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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-09-04 · 16 (4.9.1928) · p. Seite 266

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
16 (4.9.1928)
Article
Konferenz des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum zu Berlin
Date
1928-09-04
Page
Seite 266 (sequence 5)
Language
German
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266 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 vmfmn (penisdsfmsse /mässi Aoss - Schneiderei. - Ax>disches ßelwerK. mm H ersch Cambridge: Nicht nur eine Verbindung zwischen Liberalen und Reformisten tut not, sondern wir muffen Brücken bauen zum gesamten Judentum. Wir sind uns dessen i mßt, daß immer eine Lücke bestehen bleibt zwischen Bekenntnis und Erfüllung; das Bekenntnis aber müssen wir Hochhalten, es soll uns im Leben ein Wegweiser sein. Rabbiner Dr. Dienemann knüpft an das Wort von Dr. Baeck von der Botschaft des liberalen Judentums an. Ist Judesein nicht schon an sich Botschaft? Auch die Orthodoxie steht in der Welt mit einer Botschaft. Die Aufgabe ist aber in der Welt, in der man hineingesetzt ist, zu kämpfen, nicht bloß nach einem Schulchan aruch zu leben. Die Orthodoxie hält starr an der Norm, die Botschaft des liberalen Judentums ist es, dem Inhalt neue Form zu geben. Rabbiner Dr. Wiener erklärt im Gegensatz zu Lehmann, daß das religiöse Prinzip mit den Erkenntnissen der Wissenschaft nie übereinstimmen kann. Religion ist die Botschaft Gottes an uns, die Wissenschaft ist atheistisch. Auch wir Liberale stehen auf dem Boden einer tausendjährigen Tradition, doch haben wir Kontrolle über Gesetz und Halacha. Der Redner versucht eine Präzisierung des Begriffes „jüdisches Volkstum", er wird aber von dem Vorsitzenden mit der Bemerkung unterbrochen, daß Darlegungen über Nationales nicht zugelassen werden können. Dr. Wiener weist darauf hin, daß Hermann Cohen die Heiligkeit des Sabbat ausdrücklich anerkannt hat. Religiöse Reformen allein werden in der wissenschaftlichen soziologisierten Welt der Zukunft die Religion nicht erhalten können. Prof. Dr. Elbogen wendet sich gegen die sonntägigen Ausführungen von Dr. Lehmann, der noch heute so spricht, wie er vor 30 Jahren gesprochen hat. Wir stehen auf dem Boden der Tradition, lasten Sie uns da stehen. Welchen Ersatz geben Sie uns für die Tradition? Welche großen Werte hat die Reform im Verlauf von 80 Jahren geschaffen? Dr. Lehmann sagt, das Religiös-Sittliche komme in der Tradition nicht zur Geltung, das ist grundfalsch! Nur in der Tradition ist das Religiös-Sittliche. In der Art, wie Dr. Lehmann es tut, sollte man über das alte Judentum nicht sprechen, das uns die Schrift bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Man weist die Amerikaner als auf ein Beispiel hin. Sind sie wirklich besser, frömmer, geistiger als wir? Prof. Morgenstern (Cincinnati): Die Norm der Agudah ist Vergangenheit. Aufgabe der Liberalen ist es, aus der Vergangenheit durch die Gegenwart für die Zukunft zu wirken. Dr. Stern glaubt im Gegensatz zu Dr. Lehmann, daß die Vernunft nicht Richter sein kann in der Religion. Ein Ausgleich zwischen Fühlen und Überlegen, zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft, muß geschaffen werden: Das ist die Botschaft des liberalen Judentums. Die Frage des Sabbat ist mit sozialer Logik nicht zu lösen. Der Sabbat wirkt lauch erzieherisch auf die Jugend. Jeder lebe in seinem Hause, wie es ihm fein Gewissen diktiert, aber der Gedanke des Klal Jisroel soll stets hochgehalten werden. Dr. Goldenson (Pittsburg): Der Geist des liberalen Judentums bedeutet Auffassung der Welt als sittliche Ordnung. Bruno W o y d a: Gestern war die Stimmung gegenüber der Reformgemeinde eine freundliche, heute ist sie eine gegenerische. Erschöpft sich das Judentum in Sabbat? Wollen wir das liberale Prinzip respektieren? Würde der Jude sich nicht an die Religionsgemeinschaft gebunden fühlen, wenn er an einem anderen als dem Sabbattage seine Andacht halten wird? Lieber ein Sonntag gewidmet der Religion als ein Sabbat, der nicht gehalten werden kann. Die vor kurzem stattgefundene Konferenz der deutschen Rabbiner hat sich mit sozialen Fragen, wie Achtstundentag und soziale Versicherung, beschäftigt. Das ist religiös, das ist jüdisch. Religion ist nicht toter Buchstabe sondern lebendiger Geist. Ich stimme nicht mit Dr. Wiener überem, daß die Träger der jüdischen Religion durch Stamm geeint sind. Für mich ist jeder, der die jüdische Religion anerkennt, Jude, gleichviel ob er jüdischer oder nichtjüdischer Abstammung ist. Als religiöser Sozialdemokratdarf ich daraufhinweisen, daß die Sozialdemokratie am meisten zur Linderung der Not der werktätigen Massen beigetragen hat. Es besteht auch ein Bund religiöser Sozialdemokraten. Dr. S e e l i g s o h n präzisiert die Stellung der Jugend zum liberalen Judentum und vermißt im Liberalismus eine innere Stellungnahme zu den Fragen von heute, zur modernen Wissenschaft und der Pädagogik. Am Montag, nachmittag, teilte sich die Konferenz in drei Sektionen, in denen das Hauptthema „Die Verwirklichung der Botschaft des liberalen Judentums" behandelt wurde. In der ersten Sektion, die dem Thema „Gottesdienst" gewidmet war und die unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Elbogen stattfand, referierten Rabbi S. H. Goldenfon, Rabbiner der Rodef Shalom Congregation in Pittsburg und Rabbin Germain Levy, Rabbiner der Union Liberale Jsraslite in Paris. In der zweiten Sektion wurde das Thema „Häusliches Leben" behandelt. Redner waren Hon. Lily Montague und der Vorsitzende der Vereinigung für das liberale Judentum Heinrich Stern. Die dritte Sektion (Vorsitzender Rabbi Julian Morgenstern, Präsident des Hebrew Union College in Cincinnati) behandelte das Thema „Jugend". Es sprachen Dipl.-Jng. Ludwig Lewin vom jüdisch-liberalen Jugendverein in Berlin und Reo. M. L. Perlzweig (London). Gegen 6 Uhr abends war das Plenum der Konferenz wieder versammelt; die Hauptaussprache wurde fortgesetzt. Es ergriffen das Wort Dr. V a g e l st e i n (Breslau), Rabbi Silverman, Rabbi M a t t u ck. Rabbiner G o t t s ch a l k (Frankfurt a. M.), R.-A. G a l l i n e r (Berlin), Dr. Norden (Elberfeld), Rabbiner S e - ligman und Rabbiner Dr. Wolfs (Dresden). Frau Bertha Falckenberg (Berlin) sagte: Wir Frauen haben die Botschaft des liberalen Judentums vernommen und werden sie in die Tat umsetzen. Wir liberalen Frauen in Deutschland werden uns zusammenschließen, um die Kleinarbeit zu tun. Die Referenten Dr. Lehmanni, Philipson (Cincinnati) und Dr. Baeck gehen noch kurz auf die Darlegungen der Diskussionsredner ein, womit die Hauptaussprache beendet ist. Der Vorsitzende Dr. Blau gibt noch ein kurzes Resumo und führt aus: Meinungsverschiedenheiten bestanden nur über Weg, nicht über Ziel. Das Ziel ist das gleiche: Wir wollen alle nach höchster Jüdischkeit streben. Die Aussprache bewegte sich auf hoher Linie, über vieles wurde Klarheit geschaffen, man hat viel voneinander gelernt. Die Konferenz schreitet zur Wahl der Leitung des Weltverbandes. Es erfolgt durch Zuruf die Wiederwahl der schon von der er- Verwendet dielelegramm-lkrsatz-Ifornmlare des Israelitischen ssrauen-Vereins München le.V.j von J830

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