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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-07-01 · 12 (1.7.1928) · p. Seite 198

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
12 (1.7.1928)
Article
Die Tagung und ihre Ergebnisse
Date
1928-07-01
Page
Seite 198 (sequence 3)
Language
German
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198 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 men) angenommen. Das Präsidium des Rates erhielt die Ermächtigung, zu etwaigen Abänderungsanträgen anderer Landesverbände, soweit sie nicht grundsätzlicher Natur sind, Stellung zu nehmen. Angenommen wurde ferner der Entwurf einer Reichsarbeitsgemeinschaft, welche bis zum Inkrafttreten des Reichsverbandes tätig sein soll und die zuftandekommt, sobald ihr mindestens 6 Länder, darunter Preußen und Bayern beigetreten sind. Da nicht anzunehmen ist, daß, wie es dem ersten Entwurf erging, ein Entwurf, auf den sich die maßgebenden Vertreter sämtlicher Landesverbände geeinigt haben, nachträglich von den Tagungen der Landesverbände abgelehnt wird, ist nunmehr doch damit zu rechnen, daß der lang ersehnte Reichsverband der deutschen Juden zur Wirklichkeit wird. Gewiß stellt dieser Entwurf keine ideale Lösung dar, aber er ist die einzige praktische Lösung, so wie die Verhältnisse heute liegen und er trägt die Möglichkeiten einer Entwicklung in sich. Damit wird die Bamberger Tagung zu einem historischen Ereignis in der Geschichte der deutschen Juden, als die Grundsteinlegung zu dem großen Gebäude einer jüdischen Reichsorganisation. — Die vorausgehende Beratung des Etats 1928 gab, wie dies in Parlamenten üblich ist, Anlaß, Verschiedenes vorzubringen, was man auf dem Herzen hatte. Rechtsanwalt Dr. Jung (Nürnberg), der Sprecher der liberalen Fraktion, beantragte, den Betrag für die Siedelungsbeftrebungen des Reichöbundes jüdischer Frontsoldaten von 500C) RM. auf 10000 RM. zu erhöhen (8000 RM. wurden schließlich bewilligt!). Rechtsanwalt Feilchen- ESSEXl SUPER Reisen Sie bequemer! Der Essex Super Six ermöglicht Ihnen, wirklich angenehm zu reisen. 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Dieser Antrag hätte beinahe Anlaß zu leidenschaftlicher Debatte über grundsätzliche Fragen gegeben, wozu aber, wie es schien, für diesmal auf beiden Seiten Geneigtheit nicht bestand, so daß auf die in konzilianter Form vorgetragene Erklärung der liberalen Fraktion, diesmal zu dem erst in der Debatte gestellten Antrag keine Stellung nehmen zu können, was eine Annahme des Antrags unwahrscheinlich machte, die Volkspartei für diesmal den Antrag zurückzog, nicht allerdings ohne die Erklärung abzugeben, daß sie eine Ablehnung dieses Antrages als eine schwere Brüskierung empfinden müßte. Lehrer Brückheimer (Marktbreit) trat in jugendlichem Geiste für die Jugend ein, gegen den sich in jüdischen Kreisen häufig breitmachenden Kastengeist, der nach dem Geldbeutel unterscheide. Die von ibm eingebrachte Resolution, daß der Verband mit regem Interesse die Bestrebungen der jüdischen Iugendverbände verfolge und gerne bereit sei, diese Bestrebungen im Rahmen des Etats zu unterstützen, wurde einstimmig angenommen. Gerade anläßlich dieser Worte eines Iugendvertreters hatte man das Gefühl, daß dieses rege Interesse noch nicht genüge, sondern daß es auch für den Verband darauf ankomme, daß in seinen Reihen, in seinen Körperschaften, die Jugend in stärkerem Maße vertreten sei, und daß diese Jugend auch zu Einfluß gelange in ihrem unbelasteten geradlinigen Streben. Man möchte auch wünschen, daß die Jugend, die bereits als Vertreter in den Körperschaften sitzt, sich auf sich besinne und die Initiative entwickle, die der Jugend anfteht. Rabbiner Dr. Baerwald (München) warnte mit Recht vor der Gefahr, daß die Organisation der Wohlfahrtspflege zu einer Mechanisierung führen könne, hier Gedanken variierend, die er bereits anläßlich der Aufführung des Filmes der Zentralwohlfahrtsftelle in München in formvollendeter Weise entwickelt hatte. Einen weiteren wichtigen Teil der Beratungen bildeten Gehalts- und Pensionsfragen. Es ist ja ein weiteres Verdienst des Verbandes, gerade in diesen Tagen eine grundsätzliche Wandlung herbeigeführt zu haben. Zunächst handelte es sich darum, die Besoldungsverordnung des Verbandes entsprechend dem neuen Bayerischen Besoldungsgesetz vom 20. April 1928 abzuändern. Hierüber berichtete der Syndikus des Verbandes, Rechtsanwalt Flaschner. Eine notwendige Ergänzung der Pensionsverhältniffe bedeutet die Übernahme der Alters- und Hinterbliebenenversorgung für die nichtreichsdeutschen Beamten durch den Verband, da die nichtreichsdeutschen Beamten beim Versorgungsverband nicht versichert werden können. Die Annahme erfolgte nach Referat von Iuftizrat Dr. Elias Straus (München). Oberlehrer Stoll (Würzburg) endlich berichtete über die Ergänzung der Gehalts- und Versorgungsbezüge der jüdischen staatlichen Volksschullehrer durch den Verband, welche dadurch notwendig wird, daß für die in den bayerischen Volksschuldienst eintretenden Religionslehrer das Dienftalter ungünstiger berechnet wird. Diese Unbilligkeit galt es durch entsprechende Ergänzung der Gehälter zu beseitigen. Nicht behandelt werden konnte auf dieser Tagung die Schaffung einer Bezirksgemeindeordnung, welche das Gesetzgebungswerk des Verbandes zum vollkommenen Abschluß bringen würde.

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