Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 21 (1.11.1928)
- Article
- Die Sammlung jüdischer Kult- und Kunstgegenstände im bayerischen Nationalmuseum
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 332 (sequence 4)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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332 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 21 Abb. 5 Silberbecher vergoldet .-s'S.yi'i&V.iklä' Silberfiligran gearbeitet ist, außen mit Zifferblättchen und Fähnchen, innen mit Glöckchen versehen. Wir kommen zur Menorah des Chanukahfeftes. Zahllos sind hier die Spielarten und Typen der Stücke, die uns begegnen. So verfügt das Wiener jüdische Museum über etwa neunzig verschiedene Menoroth. Auch die fünf Chanukahleuchter im bayerischen Nationalmuseum zeigen interessante Variationen. Da ist besonders erwähnenswert ein großer Messingleuchter mir Rankenwerk (Abb. 8); Abb. 9 zeigt von einem Synagogenpult eine gegossene Menorah mit durchbrochener Rückwand, an der drei Tiere sich befinden; Abb. IO eine silberne Lampe, deren acht Olbecken den Lichtern für die acht Tage des Chanukahfeftes dienen. In Polen und Rußland arbeitet der Silberschmied oder Holzschnitzer, wenn er für die Synagoge oder irgend einen Zaddik eine Menorah herstellt, nicht allein um des Erwerbes willen, vielmehr will er sein ganzes Können zum Ausdruck bringen; er betrachtet die Schöpfung eines solchen Werkes als eine heilige Handlung. So kommt es, daß wir im Osten die wundervollsten Menoroth vorfinden. Abb. 9 Menorah, Messing, gegossen Bei den Sefardim zeigen die Eheverträge reichen Schmuck an Bandwerk, Blumen, Abbildungen von Wappen und biblischen Szenen. Solch ein Ehevertrag (Kethuba), eine prächtige Pergamenturkunde aus Tunis, wurde dem Museum im Jahre 1883 von Dr. Perles geschenkt. Meist wurden bei der Ehe auch besondere Ringe übergeben, die fast durchwegs ähnliche Formen aufweisen. Auf einem glatten Innenreis pflegt ein mit Buckeln, Gitterwerk und Email, mit Ornamenten und Rosetten versehener Außenreif zu sitzen, der meist ein Häuschen oder buchartiges Gebilde mit aufklappbarem Deckel trägt. Daran befindet sich eingraviert der Segenswunsch Masel-Tov (Gut-Glück), oder bei Doppellrauringen die Namen der Braut und des Bräutigams (Abb. 11). An bildlichen Darstellungen besitzt das Museum eine schön ausgeschmückte Tefillah aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, mit Miniaturen der Mahlzeit, der Gesetzestafeln, des Mattisjahu, des Mordechai und der Esther versehen. Es enthält unter anderem das Tischgebet und das Nachtgebet. Abb. 12 zeigt eine schön erhaltene handschriftliche Omertabelle aus dem Jahre 1674, deren Deckel aus Holz, mit Leder überzogen, ist und eingepreßte Blumen enthält. Abb. 3 Sabbatlampe Auf Pergament sind noch vorhanden: Eine vollständige Eftherrolle, eine Thorarolle, ein sog. Get oder Scheidebrief, eine genaue Kopie nach einer Urkunde aus dem Jahre 1866. Zu erwähnen sind noch: Eine Anzahl Blei- und Silbermünzen mit hebräischen Inschriften, zum Teil aus der Zeit des Aufstandes Bar Kochbas; in einem alten Säckchen die Gebetsriemen (Tefillin); Mesusoth in Glas und in Messingkapseln; ein Mäntelchen mit Häubchen für den Gebrauch bei der Beschneidung und Auslösung der Knaben. Im Hof des Museums finden wir zwei Grabsteine aus dem alten Iudenfriedhof zu Regensburg ausgestellt. Sie stammen aus den Jahren 1313 und 1344.