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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-07-15 · 13 (15.7.1928) · p. Seite 215

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
13 (15.7.1928)
Article
Der jüdische Reisende Petachjah aus Regensburg
Date
1928-07-15
Page
Seite 215 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 215 Kreuzritter und nur wenige Juden wurden im Lande geduldet.) In Hebron ließ sich Petach/ah die Gräber der Erzväter zeigen. Durch Bestechung des Wächters gelang eS ihm, an die angeblich wirklichen Gräber zu kommen, nicht an die sonst als Erzvätergräber ausgegebenen Leichenkammern. Dort wurden ihm auch andere Sehenswürdigkeiten gezeigt, wie der Hain Mamre, der Brunnen Sarahs und Abrahams u. a. m. Auch das Tote Meer und die Ruinen von Sodom vergißt er nicht zu besichtigen. Auf dem gleichen Wege scheint er Palästina wieder verlassen zu haben und kehrte dann wahrscheinlich nach Mesopotamien zurück. Gerade diese Stellen des Berichtes sind lückenhaft und durcheinandergeworfen, denn nach der Schilderung Hebrons spricht der Bericht plötzlich von Griechenland, um dann wieder auf Babylonien zurückzukommen. Damit schließt auch der ganze Reisebericht. Die Reisebeschreibung des Petachfah ist also, wie man aus dieser kurzen Skizzierung des Inhalts ersehen kann, sicherlich ein historisch sehr interessantes Dokument, obwohl es nicht als eine wichtige historische Quelle betrachtet werden kann. Dazu sind seine Angaben unzweifelhaft nicht exakt genug. Aber einerseits kann es als Vergleichsmaterial mit den Reiseschilderungen Benjamins aus Tudela dienen, anderseits gibt es einen Einblick in die Lebensverhältniffe der Juden in Vorderasien im zwölften Jahrhundert. Die Kultur- und reiigionsgescbichtliche vedeutung des Judentums Ein böfer Geist geht im Lande um, der den deutschen Volksgenossen zuraunt, im Judentum ein nichtswürdiges, für unsere Zeiten längst erledigtes und wertloses Gebilde zu sehen. Kann man es den vielen verdenken, wenn sie aus solches Gerede hereinfallen, jenen falschen Propheten Glauben schenken? Sie alle haben nie in ihrem Leben sich ein einziges Mal die Mühe genommen, den Weg des Judentums durch die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte zu verfolgen, denkend und sinnend sind sie nicht stehen geblieben bei den Meilensteinen jüdischer Kultur und Religion auf diesem großen Menschheitswege, haben nicht die Schrift gelesen, die in unauslöschlichen Lettern für alle Zeiten dort eingemeihelt ist. So vielen darf man ja keine Schuld bei solchem Tun beimessen, weil ihnen dazu oft die nötige Zeit und Muse fehlt oder weil die Fülle des Materials ihnen den klaren Blick trübt, so daß sie vor lauter Bäumen den Wald nicht zu sehen vermögen. Darum ist es sehr begrüßenswert, daß ein evangelischer Theologe es unternommen hat, in einem 340 Seiten umfassenden Buche eine klare und gedrängte Darstellung alles dessen zu geben, was dem Judentum auf dem Gebiete der Kultur- und Religionsgeschichte an Bedeutung zukommt. Es ist die von Stadtpfarrer Lamparter verfaßte und bei Leopold Klotz (Gotha) erschienene Schrift „Das Judentum in seiner kultur- und religionsgeschichtlichen Erscheinung". Da ja die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" nicht ihre Tendenz darin sieht, sich direkt in den Abwehrkampf des Antisemitismus zu stellen, vielmehr den allgemeinen Interessen der bayerischen Judenschaft dienen will, so sei bei den Randbemerkungen zu dem genannten Buch all das ausgeschieden, was auf derlei Abwehrdinge Bezug haben könnte. Als grundlegend bei der Würdigung der Schrift muß der Gedanke gelten, daß Lamparter mit seinen Darlegungen keine Geschichte des Judentums bieten wollte, auch beschränkte er sich nicht auf die landläufigen Einwendungen, die gegen das Judentum erhoben werden und deren Richtigstellung; der Verfasser schälte in all seinen Ausführungen einen viel tieferen Kern heraus, er beantwortete die Frage: „Was hat das Judentum im Laufe von drei Jahrtausenden der Menschheit an kulturellen und religiösen Werten übermittelt?" und seine Antwort muß eine klare, sachliche, tendenzlose genannt werden. Die Wanderung durch das Judentum von den Anfängen seiner Geschichte bis herauf in unsere Gegenwart läßt uns seinen Anteil schauen, den es an der menschlichen Kultur genommen, vor unserem Geiste erstehen die jüdischen Kulturzentren in Südfrankreich und am Rhein, wir wandern im Geiste nach Spanien und erleben dort eine Renaissance jüdischer Kultur, eine Zeit der Blüte für jüdische Dichtkunst wie auch für jüdische Philosophie. Gerade für das Christentum hat diese Renaissance jüdischer Kultur in Spanien ihre große Bedeutung dadurch erlangt, daß der größte unter den spanischjüdischen Gelehrten, Moses ben Maimon oder Maimonides, nicht bloß für das Judentum von allergrößter Bedeutung ward, sondern für die christliche Philosophie der „Vater" der christlichen Scholastik. Vom europäischen Westen pilgern wir hinüber nach dem europäischen Osten und sehen dort die jüdischen Gemeinden, wie sie trotz Verfolgung und Knebelung eine jüdische Eigenkultur entfalten, von der es oft den Anschein hatte, als sei sie in dem Zustand der Agonie begriffen, bis dann die Neuzeit ein Erwachen und Ausraffen jüdischen Geistes brachte, was uns die reiche und eigenartige ostjüdische Dichtung und Ghettoliteratur beweist. Treffliche Worte findet der Verfasser auch für die jüdische Religion, der er für das Geistesleben der Gegenwart eine besondere Mission zuerkennt, nämlich die, daß das Judentum providentionell Zeuge und Wächter des reinen Monotheismus, hervorragender Träger des ethischen Elementes in dem geistigen Gottesglauben sein soll, daß gerade hier dem Judentum eine spezielle Aufgabe zufällt, dieses Element prägnant zu betonen und zu wahren. Was Lamparters Werk besonders auszeichnet, ist die Tatsache, daß er an den Leiden der Juden nicht entschuldigend vorübergeht, dem Judentum nicht die alleinige Schuld an so manchen Verhältnissen beimißt, sondern in offener und gerechter Weise dem Christentum früherer Zeiten den Sündenspiegel vor Augen hält, den religiöser Fanatismus und konfessionelle Engherzigkeit geschrieben. Damit will Lamparter gleichsam eine Tat der Entsühnung leisten, indem er dem Judentum gibt, was des Judentums ist, Gerechtigkeit, Verstehen und Liebe. Dieser Geist diktiert ihm auch die Schlußworte in die Feder: „Wer aus der Geschichte das Wesen des Judentums zu deuten vermag, vor dessen Geist steht es als eine kultur- und religionsgeschichtliche Erscheinung, die mit Ehrfurcht erfüllt." Ilabent sua fata libelli. Möge es den Geist des Verstehens und der Ehrfurcht vor dem Judentum hinaustragen in weite christliche Kreise, namentlich der Gebildeten; das wäre das beste und schönste Fatum, das der Schrift zu wünschen wäre. Kaplan F. Rödel. Aus dem Verbände Dr. Max Freudenthal zu seinem 60. Geburtstag Von Max Bernheimer Rabbiner Dr. Freudenthal vollendete am 12. Juni sein 60. Lebensjahr. Um den Tag in aller Stille begehen zu können, verbrachte ihn der Jubilar fern von Nürnberg. Zahlreiche Zeugnisse der freudigsten Anteilnahme aus den verschiedensten Kreisen der engeren und weiteren Heimat fanden in Form von Drahtwünschen trotzdem ihren Weg zum Aufenthaltsorte des verehrten Jubilars, und bei seiner Rückkehr in sein Heim traf er dieses zu einem Gabentempel umgewandelt. Allen voran hatte die Kultusgemeinde chrem hochgeschätzten geistlichen Führer durch eine schön ausgestattete Adresse, in der die weitgreifende segensvolle Tätigkeit des Jubilars als Seelsorger, Lehrer und Führer auf allen geistigen und karitativen Gebieten gewürdigt ist, sowie durch eine kostbare Ehrengabe ihre große Verehrung und Anerkennung bekundet. Wenn ich nur noch des künstlerisch hochwertigen Angebindes des Bayerischen Verbandes gedenke, so geschieht das nicht, um die übrigen zahlreichen Geschenke und Huldigungsschreiben von hiesigen und auswärtigen Körperschaften und Einzelpersonen zurückzustufen, sondern um Raum

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