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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-07-15 · 14 (15.7.1929) · p. Seite 223

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
14 (15.7.1929)
Article
Die Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden zu Aschaffenburg, 30. Juni und 1. Juli 1929
Date
1929-07-15
Page
Seite 223 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 223 schuß von fünfzig Prozent durch den Verband erhalten, was eine Verringerung der Ausgaben auch der Großgemeinden bedeutet), 28 017 RM. Bauzuschüsse (Vorjahr 29 397 RM.), 244 712 RM. Zuschüsse für soziale und kulturelle Aufgaben (Vorjahr 150 080 RM.), 38 966 RM. Verwaltungskosten (Vorjahr 32 106 RM.). Die Iahresrechnung schließt mit einer Endziffer von 755 857 RM. (Vorjahr 548 667 RM.) ab. Der Haushaltungsplan für 1929 bringt wesentliche Veränderungen gegenüber 1928 nicht. Er schließt mit einer Endziffer von 711 810 RM. ab. Über den Wohlfahrtsetat sprach Iustizrat Dr. Elias Straus, München, der erklärte, daß die Aufgaben des Verbandes eine Erhöhung der Ausgaben für Wohlfahrtszwecke notwendig mit sich gebracht hätten. An Neuerungen bringe der Etat die Einsetzung eines Postens von 10 000 RM. für Unterstützung von Personen, welche nicht die bayerische Staatsangehörigkeit besitzen und daher im Falle der Hilfsbedürftigkeit der Gefahr der Ausweisung unterliegen. Der Posten für Stipendien sei von 9000 RM. auf 12 000 RM. erhöht, für Iugendvereine und körperliche Ertüchtigung wird ein Mehrbetrag von 1500 RM. insgesamt 6000 RM. aufgewendet werden. Zur Unterstützung der vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund geplanten Fürsorgeerziehungsanftalt werde er einen Betrag von 2500 RM. Vorschlägen. Wie schon erwähnt lagen der Tagung zwei größere Bauprojekte vor. Das eine Projekt betraf die Ausgestaltung des Landessiechenheims, welches zur Zeit an die Kranken- und Pfründnerhausftiftung Würzburg angeschlossen ist, das zweite betraf den Ausbau der israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg. Über die Ausgestaltung des Landessiechenheims referierte Kommerzienrat Braunschweiger, Würzburg, welcher der Tagung vier Projekte gewissermaßen zur Auswahl unterbreitete. Zwei von diesen Projekten liefen darauf hinaus, eigene Anwesen zu diesen Zwecke in Bad Kissingen neu zu erwerben und auszubauen, ein weiteres gab die Verlegung des Heims nach Burgprepvach zur Erwägung, ein viertes sah die Belastung des Landessiechenheims in dem bisherigen Zusammenhang mit der Kranken- und Pfründnerhausstifung Würzburg und dessen weiteren Ausbau in diesem Zusammenhang vor. Die Tagung entschied sich für das letzte Projekt auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. Jung, Nürnberg, sowohl mit Rücksicht auf die Geeignetheit dieses Projektes als auch aus finanziellen Gründen, da die anderen Projekte bedeutend höhere Mittel erforderten. Es wurde für das Projekt eine einmalige Zuwendung von 20 000 RM. bewilligt sowie ein Darlehen bis zur Höhe von 40 000 RM. genehmigt. Die Überwachung der Ausführung soll einer Kommission, bestehend aus Mitgliedern von Rat und Tagung, anvertraut werden. Größeren Schwierigkeiten begegnete schon der Antrag über den Ausbau der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg. Oberlehrer Stoll, Würzburg, wies an Hand einer Statistik nach, daß für den vermehrten, aus allen Teilen des Reiches kommenden Zustrom an Schülern die bisherigen Räume der Anstalt nicht mehr ausreichen. Ein weiterer Ausbau der Anstalt sei in befriedigender Weise nicht möglich, es sei die Vornahme eines Neubaues erforderlich. Die zur Vorbereitung eingesetzte Kommission schlage vor, hierfür einen Betrag von 20 000 RM. zu bewilligen und ein rückzahlbares Darlehen in Höhe von 100 000 RM. zu gewähren. Für pünktliche Rückzahlung des Darlehens in Raten glaube er garantieren zu können. Gegen diesen Vorschlag machten sich auf Seite der liberalen Fraktion erhebliche Bedenken geltend. Man bezweifelte, ob die Rückzahlung des Darlehens sichergestellt werden könne, und wies ferner auf den orthodoxen Charakter der Anstalt hin, während es einer Reihe von liberalen Gemeinden unmöglich sei, für frei gewordene Lehrstellen liberal gesinnte Persönlichkeiten zu finden. Hervorgehoben wurde auch der Gesichtspunkt, daß die Lehrerbildungsanstalt Würzburg Lehrer für das ganze Reich heranbilde und eine so weit gehende Subventionierung, wie die von Oberlehrer Stoll geforderte, eigentlich die Sache eines Reichsverbandes sei. Schließlich einigte man sich auf einen vermittelnden Vorschlag von Iustizrat Dr. Fränkel, München. Es wurde demnach ein Darlehen bis zur Höhe von 50 000 RM. für Zwecke des Ausbaues bewilligt, auf Antrag der liberalen Fraktion mit der Einschränkung, daß ein genehmigtes Bauprojekt vorliegen muß und die Verwendung der Gelder durch eine Kommission kontrolliert werde. Eine weitere Debatte entspann sich über den Antrag, einen Betrag von 1000 RM. für den Keren Hajessod zu bewilligen. Bekanntlich war ein solcher Antrag bereits auf der vorherigen Tagung gestellt, damals aber mit Rücksicht auf die Erklärung der liberalen Fraktion, zu diesem Anträge keine Stellung nehmen zu können, zurückgezogen worden. Diesmal erklärte Dr. Jung, Nürnberg, daß die liberale Fraktion dieser Frage eine eingehende Aussprache gewidmet habe. Die liberale Fraktion habe aber aus finanziellen, politischen und weltanschaulichen Gründen sich nicht entschließen können, ihre Zustimmung zu geben. Einen Fraktionszwang wolle sie jedoch in diesem Punkte nicht ausüben. In der Abstimmung wurde der Betrag für den Keren Hajestod mit 33 gegen 20 Stimmen angenommen. Bereits an ersten Tage, anschließend an den Finanzbericht und die Referate zum Haushaltplan 192$, sprachen die Etatredner der einzelnen Fraktionen. Rechtsanwalt Dr. Jung, Nürnberg (lib.), eröffnete die Aussprache. Er sprach sich für eine erhöhte Sparsamkeit in den Ausgaben aus. Gewiß sei es erfreulich, daß durch die Arbeit des Verbandes die Lage der Rabbiner und Lehrer in Bayern eine wesentliche Verbesserung erfahren habe. In einer Zeit jedoch, wo die gesamten Erwerbsftände den schwersten Daseinskampf führen, müßten die Leistungen an die Zuschußgemeinden genauer noch wie bisher auf ihre Notwendigkeit geprüft werden. Auch bei kleinen und kleinsten Aufgaben sei die größte Sparsamkeit am Platze. Selbst auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege, so sehr diese an sich anzuerkennen sei, müsse die Frage nach der Leistungsfähigkeit der Wähler gestellt werden. In Anbetracht der außerordentlichen Wichtigkeit der Berufsumschichtung und Siedelung für die Zukunft des deutschen Judentums beantrage seine Fraktion einen Betrag von 12 000 RM. für diese Zwecke zu bewilligen. (Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hatte durch seinen Vertreter Rechtsanwalt Dr. Landenberger, Nürnberg, den Antrag gestellt, 20 000 RM. zur Verfügung zu stellen.) Er gab ferner anheim, die Möglichkeit einer zweijährigen Etatperiode zu prüfen, um durch Zusammentritt der Tagung in Abständen von zwei Jahren weitere Einsparungen zu machen. Rechtsanwalt Dr. Feilchenfeld, Nürnberg (konservativer Block der Klein- und Mittelgemeinden), führte aus, daß im gegenwärtigen Zeitpunkte kein Anlaß zu einer Feiertagsstimmung bestünde. In der Frage des Schächtverbots sei eine Haltung eingenommen worden, die mit sachlicher Bekämpfung nichts zu tun habe. Angesichts der Ritualmordhetze in Manau stehe man mit Entsetzen vor einem Abgrund, der sich im 20. Jahrhundert ausgetan habe. Zur Frage der Zuschüsse an leistungsschwache Gemeinden müsse er bemerken, daß nicht die großen Gemeinden die großen Opfer bringen, sondern das gerade in den

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