Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 21 (1.11.1928)
- Article
- Die Sammlung jüdischer Kult- und Kunstgegenstände im bayerischen Nationalmuseum
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
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330 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 21 Abb. 1 Thoramäntelchen wurden als Bruch verkauft. Doch finden wir verhältnismäßig viele wertvolle historische Gegenstände heute noch in kleinen jüdischen Land gemeinden. Da sind in alten Synagogen teilweise tadellos erhalten: Stickereien, Handschriften, Metallgegenstände, Grabsteine und vieles mehr. Besonders alteingesessene Familien bewahren die Kunstwerke als Erbstücke aus. Es handelt sich hier natürlich fast nie um systematisch aufgebaute Sammlungen; meist wurden die Gegenstände nur in pietätvollem Gedenken aufbewahrt. Es gibt aber auch größere jüdische Privatsammlungen und seit einer Reihe von Jahrzehnten jüdische Museen. Das älteste befindet sich in Wien; eines der reichsten neben der Sammlung in Paris, ist das Museum im Rothschildhaus in Frankfurt. Das Prager jüdische Museum bewahrt eine Fülle künstlerisch und historisch wertvoller Gegenstände auf als Zeugen der großen Vergangenheit der jüdischen Gemeinde in Prag. Seit 1926 besitzt auch Mainz ein eigenes jüdisches Museum. Auf der Suche nach alten jüdischen Kunftgegenftänden dürfen wir auch nicht Vorbeigehen an den oft sehr reichhaltigen Abteilungen für jüdische Kunst, die in anderen nichtjüdischen Museen eingerichtet wurden. Da sind vor allem die beiden jüdischen Zimmer im Museum in Würzburg, ferner die im elsässischen Museum zu Straßburg zu nennen, und die jüdische Abteilung im hessischen Landesmuseum Kassel, die erst seit 1927 besteht. Im Nationalmuseum in München befindet sich ebenfalls eine jüdische Sammlung. Den Grundstock zu dieser Sammlung von Gegenständen für den privaten und öffentlichen Gottesdienst der Israeliten bildet ein Geschenk des Mönchs Orban, der wie viele andere christliche Geistliche ein besonderes Interesse hatte für jüdische Kunftgegenftände. Vervollständigt wurde die Sammlung durch Ankäufe sowie durch Geschenke von Juden aus der Stadt und der Provinz. Beschreibung der Sammlung im Nationalmuseüm In großen Schränken werden die Stickereien aufbewahrt. Hier findet man oft alle Farben und Stoffe: Seide, Samt, Damast, Brokat, Gobelin und Atlas; neben den einfachen Stoffen vielfältige Muster. Nichts war ihnen zu kostbar, wenn es galt, ihre Synagoge zu schmücken und daraus mag man wohl auf die Wahrheit und Innigkeit ihres Glaubens schließen. Im Nationalmuseum ist leider nur ein solcher Vorhang für die Thoralade (Prochos) vorhanden, aus dem Jahre 1692, mit Blumen bestickt. Daneben in guter Verfassung aus Samt mit Goldstickereien und Schrift versehen ein Thoramäntelchen aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts (Abb. 1). Abb. 11 Goldene Trauringe Abb. 2 Sabbatlampe Abb. 12 2 Innenseiten der handgeschriebenen Omertabelle