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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-07-01 · 12 (1.7.1928) · p. Seite 203

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
12 (1.7.1928)
Article
Protokoll der Verhandlungen der sechsten Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Bamberg
Date
1928-07-01
Page
Seite 203 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 203 Verwendet die Telegrsmm-Lrlstz-formulsre des Urselitischen ssrsuen-Vereins München le.V.) von iSZd 1924 .RM. 148 900.— 1925 .RM. 387 700.— 1926 .RM. 517 900.— 1927 .RM. 548 700.—, der Voranschlag für 1928, vorbehaltlich Ihrer Billigung, RM. 574 000.—. Die Umlagen 1927 ergeben einen nicht unerheblich höheren Betrag, als der Voranschlag vorgesehen hat. Es war uns dies sehr willkommen, denn von dem Staatszuschuß für 1927 konnte mit Rücksicht aus die späte Beratung und Bewilligung des Kultusetats nur die Hälfte vorschußweise ausbezahlt werden. Der Rest dient der notwendigen Abgleichung in dem Etat 1928. Es sei mir gestattet, bei dem Staatszuschuß ein wenig zu verweilen. Die Aufwendungen für den Kultus betragen nach dem Voranschlag 1928 im ganzen Land einschließlich der Pfalz rund RM. 3 200 000.—. Die Kultusumlagen der Gemeinden sind durchwegs höher als die der christlichen Kirchengemeinden. Sie machen in den 6 größten Gemeinden zwischen 7 und 20% aus, im Lande überwiegend 30% und mehr, vereinzelt 100% und mehr der Reichs- und Landessteuern. Der Verband gewährt Beihilfen in der Regel nur an Gemeinden, die mindestens 30% Umlagen erheben. Der jährliche Zuschuß aus Staatsmitteln in den Jahren 1927 und 1928 beträgt für die katholische Kirche 22% Millionen, für die protestantische Kirche 8 Millionen, für das israelitische Bekenntnis 60 000 Reichsmark. Nach der Volkszählung 1925 bezisfert sich die Zahl der Katholiken auf 5165 024 Seelen, der Protestanten 2110 085, der Israeliten auf 49163 Seelen. Es treffen demnach, abgesehen von den Aufwendungen des Staates für die katholischen Hochschulen und theologischen Fakultäten, in den christlichen Bekenntnissen auf den Kopf der Bevölkerung RM. 4.24, in unserem Bekenntnis RM. 1.22. Der Unterschiedsbetrag wird damit erklärt, daß der Staat bei der Säkularisation der Kirchenguter zu Anfang des vorigen Jahrhunderts die Verpflichtung zur Tragung der kirchlichen Lasten übernommen hat. Es ist jedoch der Abstand in den Leistungen des Staates ein so außerordentlicher, daß wohl die Bitte gerechtfertigt ist, den staatlichen Zuschuß an das israelitische Bekenntnis für die Jahre 1929 und 1930 mehr entsprechend dem Anteil an der Bevölkerung zu gestalten. Wir haben einen dahingehenden Antrag der Staatsregierung mit ausführlicher Begründung zugeleitet und stellen an den Herrn Ministerialreferenten die ergebenste Bitte, unseren Antrag in wohlwollendem Sinne zu vertreten. Zu den A u s g a b e n ist zu sagen, daß die Etatansätze im wesentlichen eingehalten werden konnten. An Zuschüssen für Gehälter wurden verausgabt rund RM. 174 000.—. Es erhielten Zuschüsse die Bezirksrabbinate Bad Kissingen 20%, Bayreuth 25%, Jchenhausen 40%, Neumarkt 60%, Schwabach 75%. Bis August 1927 wurde auch an das Rabbinat Burgpreppach ein Zuschuß von 50% geleistet. Im Etat 1928 wird zum erstenmal die Hälfte der Bezüge aller Rabbiner des Landes nach der Besoldungsordnung des Verbandes auf den Verband'übernommen. Es ist dies eine bedeutsame Maßnahme, welche die äußere und innere Konsolidierung des Verbandes klar vor Augen führt. . Regelmäßige Gehaltszuschüsse erhalten 61 Gemeinden; 23 in Mittelfranken, 28 in Unterfranken. Ruhegehälter und Hinterbliebenenbezüge werden an 28, Sustentationen an 18 Empfänger verabfolgt. Die Gehälter werden nunmehr nach Bewilligung des Haushalts am die Vefoldungsordnung des Staates angeglichen. Bisher wurden nach dem Vorbild des Staates lediglich Vorschußzahlungen gegeben. An Bauzuschüssen wurden in 34 Gemeinden rund RM. 30 000.— ausgewendet. Den größten Zuschuß mit mehr als RM. 9000.— erhielt die Gemeinde Heidingsfeld zur Wiederherstellung ihrer künstlerisch überaus überaus wertvollen Synagoge, die vom bayerischen Staat unter den Landesdenkmälern aufgeführt wird. Wir möchten die Bitte aussprechen, daß sich ein Gönner finde, der die für die Jnnenausgestaltung erforderlichen Mittel aufbringt. Für soziale und kulturelle Zwecke wurden RM. 150 000.— verausgabt, darunter RM. 53 000.— für Bildungs- und Unterrichtsanstalten. Es wurden mit Zuschüssen — die Reihenfolge ist willkürlich — bedacht die Waisenanstalt und Realschule Fürch, Kinderheilstätte und Kurhospiz Bad Kissingen, Landheim und wirtschaftliche Frauenschule Wolfratshausen, Kinderheim München, Fürsorgeverein für Geisteskranke Afchaffenburg-Lohr, Lehrerbildungsanstalt Würzburg, Präparandenschule Höchberg, die 3 Rabbinerseminare, die Anstalten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Der Verband fördert Wissenschaft und Kunst durch die Inventarisation der jüdischen Kunstdenkmäler in Bayern und durch die Arbeiten seiner historischen Kommission. Die Arbeitsgemeinschaft der Mischen Landesverbände in Süddeutschland wird gemeinschaftlich mit dem Centralverein in Berlin eine Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland herausgeben, deren erstes Heft im Oktober erscheint. Die Zeitschrift dient streng wissenschaftlicher Forschung, pflegt aber auch die Heimatkunde. Ihre Herausgeber sind Professor Ellbogen (Berlin), Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg) und Professor Freimann (Frankfurt a. M.). Als Schriftleiter werden die Herren Dr. Rafael Straus (München) und Dr. Fritz Friedländer (Berlin) tätig sein. Wir danken Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal in besonderem Maße als dem Schöpfer dieses Werkes. Der Verband sucht das Problem der Wanderarmenfürsorge durch organisatorische Arbeit und finanzielle Beihilfen zu lösen, er reicht seine helfende Hand Einzelpersonen, die in Not geraten sind, durch die Mittel der offenen Fürsorge, er fördert vorwärtsstrebende junge Menschen durch Gewährung von Stipendien und unterstützt die Bestrebungen, die auf die körperliche und geistige Ausbildung der Jugend gerichtet sind. Er wendet sein wärmstes Interesse den Bestrebungen zu, die von dem Bund jüdischer Frontsoldaten und von der Zentralwohlfahrtsstelle getragen werden und die Verufsumschichtung der jüdischen Jugend, zumal nach der Seite des Handwerks und der Landwirtschaft, bezwecken. Wir freuen uns besonders, Vertreter dieser Organisationen, die Herren Dr. Werner (München) und Dr. Ollendorf (Berlin) hier begrüßen zu können und ihre fachkundigen Ausführungen zu hören und zu verwerten. Ein Wort möchte ich noch beifügen zur Ausgabenseite, und zwar zur Gewährung von Darlehen an Gemeinden und Anstalten. Freudig und willig werden diese Darlehen entgegengenommen, aber nicht ebenso willig werden sie zurückgezahlt. Die Beteiligten werden sich darüber im klaren sein, daß wir dieses Institut nur dann aufrechterhalten können, wenn die Rückerstattung planmäßig erfolgt. Ich darf die Ausführungen über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Verbandes damit abschließen, daß ich bekanntgebe, daß die Leistungen des Verbandes in den vier Jahren seit Stabilisierung der Währung mehr als eine Million Reichsmark ausmachen, und daß die Ausgaben für soziale und kulturelle Zwecke, aus die wir besonders stolz sind, vom Jahre 1924 mit RM. 5000.— über die Jahre 1925 und 1926 mit RM. 50 000.— und RM. 100 000.— bis zum Jahre 1927 auf RM. 150 000.— gestiegen find. Dabei ist es uns möglich geworden, einen Betriebsfonds von RM. 50 000.—, einen Landeswohlfahrtsfonds von RM. 240 000.— und einen Pensionsfonds von RM. 18 000.— zu schaffen, der die Bestände der früheren Pensions- und Reliktenkasfe bayerischer Rabbiner und die aufgewerteten Kapitalien des ehemaligen Landesvereins in sich schließt. Es ist dies ein Notpfennig für schlimme Zeiten, das einzige Vermögen, das der Landesverband besitzt. Wie gering dieses Vermögen für unsere Bedürfnisse ist, zeigen die Anforderungen, welche die Übernahme der Alters- und Hinterbliebenenversorgung von Gemeindebeamten auf den Verband an uns stellen werden. Außer dieser Vorlage wird Ihnen die neue Besoldungsordnung, die von Ihnen gewünschte Vorlage über die Bildung eines Finanz-

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