, Herrn Kommerzienrat Rosenzweig, zu seinem Finanzbericht. Kommerzienrat Rosenzweig: Der ungewöhnliche Ablauf des Jahres 1928 zwingt mich, entgegen den Gepflogenheiten der letzten Jahre etwas ausführlicher bei den Ziffern des Abschlusses zu verweilen. Die Ziffern in Einnahmen und Ausgaben übersteigen den Voranschlag sehr bedeutend. Mehreinnahmen bedürfen keiner Entschuldigung. Sie werden gerne hingenommen. Mehrausgaben sind minier beliebt. Bezüglich der Einnahmen möchte ich kurz sagen: Es ist gar nicht möglich, die Rückstände, die am Ende eines Rechnungsjahres vorhanden sind, zu schätzen. Vielleicht ist den beiden Gemeinden Nürnberg und Fürth, die die Steuern selbst verwalten, eine Schätzung möglich, sie ist aber in den meisten Fällen nicht zuverlässig. Bei allen anderen Gemeinden, in denen die Umlagen durch die Finanzämter eingehoben werden, ist eine Schätzung überhaupt nicht möglich. Ein glücklicher Zufall hat es gefügt, daß die Rückstände in fast allen Gemeinden in sehr erheblichem Matze eingelaufen sind, erheblich höher als erwartet. Sie übersteigen den Voranschlag um 151000 RM Ich habe bei diesem Anlatz gewissermaßen eine Ehrenrettungspflicht gegenüber der Kultusgemeinde Straubing zu erfüllen. Aus den Ausweisen, die Ihnen vorliegen, können Sie zu der Meinung gekommen sein, Straubing sei eine sehr armselige Gemeinde, da nur etwa 30 RM eingegangen sind. Das ist ein Irrtum. Durch besondere Umstände gehen die Umlagen für 1928 erst in diesem Jahre ein. Wären sie schon rechtzeitig eingegangen, würde sich der Umlagenüberschuß noch um weitere 6 bis 700 RM. erhöhen. Ausgaben: Die Ausgaben von 755857.24 RM übersteigen den Voranschlag um etwa 181000 RM. Hiervon sind etwa 16 000 RM. zu streichen für die Pfalz, die auf der Einnahmenseite wieder erscheinen. Es verbleiben dann noch etwa 166 000 RM. Mehrausausgaben. Hiervon gehen weitere 21 849.35 RM. ab, um die der Landeswohlfahrtsfonds mehr bedacht worden ist, weitere Rückstellungen für Bauzwecke mit 45 000 RM, zusammen also 66 849.35 RM, so daß eine Überschreitung von 98 692 RM bleibt. Diese setzen sich in der Hauptsache aus folgenden Einzelposten der Positionen 1 und 3 zusammen: Position 1: 9135 RM. sind an Mehrausgaben für Gehälter enfftan-

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