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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-05-15 · 9 (15.5.1928) · p. Seite 132

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
9 (15.5.1928)
Article
Überreste von kanaanitischen Kulturen bei Jerusalem
Date
1928-05-15
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 Erdmutter, hatte ihren „natürlichen" Wohnsitz in der Höhle, wie denn auch im altphrygischen Kubil — Höhle ist*. Nach antiker Auffassung aber konnte man durch geeignete Beschwörung eine Gottheit veranlassen, sich an einem bestimmten, zu ihrem Wohnsitz geeigneten Ort, niederzulassen. Mit anderen Worten: man meißelte in den Fels eine kleine Höhle, resp. Nische, und beschwor dann die Erdmutter, dort zu weilen; so stand das daneben gelegene Gehöft unter ihrem direkten Schutz und die ihr genehmen Opfergaben konnten ihr dort dargebracht werden. Daher finden wir denn auch in Phrygien, wo der Kult der Magna Mater am hauptsächlichsten geübt wurde, verschiedene Abstufungen solcher Darstellungen; in ArSlan-Kaja ist die ganze Figur in der Höhle dargeftellt, in anderen Nischen wird sie zum flachen Relief, bis man diese Idee dann zur leeren Nische „vereinfachte", ganz ähnlich wie wir es bei der sitzenden Göttin gesehen haben, die schließlich auch zu einigen Stufen „abgekürzt" wird. Abbildung III zeigt die gebräuchlichsten Formen solcher Nischen. Nach diesen etwas umständlichen aber notwendigen Prämissen können wir nun endlich zu den sog. „Kolumbarien" kommen. Es sind das Grotten in Palästina, deren Wände mit Dutzenden, ja Hunderten von Nischen bedeckt sind. Man hat sie mit anderen Anlagen in Verbindung gebracht, von denen die bekanntesten in Italien, speziell bei Rom Vorkommen, und deren Nischen zum Aufftellen von Aschenurnen dienten. Oder aber zu Kolumbarien im eigentlichen Sinne, d. h. Brutnischen und Häuser von Tauben, die man z. B. in Ägypten errichtet hat, nur um den davor abgelagerten Dünger dieser Tiere für die Felder zu gewinnen. Man nimmt auch an, daß solche Kolumbarien zur Zucht „heiliger Tauben" errichtet wurden, denn dieser Vogel war das der Venuö-Astarte geheiligte Tier. Ich bin nun aber auf Grund der vorhandenen Tatsachen zu einer Ansicht gekommen, welche von der bisher allgemein gültigen erheblich abweicht. Ich weiß, daß man sie schon allein aus diesem Grunde zuerst verdammen wird und sage deshalb nur: man möge warten, bis die definitive Publikation mit den ausführlichen Beweisen erschienen ist und dann erst endgültig urteilen. Denn im Rahmen dieser kleinen Abhandlung kann ich unmöglich weder das ganze dazu nötige Beweisnoch Illustrationsmaterial bringen. Ich muß mich hier auf die schematische Wiedergabe eines „Kolumbariums" beschränken das ich im 4 1924 machte mich beim Münchener Orientalischen Kongreß in der Diskussion meines Vortrages ein Herr, den ich nach Schluß der Sitzung leider vergeblich suchte, darauf aufmerksam, daß aller Wahrscheinlichkeit nach der Name der Grabhöhle Abrahams (I Mose, 23.) Makpela von Ma (— Mater) Kubile abzuleiten sei! Ich bin selbst nicht Philologe und muß daher ein Urteil darüber Berufeneren überlassen, so bestechend diese Gleichung auch zu sein scheint! Wadi-Dulme, nord-östlich von den sog. Richtergräbern fand. (IV der Abbildung.) Die obere Abbildung zeigt den fast kreuzförmigen Grundriß, die untere die eine Hälfte der Wände, quasi wie einen Wandschirm aufgestellt, wobei die untergeschriebenen Zahlen mit denen der Wände des Grundrisses übereinftimmen. Ich möchte nur noch besonders bemerken, daß die Anlage in Wirklichkeit noch weit mehr Nischen enthält, als ich sie hier der Deutlichkeit wegen gezeichnet habe. Hatte ich früher schon meine erheblichen Zweifel an der angeblichen Bestimmung solcher „Kolumbarien" gehabt, so wurde es mir durch diesen Fund im Wadi-Dulme sonnenklar, daß eine solche Anlage unmöglich weder der Taubenzucht, noch zur Aufstellung von Aschenurnen gedient haben konnte, denn hier sind manche Nischen <80 Zentimeter hoch, 20 Zentimeter breit, aber nur gerade 4 — 5 Zentimeter tief. Ihre Bodenfläche beträgt demnach 4 zu 20 Zentimeter; das ist aber ein Raum, auf welchem eine Taube unmöglich nisten kann, genau so wenig wie er genügt hätte, um dort Urnen aufzuftellen! Außerdem wäre die Höhe von 80 Zentimeter ganz überflüssig gewesen! Von den vereinzelten kreuzförmigen Nischen zu reden erübrigt sich von selbst. Nun gibt es allerdings solche Anlagen, bei denen die Nischen 20 Zentimer hoch, breit und tief sind, die also als Brutplätze für Tauben möglich wären; bei denen aber liegen die einzelnen Nischen zum Teil dicht am Fußboden (wie auch bei unserem Exemplar hier) und der Eingang konnte allen Anzeichen nach durch keinen Verschluß gesichert werden, so daß dort nistende oder brütende Tauben wohl schon in der ersten Nacht von dem in Palästina häufig vorkommenden Raubzeug wie Mardern, Iltissen, Schakalen und dergleichen erwürgt worden wären. Jeder Taubenzüchter weiß das, und heute sieht man die Taubennefter bei Jerusalem, Bethlehem usw. an möglichst glatten Hauswänden, mindestens 4 Meter über dem Boden angebracht, aber natürlich nicht in gleicher Höhe mit ihm. Außer anderen Gründen wäre bei einem Taubenhaus auch noch die ganz verschiedene Form der Nischen bei der gleichen Anlage auffällig; vor allem aber ist das der Fall bei 3 Exemplaren von sechs (!), die kreuzförmigen Grundriß haben, denn das ist genau der gleiche, wie er bei gewissen Kultgrotten vorkommt, wo er mit dem Urtyp des jüdischen Familiengrabes verwandt ist, wie wir das schon bei Schilderung desselben sagten. Auch werden da solche Kultgrotten erwähnt, deren typischste wohl auf der ersten Südterasse des Hinnomtales gelegen ist („mein" Nr. 32), dicht bei einem etwa 1922 von Vincent und Dalman gefundenen „Molochaltar" (sie sind allerdings nicht sicher, ob sie ihn als solchen bestimmen können), den ich bereits 1914 publiziert hatte. — Diese Ähnlichkeit des Grundrisses und überhaupt die ganzen nicht passenden Maße der Nischen usw. usw. machten es mir klar, daß hier von Taubenhäusern keine Rede sein konnte, und noch F 0 HAUS MÜNCHEN Karls platz s DER Q U A L I 7 Ä T S S T 0 F F E 4 N. 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