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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-08-01 · 14 (1.8.1928) · p. Seite 237

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
14 (1.8.1928)
Article
Protokoll der Verhandlungen der sechsten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Bamberg am 17. und 18. Juni 1928
Date
1928-08-01
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 237 In Augsburg Hotel Bayerischer Hof I wohnt man gut und billig im | gemeinden können größere Mittel bereitstellen und haben die Möglichkeit, die anderen zu beglücken. Wir erkennen das durchaus an. Wir danken ihnen herzlich dafür, nur möchte ich zum Ausdruck gebracht haben, daß Sie nicht glauben, wir würden Ihre Verdienste nicht anerkennen. Wir könnten aber auch im Verband die Kleingemeinden mit Nichten missen wollen. An den Feststrauß am Sukkos müssen wir denken, in dem das Hohe und Niedere, das Glänzende und Bescheidene vereinigt sind, neben der Palme die Bachweide. Alle zusammen ergeben erst das rechte Bild der Menschheit, der Gesellschaft. Sie sind alle notwendig. Auf eines möchte ich noch Hinweisen. Es war nicht meine Absicht, die Begründung von Volksschulen hier zur Debatte zu stellen. Aber nachdem einige Punkte nicht richtig oder nicht scharf genug hervorgehoben worden sind, möchte ich doch sagen: Nur in einer Konfessionsschule lernt das jüdische Kind den Sabbat und den jüdischen Gottesdienst kennen, prägen sich in wirksamem Anschauungsunterricht religiöse Bilder der Seele ein. In der Simultanschule kann es den Sabbat nicht so halten, wie er eigentlich gehalten werden sollte. Es kann nicht in ausreichendem Maße an den Freuden des Sabbats teilnehmen. Ich kann es sehr wohl begreifen, daß unsere Zeit auf dem Standpunkt der Konfessionsschule steht. Denn die Schule soll nicht nur unterrichten, sie soll auch erziehen. Das ist der Hauptgrund, warum wir eine Konfessionsschule erstreben und uns gezwungen fühlen dafür einzutreten. Es fehlt uns auch nicht an Verständnis für den anderen Standpunkt. Aber im Abwägen des Für und Wider bleibt für unsere Weltanschauung die jüdische Volksschule die zwingende Parole. Und damit komme ich auf einen anderen Punkt. Als Vertreter und Vorsitzender des Bundes gesetzestreuer Gemeinden in Bayern habe ich den Versuch gemacht, daß die jüdischen Kinder auf Wunsch der Erziebungsberechtigten das Recht haben sollen, am Sabbat vom Unterricht befreit zu werden. Ich möchte an den sehr verehrten Vertreter der hohen Staatsregierung die dringende Bitte richten, daß diese Frage der Befreiung der israelitischen Volksschüler vom Unterricht am Sabbat noch einmal einer Revision unterzogen wird, damit dies vielleicht doch gestattet wird. Noch einen Punkt möchte ich herausgreifen, weil er mir in einer schiefen Darstellung gegeben erscheint, und zwar die Ausführungen des Kollegen Baerwald. Es ist nicht ein Mangel an Verantwortungsbewußtsein, sondern die Scheu vor den Kosten, wenn die Vereine und Stiftungen keine aedruckten Rechenschaftsberichte seit Jahren herausgeben. Zum Schlüsse möchte ich nochmals der verehrten liberalen Fraktion danken. daß sie ein Rabbinat zu erhalten beschlossen hat, das bereits im 17. Jahrhundert bestand, dessen Mitglieder unbedingt eine geistliche Seelsorge wünschen und das nach seiner Seelenzahl durchaus bereckitigt ist, sie durch einen eigenen Rabbiner zu erhalten. Dr. Landenberger: Ich möchte zu drei Punkten Stellung nehmen. Das erste ist die jüdische Volksschule. Es liegt mir ganz fern, dieses außerordentlich schwierige Problem 'weiter aufzurollen. Ich möchte nur auf das eine Argument von Feilchenfeld eingehen, das er für die Erhaltung der jüdischen Volksschule angeführt hat, nämlich, daß indische Lehrkräfte an Simultanschulen nicht angestellt werden. Diese Tatsache ist bedauerlicher Weise richtig. Es liegt hierin aber kein Grund, jüdische Volksschulen zu schaffen. Es ist vielmehr Aufgabe des Verbandes, mit allen Kräften bei der Staatsregierunq aeaen diese ungerechten Anstellungsgrundsätze anzukämpfen. Die indische Volksschule kann man aber durch den Hinweis auf diese Tatsache in keiner Weise rechtfertigen. Weiterhin hat Kollege Feilchenfeld aesaat. er stebe im Gegensatz zu den Ausführungen von Juna hinsichtlich der jüdischen Kleingemeinden. Ich glaube, daß hier ein Mißverständnis obwaltet. Denn in dem Bestreben, die Kleingemeinden zu erhalten, läßt sich die liberale Fraktion von keiner anderen Partei übertreffen. Dies hat auch Dr. Stein anerkannt. Wir sind uns völlig bewußt, daß der Verband ja gerade deshalb ins Leben gerufen wurde, um diese kleinen Gebilde zu erhalten. Wir wissen weiter, daß die Ankunft der Juden in Bayern mit davon abhänaig ist. daß das Judentum auf dem Lande erhalten wird. Es besteht zweifellos die Gefahr, daß die Juden der Großstadt dem Aussterben anheimfallen, wenn sie keinen Zuzug aus den Kleingemeinden mehr haben werden. Aus diesem Grunde treten wir dafür ein, daß hier alles geschehen muß und daß keine Opfer gescheut werden dürfen, um die kleinen Gemeinden zu erhalten. Jung hat lediglich und das vollkommen richtig ausgeführt, daß man dann, wenn beispielsweise in einer Gemeinde nur noch ein oder zwei Familien sind oder nur einige Personen, natürlich dazu schreiten muß, diese Leute anderen Gemeinden zuzuweisen und das. werden Sie doch auch zugeben. Ich glaube, darüber sind wir uns alle einig. Im Anschluß daran möchte ich noch, wie ich dies bisher auf jeder Tagung getan habe, zu der Siedelungsfrage sprechen. Hier ist zunächst der Zusammenhang des Siedelungsproblems mit der Frage der Erhaltung der Gemeinden auf dem Lande festzustellen. Nachdem wir die Siedelung propagieren, wäre es nicht logisch, wenn wir die Juden, die schon auf dem Lande sind, nicht auf dem Lande halten wollten. Wir wollen das Alte nicht zerstören, bevor wir das Neue schaffen. Und deshalb sind wir auch schon aus dem Gesichtspunkt der Siedelung für die Erhaltung der Kleingemeinden. Ich habe auch namens des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten den Auftrag, dem Präsidium des Verbandes, insbesondere dem Präsidenten des Rats, und der Tagung unseren Dank dafür zum Ausdruck zu bringen, daß unser Verband bahnbrechend im Deutschen Reiche in der Frage der Unterstützung der Siedelungsprojekte des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten vorgegangen ist. Der Herr Präsident des Rats hat sich insbesondere die Förderung dieser unserer Bestrebungen mit allen Kräften angelegen sein lassen. Er hat die Zeit und Mühe nicht gescheut, sich an der Siedelungskundgebung des Reichsbundes im Herrenhaus in Berlin zu beteiligen. Er hat sich auch dafür eingesetzt, daß der Verband die Siedelungsbestrebungen tatkräftig durch Bereitstellung von Mitteln gefördert hat. Das Vorgehen des Bayerischen Landesverbandes in dieser Frage war zweifellos für die übrigen jüdischen Organisationen in ihrer Haltung zu der Siedelungsfrage von größtem Einfluß. Auch der preußische Landesverband wird unbedingt dem guten Beispiel folgen müssen, das ihm in dieser Richtung von unserem Verband gegeben worden ist. Unser bayerischer Verband hat sohin außerordentlich segensreich in der Siedelungsfrage gewirkt. Ich möchte den Wunsch aussyrechen. daß sich der Verband weiter in dieser Richtung bewegt und ich bitte Sie, die von uns beantragte Erhöhung des in den Voranschlag eingesetzten Betrages für Siedelungszwecke zu bewilligen. Engel: Ich möchte Sie bitten, für den Verein zur Förderung der rituellen Speisehäuser in Hamburg statt 500 RM. 2000 RM. einzusetzen. Ich weiß, daß unser Herr Schatzmeister dies mit der üblichen Begründung ablehnen wird, daß der Etat nicht abgeändert werden soll. Ich würde mich deshalb damit begnügen, wenn der Kraftfahrzeuge, BlutenburgstraBe 91 Telephon 63457 OPEL / STUDEBAKER Vertretung / SpezlahReparaturwerkstätie / Günstige Ratenzahlungen

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