Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 21 (1.11.1928)
- Article
- Die Sammlung jüdischer Kult- und Kunstgegenstände im bayerischen Nationalmuseum
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 331 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 21 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 331 Von den sogenannten Wimpelbändern, die zum Umwickeln der Thorarollen verwendet wurden, finden wir eine ganze Anzahl in schöner Ausführung und tadellos erhalten. Diese Bänder wurden von Eltern gestiftet, deren Sohn zum erstenmal das Gotteshaus betrat. Sie weisen eine Fülle von Figuren auf und sind oft ganz phantastisch bemalt und bestickt mit Bildern, die Bezug haben auf Geburt und Lebensweg des Kindes. Die Wimpel sind kunstvoll auf Seide gestickt bzw. handgemalt und stammen aus dem Anfang des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts. Unter Meßgewändern, in einer unscheinbaren Ecke dieses Raumes, kann der Besucher einen Thallis aus dem 18. Jahrhundert finden, einen Prachtgebetmantel aus Seide, in Gold und Silber gestickt. Daneben liegt ein altertümliches Synagogenbarett. In einem anderen Schrank sehen wir eine Sederschüssel aus Zinn, wie sie an den beiden ersten Abenden des Pessachfeftes noch heute benützt wird; eingraviert sind bildliche Darstellungen, hebräische Inschriften und die Jahreszahl 1713. Von der Decke dieses Schrankes hängen Teile von Sabbatlampen, getrieben und gegossen, aus Silber und vergoldet; drei- und sechsflammig, zwei- oder vierarmig; mit durchbrochenen oder gewölbten Rauchfängern und dem Arm zum Verkürzen und Verlängern (Abb. 2 und 3). Solche Ampeln sind heute noch sehr häufig in jüdischen Familien vorhanden. Aus dem 17. Jahrhundert finden wir an Thoraschmuck den Thoradeuter, die Hand zum Zeigen bei der Vorlesung in der Synagoge. Zwei noch vorhandene Silbergeräte dürften nach Ansicht des Kunsthistorikers Theo Harburger Amulette sein, wie sie früher gegen den „bösen Blick", bei Geburten usw. verwendet wurden. Auch ein schön geschnitztes Widderhorn, das Schofar für den Gebrauch an Neujahr, fehlt nicht. In früheren Zeiten fand die Zeremonie der Abb. 10 Silberne Chanukka-Lampe mit 8 Öllichtern Beschneidung, entsprechend ihrer Heiligkeit, fast immer in der Synagoge statt. Die dabei verwendeten Beschneidungsmesser sind leicht zu erkennen an dem besonderen Schliff der Klinge. Messer, wie die in Abb. 4 gezeigten, die aus dem 17. Jahrhundert stammen, wurden bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts verwendet. Von da an gebrauchte man fast ausschließlich moderne medizinische Geräte. Für den Trunk bei der Beschneidung ist ein Becher vorhanden aus Silber, vergoldet, drei ovalförmige, durch Blattornamente getrennte Schrifttafeln (Abb. 5) tragend. An Hawdolohgeräten sind nur zwei Gewürz- oder Psombüchsen aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts vorhanden, beide in Gestalt eines Wachtturmes; Abb. 6 zeigt eine einfache schmucklose Arbeit, während die in Abb. 7 gezeigte Büchse kunstvoll in Abb. 4 Beschneidungsmesser. 17. Jahrhundert Abb. 8 Menorah mit Rankenwerk