Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 12 (15.6.1929)
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Aschaffenburg
- Date
- 1929-06-15
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 187 aber aufgezählt: Nördlingen, Ulm/ Eßlingen usw. Uschburk kann darum nicht Aschaffenburg sein, sondern ist ohne Zweifel mit Augsburg gleich zu setzen, zumal auch im Urkundenbuch der Stadt Augsburg die Lesart auspurch vorkommt, die wie im hebräischen das g des lateinischen Augufta abgeworfen hat. Der dritte Ortsname „Uschfinburch" ist von dem Nürnberger Memorbuch herübergenommen worden aus einem Verzeichnis von Blutorten, das sich vorfand in einem Gebetbuch, das im 14. Jahrhundert geschrieben wurde, das früher im Besitz eines Herrn Halberftamm in Bilitz war und jetzt Eigentum eines Herrn Epstein in Wien ist. Dieses Uschfinburch ist zweifellos mit Afchaffenburg identisch, da in demselben Verzeichnis auch Goldbach genannt wird. Daß der vierte Ortsname „Uschaffenburk" mit Aschaffenburg identisch ist, bedarf keines weiteren Beweises. Auf Grund dieser wiederholten Erwähnung Aschaffenburgs unter den Blutorten und Marterftätten des 14. Jahrhunderts können wir uns eine Vorstellung machen, wie es den Juden Aschaffenburgs in jenen schlimmen Zeiten ergangen ist. Sie haben das Schicksal ihrer deutschen Glaubensbrüder redlich geteilt. Auch über die Juden Aschaffenburgs sind die wilden Horden Armleders hergefallen. Auch die Juden Aschaffenburgs hat das Iudenmartyrium z. Z. des schwarzen Todes nicht verschont. Nur in einer Beziehung scheint es ihnen bester ergangen zu sein, als den Juden in anderen Städten. Während im Jahre 1385 Kaiser Wenzel mit zahlreichen Fürsten und Städten Verträge abschloß, in denen gegen einmalige Zahlung an den Kaiser sämtliche Schulden an die Juden, und zwar das Kapital samt den Zinsen, für aufgehoben erklärt wurden, liegt ein Schutzbrief des Erzbischofs Adolf von Mainz vom 2. Januar 1384 vor, worin er die Juden in Aschaffenburg unter seinen Schutz nimmt und ihnen zusichert, von ihnen keine weiteren als die üblichen Steuern zu erheben. II. Wir wenden uns nun der Frage zu, ob in Aschaffenburg schon früher als im 14. Jahrhundert Juden gewohnt haben. Im 13. Jahrhundert ist für das Vorhandensein von Aschaffenburger Juden bloß eine Spur vorhanden, die uns nach Rothenburg ob der Tauber führt. Hier lebte vor 700 Jahren Rabbi Meir aus Rothenburg, der die größte rabbinische Autorität des 13. Jahrhunderts war. Unter den Gelehrten, mit denen Rabbi Meir korrespondierte, befand sich auch einer namens Abraham aus Aschaffenburg, wie in der Handschrift „Sefer hoasufoth" überliefert wird. Weit schwieriger ist die Beantwortung der Frage, ob schon im 12. Jahrhundert in Aschaffenburg Juden gewohnt haben. Ein in jungen Jahren verstorbener Gelehrter, namens Julius Aronius, hat vor ungefähr 30 Jahren ein Werk herausgegeben unter dem Titel: „Regesten zur Geschichte der Juden im fränkischen und deutschen Reiche bis zum Jahre 1273." In diesen Regesten wird eine Nachricht überliefert, daß im Jahre 1147 eine jüdische Frau in Aschaffenburg namens Guthalda im Fluß ertränkt wurde, weil sie sich nicht taufen lassen wollte. Beruht diese Nachricht auf Wahrheit, dann wäre sie ein Beweis, daß 1. schon im 12. Jahrhundert in Aschaffenburg Juden gewohnt haben, daß 2. die Judenverfolgungen, die zur Zeit des zweiten Kreuzzuges 1146—47 in Speyer, Mainz und Würzburg ftattfanden, auch Afchaffenburg nicht verschont haben. Aus den ersten Blick scheint auch das Nürnberger Memorbuch diese Nachricht zu bestätigen. Denn unter den Märtyrern, die am Montag, dem 24. Februar 1147 gefallen sind, wird im Nürnberger Memorbuch auch eine Frau Guthalda genannt. Seltsamerweise erscheint dieser Name auch unter den Märtyrern, die z. Z. des ersten Kreuzzuges, am Sonntag, dem 25. Mai 1096, gefallen sind, und hier heißt es sogar ausdrücklich, daß diese Frau Guthalda ertränkt wurde. Unbegreiflich ist die Frage, die der Herausgeber des Nürnberger Memorbuches in einer Anmerkung aufwirft, ob die beiden Guthaldas miteinander identisch seien, als ob eine Frau, die im Jahre 1096 ertränkt wurde, noch einmal im Jahre 1147 umgebracht werden könnte. Ließe sich nach-, weisen, daß die Guthalda des Jahres 1096 aus Afchaffenburg war, dann wäre der Beweis erbracht, daß schon im 11. Jahrhundert in Aschaffenburg Juden gewohnt haben. Dieser Beweis ist aber nicht zu erbringen. Denn abgesehen davon, daß Inneres der Synagoge, Afchaffenburg im Nürnberger Memorbuch über den Wohnort der beiden Guthaldas nichts verraten wird, ist unseres Erachtens Julius Aronius einem Irrtum zum Opfer gefallen, wenn er die im Jahre 1147 umgebrachte Guthalda als eine Jüdin aus Aschaffenburg bezeichnet. Wir haben uns die Quellenschrift kommen lasten, auf die jene von Aronius mitgeteilte Nachricht zurückgeht. Es sind das die in hebräischer Sprache abgefaßten Berichte des Rabbi Efraim ben Jakob aus Bonn, die als Beilage zu dem Werke „Emek habacha" von Rabbi Josef hakohen erschient n sind. Die betreffende Stelle lautet in deutscher Übersetzung wie folgt: „In jenen schlimmen Tagen des Jahres 1147 gab kein König den Juden recht, denn auch der Kaiser Konrad war unter den Kreuzfahrern und zog ebenfalls nach Jerusalem.