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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-08-01 · 14 (1.8.1928) · p. Seite 234

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
14 (1.8.1928)
Article
Protokoll der Verhandlungen der sechsten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Bamberg am 17. und 18. Juni 1928
Date
1928-08-01
Page
Seite 234 (sequence 6)
Language
German
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234 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 14 len zum Ausdruck bringen, daß wir der oerehrlichen Verbandsleitung unseren Dank abstatten für all das, was sie in Hingebung und außerordenüicher Anstrengung zum Segen des gesamten bayerischen Judentums und für das gesamte deutsche Judentum leistet. So wie es aber notwendig ist, daß der eine den anderen ergänzt, daß der eine den anderen auf Möglichkeiten hinweist, so halten wir es für dringend notwendig, der verehrlichen Verbandsleitung gegenüber Gesichtspunkte geltend zu machen, die in Zukunft berücksichtigt werden sollen und die eine prinzipiell andere Behandlung notwendig machen. Wir müssen da aus Dinge zurückgreisen, mit denen wir uns schon im vorigen Jahre beschäftigt haben; zunächst ist es 1. die Einbürgerungsfrage der Ostjuden. Wir sind dankbar und erkennen es an, daß so manches sich schon geändert hat, aber die Verhältnisse sind immer noch trostlos. Wir sprechen nicht etwa von einer Verstärkung oder Vermehrung der Einwanderung, obwohl das auch nicht schaden könnte, aber wir wissen, daß Kinder, die in Bayern geboren und in Bayern in die Schule gegangen sind und nie das Ausland gesehen haben, einen Kampf führen um ihre Einbürgerung und eine Heimat, der geradezu trostlos ist. Ich möchte ein Beispiel von Nürnberg anführen. Ein junger Mann, der in Nürnberg geboren und in Erlangen studiert hat, mußte in Hamburg sein Doktor-Examen machen und wollte dort auch das Staatsexamen oblegen, weil er in Bayern nicht zugelassen und nicht eingebürgert wurde. Im Reichsrat war Bayern dagegen. Er ist jetzt Studien halber in Amerika, aber er kann sich dort nicht halten und läuft Gefahr, wieder zurückgewiesen zu werden, aber wohin? Das ist ein Beispiel für viele. Es wäre Sache des Bayerischen Landesverbandes, hier einmal nach dem Rechten zu sehen und sich dieser Heimatlosen, die in Bayern geboren sind, anzunehmen. Das würde nicht zum Schaden der bayerischen Judenheit geschehen. Die andere Frage betrifft die jüdisch eGesamtheit. Wir haben Mustersatzungen in Bayern geschaffen, die doch einen Sinn haben müssen. Diese müssen auf die Gemeinden erzieherisch wirken. In diesen Mustersatzungen ist ausdrücklich vorgesehen, daß 2. Ostjuden auch das passive Wahlrecht haben. Es gibt aber jüdische Gemeinden in Bayern, die nicht nur das passive, sondern auch das aktive Wahlrecht ablehnen. Ich habe schon wiederholt betont, wir sollten uns darin doch nicht täuschen: man schlägt die Ostjuden und uns meint man. Wenn wir die Ostjuden preisgeben, wenn der Centralverein erklärt, wir kämpfen nur für uns, dann werden wir. erleben, daß man sagt, ihr habt sie ja selbst preisgegeben. Das. sind Dinge, die die jüdische Gesamtheit angehen. Sie muß vor allem selbst Gerechtigkeit üben. Ich könnte in diesem Zusammenhang noch eine Reihe von derartigen politischen Dingen zum Ausgangspunkt meiner Betrachtungen machen. Ich will aber nur noch eines erwähnen. Mein Vorredner hat angedeutet, daß wir in unseren Bestrebungen für die Judenheit uns nicht auf Bayern und Deutschland beschränken können. Das möchte ich unterstreichen. Wir sind der Überzeugung, daß, so sehr wir uns auch bemühen an den Arbeiten innerhalb Bayerns und des Reiches mitzuwirken, die Zukunft des Judentums seine Kultur und seine Religion auf das engste Zusammenhängen, mit 3. P a l ä st i n a. Wir stellen daher den Antrag, daß endlich auch einmal in einer jüdischen Körperschaft dieses Landes gedacht werde. Gerade diese Dinge sind von eminenter Bedeutung für das Judentum, man spürt dies auf Schritt und Tritt. Wenn der jüdischen Siedelungsfrage eine so große Bedeutung beigemessen wird, so muß dies in vielfachem Maße der Siedlung in Palästina gegenüber geschehen. Wir wollen erwähnen, daß der Joint für Siedelungszwecke sehr große Beträge ausgegeben hat. Wir müssen hier m i t h e l f e n und Mitarbeiten. Auf Veranlassung der Kultusgemeinde Nürnberg ist angefragt worden, wie es sich mit der Neutralität des Keren Hajessod verhalte. Wir können uns von dem Musterbeispiel der Gemeinde Bamberg belehren lassen. Die Gemeinde Bamberg hat RM. 500.— für den Keren Hajessod gegeben. Auch die Gemeinde München hat schon einen schönen Beitrag gewährt durch ein Geschenk an die Universität in Jerusalem. Wir sollten diesem Beispiel Nachkommen und uns bestreben, daß wir uns im Namen der jüdischen Zukunft Palästina zuwenden. Wir stellen deshalb den Antrag, daß für derartige Siedelungszwecke in Palästina auch ein Betrag eingesetzt wird. Wir begrüßen deshalb den Antrag des Herrn Rechtsanwalt Jung für Siedelungszwecke im Inland RM. 10 000.— einzusetzen. Wir fordern aber auch das gleiche für den Keren Hajessod. Wenn ich mich nun von diesen allgemein politischen Gesichtspunkten abwende, so möchte ich mich den 4. Kulturfragen des Verbandes zuwenden. Es ist so viel heute schon die Rede gewesen von einer Verinnerlichung und Vertiefung, die wir anstreben müssen. Mit Recht ist hier betont worden, daß die religiöse Versorgung der Mittel- und Kleingemeinden eine ernste Aufgabe sei. Damit in Verbindung steht die künftige Gestaltung der Rabbinatsbezirke. Wir möchten hier das Beispiel der Gemeinden Bamberg und Fürth, vielleicht auch Würzburg, bringen, die gar keinen Wert darauf legen, ein Bezirksrabbinat zu haben. In diesen Städten sollen die Rabbiner nur ihrer Gemeinde angehören. Wir sollten dann die Landgemeinden dieser Städte und die Zwergrabbinate zu neuen ländlichen Rabbinaten zusammenschließen, die lebensfähig sind. Dann kann der Gedanke des Herrn Rosenzweig durchgeführt werden, die örtlich weit voneinander liegenden Gemeinden durch Automobil miteinander zu verbinden. Wir möchten bitten, daß von diesem Gesichtspunkt aus die kulturelle Hebung vorwärtsgetragen werde. Eine wichtige Angelegenheit ist auch 5. die künftige Lehrerbildungsfrage. Sie ist heute noch nicht spruchreif. Wenn Herr Rechtsanwalt Feilchenfeld von der Bedeutung der Konfessionsschule gesprochen hat, dann hätte ich noch einen besonderen Wunsch auf diesem Gebiete. Für die zukünftige Lehrerbildung ist die Aufbauschule beabsichtigt, und es ist ganz selbstverständlich, daß wir keine Sonderstellung haben wollen; aber ich möchte betonen, daß für uns an der kommenden Aufbauschule in Würzburg der Sammelpunkt für die künftige jüdische Lehrerbildung geschaffen werden muß. Deshalb möchten wir an die Staatsregierung die Bitte richten, uns zu gestatten, daß die hebräische Sprache an die Stelle einer der Fremdsprachen als Pflichtsprache gestattet wird. Ich weiß, daß schon jetzt in Würzburg ausgezeichnete Fortschritte in der Pflege der hebräischen Sprache gemacht werden. In bezug aus 6. dieFragedesReichsverbandes möchte ich bemerken, daß wir selbstverständlich grundsätzlich bereit sind mitzuarbeiten. Wir werden ja gelegentlich der Beratung über diesen Gegenstand noch darauf zurückkommen und gerne unsere Einwilligung geben zum Zustandekommen des Reichsverbandes. Einzelfragen können für die Zukunft Vorbehalten werden. Ich möchte betonen, daß wir nicht dem Gedanken der Ruhe und Befriedigung in der Verbandsarbeit irgendwie Raum gewähren dürfen. Es ist ganz selbstverständlich, daß immer neue Gedanken und Probleme, die Vertiefung und Erweiterung erfordern, an uns herantreten werden, denen wir nicht aus dem Wege gehen können. Ich glaube, daß der Liberalismus dies auch nicht ablehnen wird; ich habe nicht recht verstanden, was Herr Rechtsanwalt Jung mit der Grenze gemeint hat, die sich der Liberalismus ziehen müsse für seine weitere Bereitwilligkeit im Bewilligen. Wir haben bisher von unserer Tagung den Kulturkampf abzuwehren gewußt und haben das unerschütterliche Bewußtsein, daß unsere Gemeinschaft in allen ihren Teilen sich durchsetzen wird, wenn wir bemüht sind, unsere ganze Kraft einzusetzen und auf dem Boden zu stehen des jüdischen Geisteslebens, der in unserer Bibel und so in der ganzen jüdischen Welt enthalten ist. Lehrer Brückheimer: Als Vertreter der Interessen der jüdischen Jugend begrüße ich es mit besonderer Freude, daß im diesjährigen Etat eine Summe von RM. 4500.— für die Jugendvereine vorgesehen ist. Ich freue mich ganz besonders der empfehlenden Worte, mit denen Herr Justizrat Dr. Straus diese Position vorhin erläuterte. Viktoria-Motorräder 350 bis 600 ccm. Prospekte und Verkauf durch die Vertretung Josef Mayr, München Thalkirchner Str. 66/70 Tel. 55136 und 57 5 93

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