Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1928
- Issue
- 10 (15.10.1928)
- Article
- Die Neuordnung der Lehrerbildung in Bayern
- Date
- 1928-10-15
- Page
- Seite 23 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 10 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern 23 Verwendet dielelegramm-krssh-fformulsre des Urselitischen Ifrauen-Vereins München le.V.1 von 1SZ0 kosten nur 300 RM., die fehlenden 300 RM. werden durch Stipendien (im wesentlichen der Lundesverbände) gedeckt. Die Entscheidung für einen anderen akademischen Beruf würde all diesen Schülern anstelle der für unser Schülerheim benötigten 300 RM. einen Kostenaufwand von 1200 bis 1500 RM. pro Jahr auferlegen. Man vergleiche also den Kostenpunkt: 8 Jahre Lehrerbildung (6 Jahre Aufbaufchule und 2 Jahre Akademie) — 8 X 300 RM., in Summa 2400 RM. Jedes andere akademische Studium (selbst wenn man nur 6 Jahre Aufbauschule, nicht die Oklassige höhere Schule, zugrundelegt und 5 Jahre Universität) — mindestens 11 X 1500 RM. — 16 500 RM allein für die Verpflegung. Das wirtschaftliche Moment ist aber in unserem Falle umso schwerwiegender, da die weit überwiegende Zahl der Schüler, welche sich dem Lehrerberufe zuwenden, aus Plätzen stammt, an denen die Massigen höheren Schulen fehlen. Die Großstädte haben bisher Material für den Lehrernachwuchs nur in recht bescheidenem Ausmaß geliefert. Für die jüdische Öffentlichkeit fällt es wenig ins Gewicht, wenn sie bei einer Verlängerung der Bildungszeit um ein Jahr die Zuschüsse zu den Kosten der Lehrerbildung und ihre Zuschüsse für Stipendien um ein Geringes erhöht. Diejenigen Kreise aber, die bisher diese wirtschaftliche Vergünstigung in den Lehrerberuf hineingelockt hat, werden auch künftig gar nicht in der Lage sein, etwa nach Absolvierung der Aufbauschule in einen anderen akademischen Beruf abzuspringen. Freilich wird die Auslese für die Aufnahme in die Aufbauschule eine noch intensivere sein müssen, als es bisher beim Eintritt in die Präparandie der Fall war. Es muß aber in dieser Beziehung darauf hingewiesen werden, daß in den letzten Jahren unter der Wirkung des starken Überschusses an Anwärtern für den allgemeinen staatlichen Volksschuldienst die Aufnahmebedingungen für die 1. Klasse fortgesetzt verschärft wurden und die jüdische Lehrerbildung mußte darin folgen: sie konnte folgen, weil in den letzten Jahren, seitdem durch die Tätigkeit der Landesverbände die wirtschaftliche Grundlage des jüdischen Lehrerberufes eine gesicherte geworden war, auch eine bestimmte Sckicht der städtischen Jugend, und zwar der minderbemittelten Kreise, dem Lehrerberufe zugegangen ist. die früher in unserer Anstalt völlig gefehlt bat. Mußte ich vor vier Jahren an gleicher Stelle aeleoentlich eines anderen Referates noch aussprechen, daß kein balbwegs beoabter junger Mann aus der Stadt bisher unsere Anstalten besucht hat. so ist seit dieser Zeit ein Wandel einqetreten. Unsere Klassen sind heute überfüllt. Die Durchschnitts- Kiffer der Anmeldung für die 1. Präparandenklaffe betragt in den letzten Jahren 30 pro Jabr. von denen nach Aufnahmeprüfung und nach Probezeit kaum 20 in der Klaffe belassen werden. Wenn davon 15 bis 18 ins Seminar einrücken, so verstärkt sich diese Zahl noch einmal etwa um ein Drittel dieser Ziffer durch Zugang von Absolventen der sechsklaffigen höheren Schulen. An Schülermaterial wird es also der Aufbauschule und der jüdischen Akademie bestimmt nicht fehlen, auch wenn die Auslese eine noch schärfere sein wird. d) Das Verlangen nach Sonderbildungsstätten für Religmnslehrer wird auch beorvndet mit der Befürchtung. der auf der Akademie ausgebildete Religionslehrer werde nicht aufs Land gehen. Abgesehen davon, daß der Landpfarrer und der Lan^rabbine'- Wurgvreppach. Jchenhausen!), der Landarzt, der Amtsrichter auf dem kleinen Matze das Gegenteil beweisen, wird der künfffge Bedarf an jüdischen Lehrern für kleine Plätze ia gar kein bedeutender sein. Ein Beispiel: In Unterfranken sind in den letzten 33 Jahren, dem Zeitraum einer Generation, den ich aus eigener Anschauung überblicken kann, 46 jüdische Beamtenstellen in kleinen Gemeinden verschwunden. Die Zahl der lebensunfähig werdenden Kleingemeinden ist im Zunehmen: aus physischen Gründen, weil das Absterben der Judenheit auch auf dem kleinen Platze fortschreitet, aus geistigen Gründen, weil, wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, manche dieser Kleingemeinden trotz der Hilfe des Verbandes nicht mehr das Bedürfnis und nicht mehr den Willen haben, ihre Beämtenstellen zu besetzen. Schluß folgt. Ansiellungsprüfung für Uolksfchullehrer. W ü r z b u r g. An der diesjährigen Anstellungsprüfung für Volksschullehrer beteiligten sich drei israelitische Kandidaten. Wie alljährlich hatte die Regierung von Unterfranken für das Lehrverfahren aus dem israelitischen Religionsunterricht einen dreigliedrigen Prüfungsausschuß berufen. Die mündliche und schriftliche Prüfung aus dem Lehrverfahren für Religionsunterricht fand wiederum in der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt statt. Das Thema für die schriftliche Prüfung lautete: „Welche pädagogischen Gründe sprechen für den Anschluß des Unterrichtes in der Religionslehre auf der Oberstufe der Volksschule (5.—8. Schuljahr) an die biblischen Quellen. Wie kann dieser Unterricht im Sinne des Arbeitsgedankens gestaltet werden." Gedächtnisfeier für Seligmann Bär Bamberger f. A. Würzburg. Israelitisches Lehrerseminar. Am zweiten Tage Sukkoth sind fünfzig Jahre vergangen, seitdem Seligmann Bär Bamberger aus dem Leben geschieden ist. Am 27. September fand aus Anlaß des fünfzigjährigen Todestages im Seminar, das im Jahre 1864 durch Seligmann Bär Bamberger gegründet worden ist, im internen Rahmen der Schule eine Gedenkfeier statt. Nach dem Vortrage des siebenten Abschnittes aus dem Mischnatraktat Mikwoaus entwarf der Schulleiter ein Lebensbild des Gründers der Anstalt und zeichnete im Rahmen der historischen Entwicklung der bayerischen Judenheit im neunzehnten Jahrhundert die Wirksamkeit des großen Würzburger Raws und dessen Bedeutung für die derzeitige Gestaltung des innerjüdischen Lebens in Deutschland. Im Anschluß daran brachte der Seminarrabbiner, Herr Dr. Neubauer, aus den halachischen Werken des Verewigten einige Abschnitte zum Vortrag. Nachtrag zur Neujahrswunsch-Enthebungslisie. Bein (Nürnberg), Blumenthal (Unsleben), Frank (Uffenheim), Gutmann (Schneittach), Kiffinger (Frankenwinheim), Strauß (Uffenheim). Einzahlungen im September 1928. Von: Hirsch (Nürnberg) 30.—, Rose (Altenstadt) 15.—, Ottensoser (Würzburg) 15.—, Lichtenstädter (Hamburg) 10.—, Rau (Hirschaid) 15.—, Hammelburger (Mühlhausen) 15.—, Blatt (Obbach) 15.—, Fulder (Treuchtlingen) 15.—, Sulzbacher (Hanau) 20.—, Pollack (Marktbreit) 7.50, Berlinger (Schweinfurt) 30.—, Lehmann (Eschau) 15.—, Kannemacher (Aub) 15.—, Vlumenthal (Unsleben) 15.—, Ochsenmann (Frankfurt) 10.—, Frank (Uffenheim) 15.—, Schloß (Nürnberg) 15.—, Herz (Altenmuhr) 30.—, Cisemann (Würzburg) 15.—, Bruckheimer (Marktbreit) 15.—, Nußbaum (Dahn) 30.—, Oppenheimer (Fürth) 15.—. Durch: Blatt (Obbach) 6.—, Gutmann (Öttingen) 35.—, Hellmann (Bad Tölz) 200.—, Ochsenmann (Frankfurt) 5.—, L. Uhlfelder (Nürnberg) 20.—. modern wie kein anderer AUTOHAUS-AUGSBURG Waetzoldt & Aigner Ausstellung: Maximilianstraße A 35 ✓ Reparaturwerk: Ulmer Straße 34-38 Fernruf 4132 und 4162 cHRyaeji allen überlegen Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: M. Rosenseld, München.