Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 17 (13.9.1928)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der sechsten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Bamberg am 17. und 18. Juni 1928
- Date
- 1928-09-13
- Page
- Seite 284 (sequence 5)
- Language
- German
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284 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 modern wie kein anderer AUTOHAUS-AUGSBURG Waetzoldt & Aigner Ausstellung: MaximilianstraBe A 35 ✓ Reparaturwerk: Ulmer StraBe 34-38 Fernruf 41 >32 und 4162 allen überlegen Dr. Bamberg er (Nürnberg): Ich möchte bitten, die Anregungen, die ich gestern im Namen meiner Freunde gegeben habe, Rabbinatsbezirke, in denen nur Personalunion besteht, betr., als Material hier mitzuverwenden. ObstLGR. Prof. Dr. Silb erschmidt (München) stellt fest, daß hiergegen, sowie gegen den Antrag des konservativen Blocks Erinnerungen nicht erhoben werden. Schluß der Vormittags-Sitzung 1.15 Uhr. Fortsetzung der Verhandlungen nachmittags 3.15 Uhr im Saale der Gesellschaft Ressource: ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt (München) eröffnet die Sitzung und erteilt dem Berichterstatter Rechtsanwalt Dr. Werner (München) das Wort zu seinem Referat über die Siedlungsfrage. (Das Referat wird in einer der nächsten Nummern der Zeitung gesondert abgedruckt werden.) OLGR. Dr. Neumeyer (München): Kein anderes Referat hat so lebhafte Aufmerksamkeit erweckt, wie die Worte, die wir soeben gehört haben, nach der sachlichen und nach der persönlichen Seite. Sachlich handelt es sich hier um die jüdische Frage, die Frage, im Vergleich zu der alle anderen weit zurücktreten, es handelt sich um die Erhaltung des deutschen Judentums. Nach der persönlichen Seite haben wir von Herrn Kollegen Werner in kristallklaren, scharf umrissenen und doch liebenswürdigen Worten das Problem aufgerolll bekommen, so daß wir alle von der Bedeutung der Angelgenheit durchdrungen sind und die Hoffnung haben, daß die hier entwickelten Bestrebungen eine Veränderung der Lage allmählich herbeiführen werden. Wir danken von Herzen dem verehrten Herrn Vortragenden für das, was er unserem Verband, was er der bayerischen und deuffchen Judenheit durch seinen Vortrag geleistet hat. Wir danken ihm aber auch als Repräsentanten des Bundes Jüdischer Frontsoldaten, wir anerkennen die Legitimation des Bundes zu diesem Vorgehen, der Vereinigung, TOßnn '7W5LSSI Aass-ScfineLcLereL - AociLsches ßelwerl^. f hiiA: welche Männer umschließt, die für das Vaterland geblutet und Leben gelassen haben. Es ist aber auch unsere eigenste Sache, die hier betrieben wird. Darum möchte ich die herzliche Bitte an unseren Verband richten, daß er die Bestrebungen mit aller Hingebung unterstützt, daß er ideell und materiell die Voraussetzungen schafft, durch die das große Werk der Berufsumschichtung der deutschen Juden in die Wege geleitet wird. Es ist angeregt worden, zusammen mit den Organen des Frontbundes einen Ausschuß zu bilden, der die erforderlichen Arbeiten vorbereitet. Zunächst handelt es sich um Arbeiten statistischer Art, die Feststellung der Tatsachen, die uns befähigen soll, das Problem näher zu erfassen. Ich möchte den Vorschlag machen, daß der Rat das Präsidium ermächtigt, die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen. Dagegen erhebt sich keine Erinnerung. Ich möchte dem Herrn Vortragenden nochmals herzlichsten und wärmsten Dank für die gute Arbeit sagen, die hier geleistet wor- Rechtsanwalt Feilchenfeld (Nürnberg): Ich bin der Ansicht, daß wir die Aussprache nicht auf den Schluß verschieben können. Ich glaube, wir können überhaupt keine Aussprache halten. Wir können beschließen, diese wichtige Frage, über die die Meinungen sehr geteilt sind, nach gründlicher Vorarbeit auf die Tagesordnung der nächstjährigen Tagung zu setzen, damit genügend Zeit für eine Aussprache vorhanden ist. ObstLGR. Prof. Dr. Silb erschmidt (München): Wir werden diesem Wunsche entsprechen. Hauptlehrer Krämer (Speyer) schließt sich den Ausführungen von Rechtsanwalt Feilchenfeld an und bittet, die Ausführungen von Rechtsanwalt Dr. Werner in der Gemeindezeitung zu veröffentlichen. ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt (München) erteilt nunmehr das Wort dem Geschäftsführer der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Herrn Dr. Friedrich Ollendorf (Berlin) zu seinem Vortrag Probleme der jüdischen Wohlfahrtspflege. (Der Vortrag erscheint als Sonderabdruck in einer der nächsten Nummern der Zeitung.) ObstLGR. Prof. D r. Silberschmidt (München) dankt Dr. Ollendorf für die knappe und doch so ausführliche Arbeit. Es ist eine Eigentümlichkeit dieser sozialen Probleme, daß sie nicht gesondert erfaßt werden können, sondern nur, wenn alles ineinandergreift^ Unsere Aufgabe ist, daß alles vom Standpunkkt des jüdischen Menschen erfaßt wird. Das hat uns Dr. Ollendorf in einer meisterhaften Weise gezeigt. Es folgen die Referate von Fräulein Dr. Strauß und Fräulein Katzen st ein vom Wohlfahrtsamt des Verbandes die Wohlfahrtsarbett des Verbandes. (Die Referate werden ebenfalls gesondert in der Zeitung abgedruckt werden.) ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt (München) dankt den beiden Damen für die Referate. Lehmann (Fürth): Wenn wir uns mit dem Problem der jüdischen Wohlfahrtspflege befassen, so müßte das Thema, über das wir uns unterhalten, vor allem die Tatsache hervorheben, daß immer mehr und mehr Personen, die früher in guten Verhältnissen waren, sich nun vertrauensvoll an unsere Wohlfahrtsstellen wenden müssen. Es sind dies die Kreise des jüdischen Mittelstandes. Ich darf Sie einmal hineinführen in diese Kreise, in das Elend des jüdischen Mittelstandes. Ich möchte ein Beispiel bringen: Ein jüdisches Ehepaar, das vor dem Kriege den Bund fürs Leben geschloffen hatte, hatte einen materiellen Hintergrund darin, daß es ein gutgehendes Geschäft hatte. In den gesicherten Verhälnissen konnte sich diese immer mehr und mehr entwickeln, die Kinder konnten tüchtige Berufe ergreifen und so wurden die Leute 50 und 60 Jahre alt. Aber wie schrecklich hat der Krieg hier gehaust. Was ist aus dem jüdischen Mittelstand geworden. Das Vermögen ist durch die