Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 12 (15.6.1929)
- Article
- Die Arbeit in Bibel und Talmud
- Date
- 1929-06-15
- Page
- Seite 192 (sequence 4)
- Language
- German
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192 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Israels Mitte nieder, bis sie eine Arbeit geleistet hatten, so wie es heißt: Und es sah Moscheh die ganze Arbeit und er segnete sie." Und wie hat er sie gesegnet? „Es möge Dein Wille sein, daß die göttliche Majestät auf dem Werke Eurer Hand ruhe." Und so geschah es, wie es heißt: „Und die Wolke erfüllte das Stistszelt." Bei dieser Wertschätzung der körperlichen Arbeit können wir es auch begreifen, daß eine halachische Bestimmung dahin lautet, daß die Arbeiter zur Zeit ihrer Arbeit davon entbunden sind, vor einem Thoragelehrten aufzuftehen, ihm Ehrenbezeugungen erweisen zu müssen. (Kidduschin 31.) Nur ein Fall ist denkbar, in welchem der Mensch von der Pflicht der körperlichen Arbeit entbunden wird, in welchem die Gesamtheit verpflichtet ist, die körperliche Arbeit des anderen mitzubesorgen. Im Talmud Sabbath 114a fragt Rabbi Iochanan, „welcher Thora-Gelehrte ist es, bei dem die Leute seiner Stadt verpflichtet sind, seine Arbeit zu tun?" Die Antwort lautet dahin: „derjenige, der seine Privatgeschäfte außer acht läßt und sich mit den Angelegenheiten des Himmels beschäftigt". Das können wir begreiflich finden. Und ganz in diesem Sinne heißt es Kidd. 70, sobald ein Mensch zum Verwalter der öffentlichen Angelegenheiten der Gemeinde erwählt wird, so ist es ihm, wenigstens in der Öffentlichkeit verboten, Arbeit zu tun." Der Respekt, den das Amt des Vorstehers voraussetzt, verlangt, daß er aus der Masse der anderen herausgehoben wird. Das ist ein weiteres Motiv dieser Bestimmung. Bei jedem Arbeiter wirb Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Gewissenhaftigkeit und Treue als selbstverständlich vorausgesetzt. Wir haben das bei der Benennung des Handwerks mit dem hebräischen Wort numrr bereits kennengelernt, das ja schlechthin „Treue" bedeutet. Ganz besonders wird diese Gewissenhaftigkeit und Treue aber allen den Arbeitern eingeschärft, deren Beruf mit göttlichen Dingen zusammenhängt, so vor allem den Thoraschreibern, Lehrern usw. Ein Thoraschreiber erzählt (Sabbat 114a). Als ich zu Rabbi Ismael kam, fragte er mich nach meinem Beruf und als ich ihm sagte, daß ich ein Schreiber sei, da sagte er zu mir: „Mein Sohn, sei eifrig und gewissenhaft bei Deiner Arbeit; denn Dein Beruf ist ein Beruf des Himmels!" Auch das haben wir schon hervorgehoben, daß Arbeit und Ruhe in einem glücklichen Verhältnis der Abwechslung sich vollziehen müssen. Baba mez. 67a werden uns Dinge aufgezählt, bei denen ein „Zu viel" absolut schädlich ist, ein Kleines, ein Weniges aber zum Segen gereicht, und unter ihnen rangiert ganz besonders die Arbeit. Es kann uns darum auch nicht wundern, daß der Talmud dem Arbeiter ganz im modernen Sinn ein Streikrecht zubilligt. Bab. kama 116 stellt fest, daß der. Arbeiter von seinem Arbeits- Verhältnis mitten am Tage zurücktreten kann. Die Begründung dafür lautet, daß eben der Arbeiter kein Sklave ist. Es heißt in der heiligen Schrift: „Wahrlich, meine Sklaven sind die Kinder Israels." Der Talmud ergänzt diesen Satz dahin: „aber nicht Sklaven der Sklaven." Ganz besonders betont auch der Talmud, daß der Arbeitgeber dem Arbeiter keine zu schwere Arbeit zumuten darf, keine Arbeit, zu der er vermöge seiner körperlichen Kraft gar nicht befähigt ist. Bei der Knechtung Israels durch die Ägypter heißt es in der heiligen Schrift in einer ver- . ständlichen Aufzählung: „Und sie verbitterten ihr Leben durch barte Arbeit in Lehm und Ziegelsteinen und durch alle Arbeit auf BES. OTTO LÜCKERT Das vornehme Hotel direkt gegenüber dem Hauptbahnhof Südeingang Unter derselben Leitung HOTEL DEUTSCHER HOF OTTO LÜCKERT 5 Minuten vom Bahnhof am Karlstor gelegen Kaffee>Restaurant * Wein-Restaurant * Pfälzer Winzerstube HOTEL EUROPÄISCHER HOF Täglich nachmittags und abends Konzert Besondere Vergünstigungen für die Mitglieder des Jüdischen Frauenbundes und der angeschlossenenVereinebietetau! Grund des Vertrages mit dem Jüdischen Frauenbund die Lebensversicherun'gs-Gesellschafft PHONIX Neben sehr günstigen Tarifen für Lebensversicherungen besonders vorteilhafte Bedingungen Sicherstellung eines Kapitals zur Eheschließung oder zur Berufsausbildung der Kinder Anfragen an unsere Mitarbeiterin Fräulein Rosa Levinger, München, Römerstraße 28, Fernsprechanschluß Nummer 35703 oder 30166 Wallach* München an der Hauptpost Borhangstoffe und Bodenbelag eigene Fabrikation, eigene Künstlereniwürfe Stilmöbel, neu und antik Beleuchtungskörper - Tücher - Decken Reiche Auswahl - Mäßige preise