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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-01-01 · 1 (1.1.1929) · p. Seite 3

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
1 (1.1.1929)
Article
Das Bibelwerk des Mose Arragel
Date
1929-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 3 Sockelbild des Titelblattes: Rabbi und Fürst, Ordensritter, Juden und Mönche MenteriW Wal m,: drücke weisen auf die ältesten lateinischen Übersetzungen zurück, die wahrscheinlich durch die Mitwirkung der besonders des Lateinischen der niedern Volksschichten kundigen Juden entstanden und wegen ihrer volksmäßig gewordenen rohen Form später von Hieronymus verdrängt worden si'nd^. Dazu kommen noch zahlreiche Wortbildungen, die nur durch die eigentümlichen Aktionsarten des hebräischen Zeitworts zu erklären und ein Beweis für die Treue sind, mit der sich der Übersetzer an den biblischen Urtext gehalten hat. Besonders auffällig sind die k i r ch - lich gefärbten Ausdrücke, die den altspanischen Bibelübersetzungen allgemein eigen, hier aber in besonders reicher Zahl zu finden sind. Es wirkt befremdlich, den Meffias als Christus, den Führer der Israel feindlichen Völker als Anti- Christus, die Seher als Auguren, ihre Gesichte als Visionen, das Stiftszelt als Tabernakel, den Nichtpriefter als Laien, die Führer der Philister als Senioren, die Natter als Basilisken, das Freials Jubeljahr und seine Feier als jubilieren, das Verzehnten als Dezimieren, dem rechten Glauben zuführen als katholisieren und die Rechtgläubigst als katholisch wiederzufinden. Wohl gehören solche Ausdrücke jetzt den romanischen wie den germanischen Sprachen allgemein an, aber hier kann die Wegrichtung angedeutet werden, in der sie zum allgemeinen Sprachgut geworden sind. Als Erklärer der Bibel lehnt Arragel sich besonders an R. Solomon oder Iarchi (Raschi) an, sodann an Kommentatoren und Grammatiker, Aggadiften und Philosophen, Physiker und Ethiken. Besonders an den auf Christus bezogenen Stellen führt er nacheinander die Auffassungen der Lateiner und Hebräer an, so bei den Erzäh- - * (David S. Blondheim, Les Parlers judeo-romans et la Vetus Latina. Paris 1925.) ' 5 (Encyclopädia Judaica, Berlin 1928, unter „Arragel Mose" von Max Golde.) lungen von der ersten Sünde, den besonders in Jesaja auf den Messia gehenden Stellen, bei der allegorischen Auslegung des Hohenliedes wie derjenigen vieler Psalmen. So wird im sprachlichen Ausdruck wie in der biblischen Darstellung eine Annäherung an die christliche Umwelt erkennbar, doch beschränkt sich diese Konsekration besonders auf die gleichartige sprachliche Benennug oder Homonymität; der Ideengehalt der verschiedenen Bekenntnisse aber bleibt in den Erklärungen grundsätzlich klar voneinander geschieden. Bei den zahlreichen Widersprüchen mit den Lehren der Kirche sagt er: So faßt es der Christ auf, die Juden aber, o Herr, glauben das Gegenteil. Oder: So erklärt es die Kirche, aber die Juden glauben nichts davon, ein andermal: Zwischen den jüdischen und lateinischen Erklärern besteht hier ein unendlicher Unterschied. Aber er selber mahnt auch, man müsse wie der Zimmermann ein Auge zudrücken, um scharf hinzusehen und die rechte Richtung zu erkennen, damitmaninseinemGlaubennichtirre werde. Jeder müsse sich an die Lehren seines eigenen Glaubens halten, dann würde er darin noch bestärkt werden. So zeigt sein mit Sicherheit festgelegter eigener Standpunkt deutlich die Grenze, der von ihm richtig erkannten Wahrheit, von der er auch nicht das geringste preisgibt, so daß die Gegner sich damit abfinden müssen. Diese strenge Abgrenzung der jüdischen Bibelauffassung gibt seinem Werke eine Bedeutung, welche die der allgemein anerkannten religionsgesetzlichen Schriften seiner großen Landsleute noch überdauert und für uns ihre volle Geltung behält. Die philosophischen Fragen seiner Zeit sucht er, auch hierin dem Maimonides folgend, vom Schristwort der Bibel abzuleiten. Dabei knüpft er vielfach an Aristoteles an, der ins Lateinische und von da ins Arabische übersetzt worden

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