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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-07-15 · 14 (15.7.1929) · p. Seite 224

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
14 (15.7.1929)
Article
Die Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden zu Aschaffenburg, 30. Juni und 1. Juli 1929
Date
1929-07-15
Page
Seite 224 (sequence 4)
Language
German
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224 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 14 kleinen Gemeinden ganz erhebliche Opfer der einzelnen notwendig sei, um ein religiöses Leben aufrecht zu erhalten. Mit einer zweijährigen Tagungsperiode könne er sich nicht einverstanden erklären, es sei im Gegenteil eine weit stärkere Mitwirkung der Tagung an den Aufgaben des Verbandes notwendig. Er stelle den Antrag, den Mehrbetrag des Staatszuschusses in Höhe von IO 000 RM. für Zwecke der MittelftandShilfe zu verwenden. Dr. Bamberger, Nürnberg (Zionistische Partei), wendete sich unter Anerkennung berechtigter Sparsamkeit gegen übertriebene Sparmaßnahmen, die zu einer Senkung des geistigen und sozialen Niveaus führen müßten. Auch die Juden hätten sich gegen die Schuldlüge zu wenden, die man jahraus, jahrein gegen sie erhebe. Wenn es jemand wagen würde, gegen die katholische oder protestantische Kirche auch nur den zehnten Teil dessen vorzubringen, was man sich gegen die Juden gestatte, so hätte man längst Mittel und Wege gefunden, dies zu unterbinden. Am zweiten Sitzungstage erstattete Sanitätsrat Dr. Baron, München, den Revisionsbericht. Es wurde noch eine Reihe weiterer kleinerer Positionen bewilligt, so auf den bereits erwähnten Antrag von Iuftizrat Dr. Elias Straus, München, 2500 RM. für eine Fürsorgeerziehungsanstalt des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes, auf Antrag von Sanitätsrat Dr. Baron, München, 5000 RM. für Abwehrzwecke. Bei dieser Gelegenheit sprach sich Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer in überaus anerkennenden Worten über die Tätigkeit des Central- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, insbesondere der Ortsgruppen Bamberg und Würzburg anläßlich der Ritualmordhetze in Manau aus. Damit war das Programm der Tagung in der Hauptsache erledigt. Eine Reihe beamtenrechtlicher Fragen wurde mit Rücksicht darauf, daß die Bezirksgemeindeordnung des Verbandes (der letzte noch ausftehende Teil der Organisationsgesetzgebung) noch nicht vorliegt, zurückgeftellt. Der israelitischen Kultusgemeinde Aschaffenburg, die in mühevoller Arbeit den organisatorischen Teil der Tagung betreute und die liebenswürdigste Gastfreundschaft übte, gebührt der besondere Dank aller Teilnehmer. S. Zu Ehren von Rat und Tagung veranstaltete die Israelitische Kultusgemeinde Aschaffenburg einen Festabend am Sonntag, den 30. Juni 1929, in den Räumen des Bürgervereins Frohsinn, zu dem sich die auswärtigen Gäste, wie auch die Mitglieder der Kultusgsmeinde in großer Zahl eingefunden hatten. Die Begrüßungsrede hielt der zweite Vorstand der Kultusgemeinde Rechtsanwalt Dr. Stichler. Justizrat Dr. Oestreich (München), selbst ein geborener Aschaffenburger, dankte im Namen des Verbandes. Ministerialrat Mezger hielt die Vaterlandsrede. In gewohnt launiger Weise hielt der unverwüstliche Justizrat Sinauer (Nürnberg) die Damenrede. Ausgezeichnet musikalische und rezitatorische Darbietungen von Gemeindemitgliedern brächte angenehme Abwechslung. Auch die Tanzfreude der Jugend kam zu ihrem Recht. Besonderer Dank gebührt auch Herrn Bernhard Bohrmann, Aschaffenburg, welcher die Vorbereitung und Leitung des Festabends in ausgezeichneter Weise erledigte. Protokoll der Verhandlungen der siebenten lagung des Verbandes vaverifcher Israelitischer Semeinden ln flschattendurg am 30. Juni und 1. Juli 1929 Eröffnungssitzung am Sonntag, dem 30. Juni 1929, vormittags halb 12 Uhr, im großen Saal des Bürgervereins Frohsinn Ober st landesgerichtsratPro f. Dr. Silberschmidt: Die Sitzung des Verbandes, des Rats und der Tagung, israelitischer Gemeinden Bayerns ist hiermit in Aschaffenburg eröffnet. Die Gemeinde Aschafsenburg hat es uns ermöglicht, in dieser schönen, ja ich möchte fast sagen, einer der schönsten Städte Bayerns, die heurige Tagung abzuhalten. Mit großem Dank und mit großer Freude sind wir dem Rufe gefolgt. Die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden hat nunmehr ihre Hauptaufgaben der Konstitution hinter sich, wenn wir vielleicht die Bezirksgemeindeordnung noch abrechnen, und sie muß nunmehr in das Stadium der ständigen Verwaltung eintreten. Es wird uns jetzt die Hauptaufgabe entgegentreten, die Verwaltung in ruhigen Bahnen weiterzuleiten. Es ist dem Verband vergönnt gewesen, die Stellung derjenigen, die das Wort Gottes unter uns verbreiten, die Stellung der Herren Rabbiner und Lehrer, die vor Gründung des Verbandes viel zu wünschen übrig ließ, zu verbessern und unseren Rabbinern und Lehrern angemessene Lebensbedingungen zu schaffen. Das war eine der ersten Ausgaben, die der Verband zu erfüllen hatte und nunmehr treten wir in die Verwaltungsausgaben des Verbandes ein. Wir müssen jetzt suchen, die Lage der Alten und Siechen zu sichern und wir müssen an ein Altersheim in größerem Stile gehen. Wir müssen die Lehrerbildungsanstalt, wenn irgend möglich, in guten Räumen unterzubringen suchen und wir haben mehrere solcher Aufgaben, die ich als reine Verwaltungsausgaben bezeichnen möchte und dazu ist die heurige Tagung einberufen. Zu dieser Tagung hat der Herr Minister für Unterricht und Kultus uns die hohe Ehre erwiesen, Herrn Ministerialrat Mezger zu unseren Beratungen abzuordnen. Wir danken dafür, wir danken dem Herrn Minister und begrüßen Herrn Ministerialrat Mezger, den ständigen Referenten für die Angelegenheiten des jüdischen Kultus herzlichst in unserer Mitte. Herr Ministerialrat Mezger hat uns ständig betreut und hat, soweit es die Pflichten seines Amtes nur immer gestatteten, die Angelegenheiten des jüdischen Kultus in jeder Weise unterstützt. Ich begrüße Herrn Geheimrat Oberbürgermeister Dr. Matt als Vertreter der Kreisregierung von Unterfranken und Aschaffenburg und als Vertreter dieser schönen Stadt. Ich begrüße Herrn Bürgermeister Dr. Schwind sowie den Stadtrat dieser Stadt, die in ständigem und bestem Einvernehmen mit ihren jüdischen Mitgliedern steht. Ich begrüße Sie alle, die Sie gekommen sind und unserer Einladung Folge geleistet haben, ich begrüße die Mitglieder des Rats und der Tagung. Auch heute wieder haben wir einen schweren Verlust zu beklagen. Das Mitglied der Tagung, Herr Heß aus Würzburg, ist vor kurzer Zeit einer schweren Krankheit erlegen. Er hat stets mit großem Interesse an den Beratungen der Tagung teilgenommen, wir waren gewohnt, einen zuverlässigen Berater in ihm zu finden. Er. der aus dem Lehrerstande hervorgegangen war, hatte für die Verhältnisse, die hier in Betracht kamen, einen besonders klaren Blick. Wir werden ihn schwer vermissen. Sie haben sich zu seinen Ehren von Ihren Sitzen erhoben. Ich danke Ihnen. Damit wollen wir nun in unsere heutigen Beratungen eintreten. Wir wollen das nicht tun, ohne, wie wir es gewohnt waren, als religiöse Körperschaft den Blick nach oben zu wenden. Der Allmächtige hat Deutschland, hat die jüdischen Gemeinden Deutschlands und vor allem die jüdischen Gemeinden Bayerns in diesen schweren Jahren, die zurückliegen, vor dem Schlimmsten bewahrt. Es ist Schweres erduldet worden. Schweres in Deutschland erduldet worden, Schweres in den jüdischen Gemeinden erduldet worden. Ganz Deutschland protestiert heute ohne Unterschied der Partei gegen die Schuldlüge. Aber auch wir Juden wissen, daß wir nicht schuld waren an diesem Kriege, in dem jeder in unseren Gemeinden, Väter und Mütter, Brüder und Schwestern den Verlust lieber Angehöriger betrauern. Deshalb haben wir auch das Recht, die Schuldlüge zurückzuweisen, soweit sie sich gegen unsere Religionsgemeinschaft richtet. Wir haben in den letzten Jahren das Glück gehabt, dokumentarisch gerade in Bayern Nachweisen zu können, welche Verluste hier auf die Angehörigen unserer Religion treffen. Es sind nicht mehr als bei den anderen, aber auch nicht weniger. Es ist ein besonderes Verdienst

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