Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 12 (15.6.1929)
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Aschaffenburg
- Date
- 1929-06-15
- Page
- Seite 188 (sequence 4)
- Language
- German
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188 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Schloß Mespelbrunn bei Aschaffenburg Viele andere machten sie dem Herrn, dem Gotte Israels abwendig,. nachher jedoch wandten sich dieselben dem Heiligen Israels zu wie zuvor und dienten dem Herrn. Eine Jüdin, namens Guthalda, wurde in „Ispurk" ergriffen und, da sie sich weigerte, ihren Glauben zu wechseln, wurde sie für den Heiligen, ihrem Schöpfer, ertränkt. Gedenke ihr dies, o Gott, zum Guten und führe ihren Streit!" Der Irrtum des Aronius ist nun darauf zurückzuführen, daß manche Gelehrte, wie Wilken und Bialloblotzky, dieses „Ispurk" für Aschaffenburg gehalten haben, im Gegensatz zu Zuns, der Weißenburg las. Mit Recht hat aber der Herausgeber des genannten Werkes „Emek habacha" darauf aufmerksam gemacht, daß in Ortsnamen der Buchstabe g von jüdischen Schriftstellern in Italien und Spanien häufig durch ein hebräisches „Iud" wiedergeben wird, ebenso wie sie das deutsche I oft durch ein hebräisches „Gimel" wiedergeben. Es ist daher so gut wie sicher, daß „Ispurk" nichts anderes als Augsburg bedeutet, ebenso wie im Nürnberger Memorbuch „Uschburk" mit Augsburg gleichzusetzen war. Wir müffen demnach die Frau Guthalda unfern Augsburger Glaubensgenossen abtreten und uns nach einem anderen Zeugen umschauen, der uns die Existenz von Aschaffenburger Juden im 12. Jahrhundert bekundet. Wir glauben ihn in einer Persönlichkeit gefunden zu haben, die zu den seltsamsten Gestalten des Mittelalters zählt: Benjamin von Tudela, der im Jahre 1160 eine Reife unternahm, die in 13 Jahre lang durch 3 Weltteile führte. In feinem Reisetagebuch „Massaoth Benjamin" erzählt er, an welchen Orten er jüdische Gemeinden antraf, wer ihre Vorsteher waren, wie hoch ihre Mitgliederzahl und wie ihre wirtschaftlichen Verhältnisse waren. Da werden unter anderem auch eine Reihe von deutschen Städten genannt, von denen Benjamin erzählt, daß in all diesen Städten viele reiche und gelehrte Juden wohnen. Diese deutschen Städtenamen sind in der Handschrift des Urtextes nicht alle gleich gut lesbar. Gut erkennbar sind z. B. die Städtenamen Regensburg und Bamberg. Dagegen hat sich bei der Entzifferung von zwei anderen Städtenamen, die unmittelbar vorher genannt werden und die sich bei flüchtigem Lesen wie /,Duidisburg" und „Astransburg" anhören, ein Gelehrtenstreit entzündet. Die Gelehrten Scheid und Aronius lesen „Duisburg" und „Straßburg", dagegen Braun und Caro „Würzburg" und „Afchaffenburg". Nachdem aber die beiden Städte gleichsam in einem Atemzuge mit Regensburg und Bamberg genannt werden, so dürfte wohl die letztere Ansicht die richtige sein, und wir hätten demnach in keinem geringeren als Benjamin von Tudela einen Kronzeugen dafür, daß zu den Städten, in denen schon im 12. Jahrhundert viele reiche und gelehrte Juden lebten, auch Aschaffenburg gehörte. Wundern wir uns nicht, wenn sich einmal Herausstellen sollte, daß schon z. Z. der frühesten Niederlassungen der Juden am Rhein in Aschaffenburg Juden gewohnt haben. Es steht fest, daß seit jeher zwischen den Aschaffenburger Juden und den Juden des Rheinlandes die regsten Beziehungen herrschten. Solange die katholische Kirche in Aschaffenburg zur Diözese des Erzbischofs von Mainz gehörte, hat auch der jüdische Kultus in Aschaffenburg dem Rabbiner von Mainz unterstanden. Was liegt nun näher, als zu vermuten, daß schon in ganz, alter Zeit einzelne Splitter der Iudenheit am Rhein nach Aschaffenburg versprengt worden sein mögen. IH. In neuester Zeit hat Paul Lazarus im 3. Bande der Eneyclopaedia Iudaica die wichtigsten Daten der jüdischen Geschichte Aschaffenburgs zusammengeftellt. Demnach lebte im 16. Jahrhundert in Aschaffenburg Simeon ben Isaak halevi, Verfasser der Werke „Debek tob" und „Massoret ha Mikra". 1684 befanden sich 13 Schutzjuden in Aschaffenburg, 170? betrug ihre Zahl 20; auf eine diesbezügliche Beschwerde der Bürgerschaft von Aschaffenburg entschied die kurfürstlich-mainzische Regierung, daß die Zahl 13 künftighin nickt überschritten werden dürfe. Die Gemeindeangelegenheiten wurden von Mainz geleitet, und die Rabbiner, die gelegentlich in Afchaffenburg wirkten, unterstanden der Aufsicht des Mainzer Landesrabbiners. Anfang des 18. Jahrhunderts wirkte in Afchaffenburg Isaak Säckel Elhausen, Verfasser der Responsen „Or Neelam", der ebenfalls dem Mainzer Landesrabbiner unterstand; sich selbst bezeichnte er als Bezirksrabbiner. 1787 wurde eine Gemeindeverwaltung geschaffen, zu deren Vorsteher 1802 der Hoffaktor Abraham Löb gewählt wurde. 1753, 1770 und 1784 wurden Iudenlandtage des Obererzstiftes in Afchaffenburg abgehalten, auf denen u. A. zur Hebung des Thoraftudiums die Gründung von Schulen und Lehrhäusern beschlossen wurde. Der bei Schweinheim ge- D haus der qualii Aisstoffe! N. STARK & Cil L MÜNCHEN KARLSPLATZ 5 NÜRNBERG LUITPOLDSTRASSE 11