Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 1 (1.1.1929)
- Article
- Das Bibelwerk des Mose Arragel
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 Das Urteil Salomos Übersetzung mit ihren Erklärungen im Hauptsaale der Universität zu Salamanka durch einen gelehrten Predigermönch geprüft, dann im Lesesaal des Klosters zu Toledo vor Gelehrten durchgesprochen und danach verbessert. Fast drei Jahre dauerten diese von einem Vetter des Ordensmeifters geleiteten Erörterungen, zu denen noch Ritter und Knappen, aber auch Juden und Mauren alltäglich zusammenftrömten, und in deren Mittelpunkt der Rabbi stand. Das dekorativ groß angelegte Titelbild des Bibelwerkes zeigr den Hochmeister im vollen Ordensschmuck, das Schwert in der Rechten, in der Linken die vom Schoß aufgenommene Bibel haltend. In einem Sockelbild darunter weift er inmitten der fchwertumgürteten Ordensritter mit der Rechten auf den Rabbi, der ihm kniend feine Bibel' überreicht. Auch auf einem der Miniaturbilder kniet dieser am Boden vor dem Fürsten und greift nach seinem Fuße, ihn zu küssen, die Spruchbänder in ihrer Linken nennen ihre Namen. So sind dem- Texte 334 Miniaturen aus reich koloriertem Gold, mit lebhaften Farben eingefügt, die den reichen Erzählftoff der Bibel in wechselnden Motiven vor Augen führen. Die Personen und nicht anders die Dinge sind aber nur als die t y p i s ch e n V e r t r eter ihres Standes oder einer übersinnlich religiösen Idee dargeftellt. Nicht allein Juda trägt daher als gebietender Stammesfürst die Krone auf dem Haupt, ebenso Iosua, sondern auch Haman mit seinen Söhnen, die am Galgen hängen, selbst der im Bette schlummernde Nebukadnezar, auch da er unter den Rindern auf allen Vieren weidet. Während die Propheten sämtlich den Patriarchenbarttragen wie auf den ältesten Skulpturen die Sumerer und Assyrer, erscheinen die Engel Gottes unbartig in heroischer Iünglingsgeftalt. — Aber trotz dieser lebensfernen Auffassung werden die Begebenheiten der biblischen Zeit doch in den vertrautesten Kreisen des Lesers hineingezogen, indem Gebäude und Gestalten, Gewandung und Gemuffen trotz ihres vorzeitigen Ursprungs hier getreu den Formen aus dem Leben der Zeit Don Juans II. von Kastilien nachgebildet sind. Der Darsteller sucht eben in der Bibel, wie späterhin Rembrandt, sich selbst und findet sich auch darin wieder. So gewährt die Darstellung von Esthers Krönung einen Einblick in Sitten und Kostüme am kastilischen Hof und zeigt wie das benachbarte Bild von Mordechais Erhebung die Edelfräulein in kostbaren Gewändern mit reichem Gürtel, den Ehrenkranz auf dem Haupt und die Junker in knapp anliegender Strumpfhose mit Tuben und andern Musikinstrumenten in der Hand. Verstärkt wird dieses Charakteristische der Darstellung dadurch, daß die L e i d e n s ch a f t e n der handelnden Personen .noch übersteigert werden. Mit Entsetzen weist vor dem hohen Bogentor der Tempelburg Ezechiel auf die zahlreichen Männer und Frauen hin, die dort in rasender Verzückung sich vor ihren Götzen neigen. - Auch die Legende wird herangezogen, oder das Ritual in seinen Einzelheiten verwertet, z. B. der von. Ezechiel geweiösagte zukünftige Tempel in seinen Einzelheiten treu gezeichnet. Fast alle diese Bilder haben jüdische.Motive, wenn z. B. aus Moses Antlitz ein Kranz von Strahlen hervorleuchtet, da er die beiden rechteckigen Tafeln mit dem Zehnwort auf den Armen trägt. Auch König SalomonS Löwenthron ist getreu den Angaben des Midrasch nachgebildet, oder da der Satan mit Hahnenklauen Jobs Weibe geil entgegentritt. — Andere Bilder aber zeigen nicht minder deutlich christlichen Einfluß, so der Heiligenschein um Gottes, seiner Engel und der Propheten Haupt, von Frauen aber allein bei Noomi und dem Kinde der Rut, das sie zu Bethlehem in Juda auf dem Schoße trägt. Joseph wird von seinen Brüdern an Mauren verkauft, die mit Sperren ausgerüstet sind, denn sie waren damals die Feinde des christlichen Glaubens in Spanien. Der Hohepriester im Stiftszelt ist mit der päpstlichen Tiara geschmückt, und die nach Ez. 9, 6 von Gottes Strafgericht Befreiten tragen zum Zeichen ihrer göttlichen Gnadenrettuttg die griechische Tauform T auf der Stirn, das Schächerkreuz der Römer in ihren Kolonien. Wie wohl von französischen Malern groß ausgeführte Ezechiels Strafgericht dekorative Ornamentik der Titelblätter mit goldenen und farbigen Zierleisten über den vollen Rand der Folioseiten hinziehen, so zeigt auch die in mattem Gold ausgeführte gotische Kunstschrift eine reiche Ausstattung an Blumenwerk und Fabelwesen in ihren Initialen, dazu, ebenso wie die Kapitelüberschriften, rot hervorleuchtende Majuskeln. Die Sprache der Übersetzung strebt nach Klarheit, als handelte es sich um die Unterweisung eines Kindes. Dazu aber kommen einige sie kennzeichnende Merkmale. Viele Aus-?ÄKUNST-GEWERBE4iAUSrX™t uimmimmmumuummmmmuuiuuiiuui