Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 14 (1.8.1928)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der sechsten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Bamberg am 17. und 18. Juni 1928
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 231 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 231 konnten wir nur 49 000 jüdische Einwohner verzeichnen. Ich glaube zwar nicht, daß man mit geldlichen Unterstützungen hier wesentliches erreichen kann. Die Erscheinung ist eine Mahnung an uns alle. Der Wille zur Erhaltung und Forchflanzung der Art ist bei vielen nicht mehr so lebendig wie in früheren Zeiten. Das ist wohl mit beeinflußt durch die wirtschaftlichen Verhältnisse, aber nicht ausschließlich durch sie bestimmt. Es ist dies eine sehr traurige Erscheinung und wir meinen, sie wird erst überwunden werden, wenn ein neuer Glaube an die jüdische Zukunft in unserer Gemeinschaft erwacht und an Kraft gewinnt, Immerhin können wir gewissen hier mitwirkenden sozialen Notständen abhelfen. Wir können z. B. durch unsere Wohlfahrtseinrichtungen Zuschüsse für kinderreiche Familien geben. In diesem Sinne sind die 3000 RM. eingesetzt worden. Der gesamte Wohlfahrtsetat ist um mehr als ein Drittel gegenüber dem Vorjahre gestiegen. Es wurden an uns im Laufe des vergangenen Jahres vielfach Ansprüche gestellt, vor allem auf dem Gebiete der offenen Fürsorge, die wir nicht genügend befriedigen konnten, und wir haben vielfach Vorwürfe deshalb bekommen. Wir haben nun zwar in den neuen Etat für offene Fürsorge keinen größeren Betrag eingesetzt als im Vorjahr. Aber wir werden gewisse Ergänzungen durch die Zinsen des Landeswohlfahrtsfonds hierfür erhalten. Diese Zinsen sollen nämlich nach der Satzung des Landeswohlfahrtsfonds, die Ihnen noch zur Genehmigung vorgelegt werden wird, zur Hälfte für allgemeine Wohlfahrtszwecke verwendet werden. Dadurch glauben wir den Ausgaben einigermaßen gerecht werden zu können. Rabbiner Dr. Freud enthal: Wenn ich über die historische Kommission kurz berichten soll, so möchte ich zunächst sagen: Zum Leben der jüdischen Gemeinschaft gehört nicht nur die soziale Arbeit, sondern auch die Arbeit der Wissenschaft. Auch die Religion braucht Wissenschaft. Wir Juden brauchen sie sowohl für unsere innere Entwicklung wie nach außen hin, ganz besonders auf dem Gebiete der Geschichte. Sie muß unsere Verbundenheit mit unserer Heimat zeigen. Wir bayerischen Juden haben ein natürliches Interesse daran, unsere Verbundenheit mit dem bayerischen Vaterlande darzulegen; aber wir wollen hierbei nicht stehen bleiben, sondern darüber hinaus die Verbundenheit der deutschen Juden mit dem ganzen deutschen Vaterlande dartun. In diesem Sinne waren unsere Arbeiten im letzten Jahre gehalten. Zunächst wurden durch unsere historische Kommission einige Arbeiten herausgegeben und zwar die von Dr. Weinberg (Neumarkt) über die Geschichte der Juden in der Oberpsalz in zwei Bänden. Dieses Werk von außerordentlich interessantem Inhalt weist die inneren Verhältnisse der jüdischen Gemeinden wie auch das Verhältnis zum Staat und zur Umwelt auf. Eine neue Schrift von Dr. Eckstein (Bamberg) über das Heimatrecht und die Beteiligung der bayerischen Juden am Weltkrieg ist in Vorbereitung und wird von uns gefördert. In verschiedenen Archiven Bayerns wird für uns gearbeitet. So haben wir in München, und einige Monate hindurch in Würzburg, die Archive bearbeiten lassen, in München besonders über die Regensburger Geschichte; die Bestände in Würzburg gehen weit über die unterfränkische Geschichte hinaus. Lebhaftes Interesse zeigten wir für die Schaffung von jüdischen Lektoraten. Wir haben für ein Lektorat an der Universität zu Gießen einen Zuschuß gewährt. Auch wegen der Schaffung eines Lektorats für die jüdische Wissenschaft an der Münchener Universität sind Verhandlungen im Gange, die noch nicht zum Abschluß gekommen sind. Das nächste Werk der historischen Kommission wird die Herausgabe einiger Memorbücher sein. Die größte Aufgabe im letzten Jahre war die Schaffung der neuen historischen Zeitschrift, die eine merkwürdige Entwicklung hatte. Wir hatten ursprünglich beabsichtigt, eine Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Bayern herauszugeben. Als dies laut wurde, äußerten die Landesverbände, die in der süddeutschen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen sind, den Wunsch, sich hieran zu beteiligen. Das war uns sehr lieb, weil die Geschichte der Juden in Bayern in engem Zusammenhang mit der Geschichte der Juden in ganz Süddeutschland steht. Aber kaum waren wir untereinander einig, so kam plötzlich aus Berlin von seiten des Centralvereins der Wunsch, auch mitzuarbeiten und diese Zeitschrift noch weiter auf die Geschichte der Juden in ganz Deutschland auszudehnen. Für die wissenschaftliche Forschung kann Münchner Illustrierte Die große Bilderschau der Woche erscheint jeden Samstag Einzelnummer 20 Pf. Im Abonnement monatlich 80 Pf. Suddeutsche Sonntagspost Das amüsante Familienblatt mit Lebens- und Unfallversicherung. Leben bis zu RM. 600.—, Unfall bis zu RM. 10000. —. Monatlich einschl. Versicherung RM. 1.— Probenummern stehen auf Wunsch gerne zur Verfügung Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München Sendlkngerftraße 80 allerdings der Kreis nicht groß genug gezogen werden. Es ist sehr erfreulich, daß wir jetzt zu einem günstigen Abschluß der Verhandlungen gekommen sind. Die Zeitschrift ist fertig, als Herausgeber sollen zwei unserer bedeutendsten Historiker fungieren: Professor Elbogen aus Berlin, Professor Freimann (Frankfurt a. M.), ich als dritter. Wir wollen eine Anzahl von hervorragenden Gelehrten in Deutschland und auch außerhalb Deutschlands ohne Unterschied der Konfession auffordern, mitzuarbeiten und uns historisches Material zu liefern und, soviel ich weiß, haben sie sich bereit erklärt und unserem Rufe Folge geleistet. Wir werden auch den Preußenverband einladen, sich an unserer fertiggestellten Zeitschrift zu beteiligen. Das ist es, was wir im letzten Jahre geleistet haben. Wer diese Dinge näher kennt, weiß, wieviel Mühe dazu gehört, sie in Fluß zu bringen; die Wissenschaft kann ja ohnedies nur langsam vorwärtsgehen. Wenn die Zeitschrift einmal herausgegeben ist, werden Sie sich sebst überzeugen, wie notwendig und wichtig diese Arbeiten für unser ganzes deutsches Judentum sind. Ich hoffe, daß Sie den geringen Betrag von 10 000 RM. für die Bestrebungen der historischen Kommission bewilligen werden und daß auch außerhalb des Etats Mittel bereit gestellt werden, falls diese dringend notwendig werden sollten. Ob erstland esg erichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt dankt den Referenten zum Finanzbericht. Dr. Bamberger (Nürnberg): Ich möchte den Antrag stellen, daß im Gegensatz zu den bisherigen Gepflogenheiten neben dem Finanzbericht und dem Haushaltplan auch der Bericht des Präsidenten einer eingehenden Erörterung unterworfen wird. OberstlandesgerichtsratProf. Dr. Silberschmidt: Es ist dies bereits so ins Auge gefaßt. Rechtsanwalt Jung (Liberale Partei): Gestatten Sie mir als Vorsitzendem der liberöllen Fraktion folgende Ausführungen: Eine vollendete Angleichung an die Institutionen parlamentarischer Körperschaften haben wir in der Person unseres Finanzministers, des Herrn Rosenzweig, der den spröden Stoff einzigartig beherrscht, anregend zu gestalten versteht und mit seinem inneren und äußeren Format in jedem Parlament in Ehren bestehen würde. Wir dürfen mit Freude seststellen, daß der Verband die Hoffnungen erfüllt hat, die man bei seiner Gründung auf ihn gesetzt hat, und daß er sich zu einem Organ entwickelt hat, das man sich nicht nur aus dem bayerischen Judentum, sondern auch aus der Struktur des bayerischen und des deutschen Vaterlandes nicht mehr hinwegdenken kann. Wenn ich nun kritisch die Sonde anlege, so darf ich sagen, daß der in den letzten Jahren durch eine Fülle gesetzgeberischer Werke ausgebaute Verband nunmehr in das Stadium einer gewissen inneren Ruhebedürftigkeit gekommen ist. Wir glauben, daß es nur im Interesse des Verbandes gelegen wäre, wenn er nun ohne weitergehende Organisierung sich den eigentlichen mannigfachen Arbeiten zuwenden würde, die seiner harren. Ich sage dies offen heraus, gerade aus der treuen Hingabe an die Aufgaben des Verbandes, die uns erfüllt. Dabei darf ich erwähnen, daß unsere Verbandsleitung in den letzten Wochen uns mit einer solchen Fülle von Anträgen überschüttet hat, daß keine Gefahr besteht, daß wir nicht auch in Zukunft noch Stofs zu Verhandlungen hätten. Wir schulden unserer Verbandsleitung unseren allerinnigsten Dank für ihre treue Pflichterfüllung und ihre Hingabe an die Arbeit. Das sachliche Wirken auf gemeinschaftlichem SCHRAMM^^