Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 11 (15.6.1928)
- Article
- Der diesjährigen Verbandstagung zum Willkommensgruß!
- Date
- 1928-06-15
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2727810-2727850-2727861-2733429--03331-2733494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
164 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 13 IJO'D'P’Ti 1 - s X £I3£*3 TO nopöK* A ms# mo iw T3rn‘? ß izbDrihvDnarryiv K v-:' 'M raeoi v v'X" 3001 kf,} fp irmx xvis-mn Jr^ <v 1 MT w •vi&i'nnpSrTr'ji E s. srwww : :f Titelblatt des Memorbuchs der Gemeinde Bamberg vom Jahre 1798 Grund des Edikts vom Jahre 1813 wurden auch nur dreiundsechzig Matrikel eingetragen, die aber trotz dieser Normzahl unter dem Zwange der Verhältnisse dank der behördlichen Nachsicht bis auf etwa hundertzehn Mitglieder im Jahre 1832 sich vermehren konnten. Erft nach Zulassung der Freizügigkeit auch für Israeliten durch Gesetz vom IO. November 1861 nahm die Gemeinde, besonders im achten und neunten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, durch Zuzug aus den Landgemeinden, einen größeren Aufschwung und erreichte im Jahre 19IO ihren Höchststand mit etwa dreihundertsechzig Mitgliedern und elfhunderteinundachtzig Seelen. Einen Markstein in ihrer neuzeitlichen Geschichte bedeutet der I I. September 19IO, an dem ihr in der Herzog-Max-Straße neuerrichtetes monumentales Gotteshaus seiner hohen Bestimmung übergeben wurde. 5. Männer des Geistes Wenn — nach einem Worte von H. Graetz — Denken ein ebenso charakteristischer Grundzug der Iudenheit ist als Leiden, so ist die Israelitengemeinde von Bamberg in der Lage, auf eine stattliche Reihe von Denkern Hinweisen zu können, die als Gelehrte ihrem Namen in der Geschichte zur Ehre gereichten. Nicht weniger als dreiundzwanzig Rabbiner sind aus ihrer Vergangenheit bekannt, von denen nur die hervorragendsten hier genannt seien: R. Samuel aus Babenberg, ein durch Scharfsinn und Fachgelehrsamkeit ausgezeichnetes Mitglied der deutschen Tosaphistenschule aus der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, Lehrer des hochberühmten R. Meir von Rothenburg (öfter erwähnt besonders in dem rabb. Sammelwerke des Nürnberger Rabbiners und Märtyrers Mordechai ben Hillel);R. MoseS Minz (1469 — 1474), Verfaffer einer Gutachtensammlung, ein Mann, in welchem die talmudische Gelehrsamkeit der deutschen Rabbiner des Mittelalters ihren letzten bedeutenden Vertreter fand. Am I. August 1638 wurde durch Übereinkommen zwischen den ftiftischen und ritterschaftlichen Juden des Bistums in einer Urkunde, die sich in hebräischer Urschrift erhalten hat, ein Landesr a b b i n a t, zunächst mit dem Sitze im benachbarten Zeckenchorf, errichtet. Als ersten Inhaber desselben kennen wir R. Samuel aus Meseritz (etwa 1661 bis etwa 1663), Verfaster des Nachlath schib'a (einer Sammlung von Urkunden-Formularien); R. Mendel Rothschild aus Frankfurt a. M. stammend (1686 bis 1718) soll der Stammvater der berühmten Familie dieses Namens gewesen sein; Löb Berlin (1789 — 1794), der von hier als Oberlandesrabbiner nach Caffel kam, war der Stammvater der noch in Nürnberg blühenden Familie seines Namens. Aus dem neunzehnten Jahrhundert nennen wir den Diftriktsrabbiner Samson Wolf Rosenfeld (1826—1862), ein hervorragender Führer im Kampfe um die Emanzipation der Israeliten in Bayern, und Dr. Joseph Kobak (1864-1883), gelehrter Herausgeber des Ieschurun, einer angesehenen Zeitschrift in hebräischer und deutscher Sprache. 6. Ein Vorgänger des Verbandes Das Landesrabbinat war der einigende Mittelpunkt sämtlicher Gemeinden im ganzen Umkreis des FürstbistumS, die sich seit Mitte des siebzehnten Jahrhunderts ohne Unterschied der schutzherrschaftlichen Zugehörigkeit zu einem Zweckverbande für Behandlung gemeinsamer materieller und ideeller Angelegenheiten immer enger zusammenschloffen. Er hatte eine durch Satzung geregelte Organisation und hielt als Landesdeputiertenversammlung seine regelmäßigen Tagungen ab. Diesen zuletzt aus fünfundfünfzig Gemeinden bestehenden Verband nannte man die „Korporation". Sie hat sich auch nach der Säkularisierung des Bistums erhalten und wurde vom neuen bayerischen Staate, der in derselben einen jüdischen bürgerlichen Sonderverband erblickte, durch § 21 des Iudenedikts vom Jahre 1813 aufgelöst. Seitdem ist mehr als ein Jahrhundert in das Meer der Vergangenheit hinabgesunken bis zu jenem denkwürdigen 21. April I92O, an welchem der am 17. Juni zu seiner sechsten Iahrestagung in den Mauern unserer Stadt sich versammelnde Verband bayerischer israelitischer Gemeinden ins Dasein getreten ist. Die Zeiten haben sich geändert, die Formen haben gewechselt, aber die I d e e, als das seelische Element und zusammenhaltende Band, ist dieselbe geblieben. Und solange diese Idee der Gemeinschaft und das Gefühl des Verbundenseins miteinander und füreinander (hebräisch Arewuth) lebendig in seinen Gliedgemeinden bleiben wird, solange wird auch — gemäß einem bekannten Worte in den Weisheitssprüchen der Väter — der Verband Dauer und Bestand haben. Daß diese Dauer eine unbegrenzte sei und sein Bestand trotzen möge den Wechselfällen der Zukunft, ist der Wunsch, mit dem wir die Tagung in Bamberg willkommen heißen.