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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-07-01 · 12 (1.7.1928) · p. Seite 202

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
12 (1.7.1928)
Article
Protokoll der Verhandlungen der sechsten Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Bamberg
Date
1928-07-01
Page
Seite 202 (sequence 4)
Language
German
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202 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Oberlehrer Stall (Würzburg) schlägt vor, an Stelle des verstorbenen Rechtsanwalts Dr. Kossy Silberschmidt Rabbiner Dr. Wohlgemuth (Kitzingen) zum stellvertretenden Präsidenten der Tagung zu wählen. Oberstlandesgerichtsrat Professor Dr. Silberschmidt richtet an die Mitglieder der Tagung die Frage, ob sich gegen die vorgeschlagene Wahl ein Widerspruch erhebt. Da dies nicht der Fall ist, stellt er die Wahl Rabbiner Dr. Wohlgemuths zum stellvertretenden Vorsitzenden der Tagung fest und bittet denselben zu erklären, ob er die Wahl annimmt. Rabbiner Dr. Wohlgemuth: Ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie mir durch Ihre Wahl bewiesen haben. Ich werde mich bemühen, mich dieses Vertrauens würdig zu erweisen durch ruhige Sachlichkeit und gebotene taktische Umsicht der Amtsführung. Ich nehme die Wahl dankend an. In dem Augenblick, da Sie mich als zweiten Präsidenten der Tagung berufen haben, halte ich es für eine Ehrenpflicht, auch meinerseits desjenigen Mannes zu gedenken, der dieses Amt bisher bekleidet hat, Dr. Kossy Silberschmidt. Unvergessen ist die Art, mit der er das Amt als stellvertretender Vorsitzender geführt hat. Sein Name und seine Persönlichkeit sind mit ehernen Lettern eingetragen in die Geschichte des Verbandes. Oberstlandesgerichtsrat Professor Dr. Silberschmidt begrüßt Herrn Rabbiner Dr. Wohlgemuth als zweiten Vorsitzenden der Tagung. Rabbiner Dr. Rülf: (Siehe 1. Seite der Zeitung!) Oberstlandesgerichtsrat Professor Dr. Silberschmidt: Unter dem tiefen Eindruck seiner Worte danke ich Herrn Rabbiner Dr. Rülf für das, was er uns gesagt hat und erteile nunmehr das Wort unserem verehrten Herrn Präsidenten des Rates. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer: Sehr geehrte Damen unö Herren! Wir pflegen unsere Versammlungen an den vorzüglichsten Stätten des Landes abzuhalten. So sind wir von Fürth, einem Mittelpunkt deutschen Gewerbefleißes und dem Vorbild echt bürgerlich-kultureller Gesinnung, nach Bamberg gekommen, in „unsere schöne Stadt" Bamberg, wie voll Stolz der Münchner Neueste Nachrichten Verbreitetste Tageszeitung Süddeutschlands Einzelnummer 15 Vf. Bezugspreis wöchentl. 80Vf.,monatl. RM. 3.35 b. freier Zustellung Münchner Telegramm>Zeilung Das Nachmtttagsblatt m.Montag-Morgen- Ausgabe. Einzelnummer 10 pf. Bezugspreis RM. 1.50 monatlich. Bestellungen nehmen entgegen: Sämtl.postanstalten, die Filialen und Trägerinnen des Verlags: Knorr & Hirth G.m.b.H., München, Sendlingerstr. 80 probenummern auf Wunsch kostenlos Kraftfahrzeuge, Blutenburgstraße 91 Telephon 63 4 57 ilflSSKS OPEL / STUDEBAKER Vertretung / Spezial»Reparaturwerkstätte / Günstige Ratenzahlungen verehrte Vorsitzende dieser Gemeinde uns kündet, in eine Stadt, die durch ihre altehrwürdige Geschichte, den Zauber der Natur wie das Wunder der Kunst in gleicher Weise uns gefangen nimmt. Und wenn wir umherblicken in diesem Saale, da steigen vor uns die Gestalten hochgesinnter, kunstliebender Fürsten auf, und doch sind es unter allen den Herrlichkeiten, die wir zu schauen bekommen, zwei schlichte Frauengestalten, die uns ganz in ihren Bann ziehen und nimmer verlassen, bis wir uns mit ihnen abgefunden haben: die Ecclesia und die Synagoge am Fürstentor des Domes, der zu uns herübergrüßt. Die Kirche trägt hochaufgerichtet die Krone, die Synagoge hat eine Binde um die Augen, der Speer der rechten Hand ist zerbrochen, die linke Hand mit den Gesetzestafeln hängt herab. Edel und vornehm ist das ganze Gehaben dieser Frauen, beherrscht von innerem Wollen. Sie sind getrennt durch einen Zwischenraum. Trotzdem ist die innere Zusammengehörigkeit in der Haltung und dem Rhythmus unverkennbar. Das Drama zwischen dem Alten und dem Neuen Bund tut sich uns auf, wie es uns die Meister mittelalterlicher Kunst in deutschen und französischen Kirchen dargestellt haben. Wir sinnen und schauen, und da lösen sich in diesem Schauen die Gegensätze, sie lösen und einen sich in der hohen reinen K u n st. Mit der gleichen Liebe und dem gleichen Adel hat der Künstler die beiden Frauen gestaltet. So mögen auch unsere Bekenntnisse heraustreten aus dem schützenden Dache der Kunst und, jedes gefestigt in sich, uns einig erscheinen in Demut vor Gott und ihrer Liebe zu den Menschen. Ich höre eine Stimme, daß diese Dinge mit dem Bericht über die Geschäftslage des Verbandes nicht so recht Zusammenhängen, und doch — für unseren Verband bedeutet dieser Tag alljährlich einen Feiertag — und darum mögen Sie nur diese Worte verstatten. Die Entwicklung unseres Verbandes ist eine durchaus befriedigende. Die Ziffern, die ich Ihnen gebe, betreffen in der Hauptsache das rechtsrheinische Bayern. An Umlagen werden seit dem Erlasse des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes 3% der in diesem Gesetze näher bezeichneten Reichs¬ und Landessteuern erhoben. Sie ergeben für das Jahr 1927 rund RM. 463 600.—. Von diesen Eingängen entfallen auf Oberbayern 39,2322 Mittelfranken 31,34% Niederbayern 0,52% Unterfranken 13,31% Oberpfalz 2,36% Schwaben 7,01% Oberfranken 6,23% auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet in Oberbayern RM. 16.85 Mittelfranken RM. 10.58 Niederbayern RM. 6.95 Unterfranken RM. 6.24 Oberpfalz RM. 9.27 Schwaben RM. 11.47 Oberfranken RM. 11.35 Im Landesdurchschnitt ergibt sich ein Umlagenbetrag von RM. 11.27 aus den Kopf der Bevölkerung. Von den Gesamtleistungen treffen auf die Gemeinden: München 38,98% Augsburg 5.55% Nürnberg 23,28% Bamberg 4,24% Würzburg 6,35% . Aschaffenburg 2,78% Fürth 6,30% Diese 7 Gemeinden brachten demnach 87,48% der Umlagen auf, während ihre Seelenzahl 63,54% der jüdischen Bevölkerung des rechtsrheinischen Bayerns beträgt. Auf den Kopf der Bevölkerung treffen an Umlagen in: Augsburg RM. 21.45 Würzburg RM. 12.93 Bamberg RM. 20.24 Nürnberg RM. 12.53 München RM. 17.85 Fürth RM. 11.58 Afchaffenburg RM. 17.58 Die Steuerkraft der Landgemeinden ist, abgesehen von den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen, wohl auch dadurch gemindert, daß hier verhältnismäßig viele Leute wohnen, die aus dem Wirtschaftsleben ausgeschieden sind, wie alte Leute, Witwen, und die darum zu Steuerleistungen nicht herangezogen werden können. Immerhin sind Zweifel begründet, ob die Finanzämter die Verbandsumlagen entsprechend den gesetzlichen Vorschriften von allen Steuerpflichtigen einheben. Wir werden unsere Aufmerksamkeit diesem Punkt in besonderem Maße zuwenden und die Eingemeindung der Forenfen restlos durchführen. Die Abschlußziffern der Jahresrechnungen betragen für das rechtsrheinische Bayern:

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