Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 9 (15.5.1928)
- Article
- Überreste von kanaanitischen Kulturen bei Jerusalem
- Date
- 1928-05-15
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 131 seiner untersten Stufe noch eine „sakrale Tenne" bat, unter der sich dann wieder noch ein „Columbarium" befindet, mag hier nur kurz erwähnt sein. Man kann sich nur immer wieder darüber wundern, daß eine so mächtige und äußerst wichtige und interessante Anlage den Forschern bisher entgangen ist. Denn bis auf eine kleine, unbedeutende Notiz vor etwa 25 oder 30 Jahren, ist in der Literatur nichts darüber zu finden. Auch ein anderer, fast ebenso großer Schalenftein, nur ungefähr 15 Meter (!!) vom Brunnen Roghel entfernt, hat das gleiche Schicksal gehabt! - Ich schreibe das wahrlich nicht, um mich als Finder zu brüsten, sondern nur um zu zeigen, wie bisher gerade bei Jerusalem gearbeitet wurde, und daß es unter solchen Umständen nicht weiter verwunderlich war, wenn ich in dieser so unendlich oft besuchten Gegend trotzdem noch gute Funde machte. Die Schalenfteine sind deshalb für uns so wichtig, weil sich zwei sehr interessante Stellen der Bibel auf sie zu beziehen scheinen, und zwar aus der älteren Zeit, als das Land noch nicht vollständig von den Juden erobert und der spätere, reine Monotheismus noch nicht durchgedrungen, weshalb auch noch nicht die Scheidung von den im Lande bis dahin geübten Kulten konsequent durchgeführt war. Die eine Stelle ist: Ri. eap. <5., die vom Opfer Gideons handelt. Da heißt es besonders V. 20: „und lege es auf den Fels, der hier ist, und gieße die Brühe aus". Es braucht natürlich nicht hinzugefügt werden, daß es sich bei dem Fleisch usw., das auf „den Fels, der hier ist" hingelegt werden soll, und ebenso bei der Brühe, die ausgegossen werden soll, um O p f ergab e n handelt. Auffällig ist aber, daß der Fels besonders bezeichnet wird: „der hier ist", und, daß sich solche Schalen ganz besonders dazu geeignet haben werden. Denn wie schon gesagt, 'der Vorgang spielt in der Übergangszeit zwischen kanaanitischer und jüdischer Religion. Dazu kommt auch noch die Io. V. 11 und 19 erwähnte Eiche; an so vielen Stellen wird den Juden im A. T. der Vorwurf der Abgötterei gerade unter Bäumen gemacht, was wohl mit dem Kult der Aschera zusammenhängt. — Endlich müssen wir auch noch bedenken, daß wir ja wissen, daß der Glaube Gideons durchaus noch nicht so war, wie ihn später die Reformatoren, d. h. die Propheten, lehrten, denn Ri. 8, 22-27 ist geschildert, wie Gideon nach einem großen Sieg über die Mideaniter von den erbeuteten Stirnbändern der Feinde ein Ephod machte, das von ganz Israel in Ophra verehrt wurde. (1e. V. 27.) Das sind ein paar kurze Bemerkungen, welche die Möglichkeit andeuten, daß unter diesem Opferplatz ein Schalenftein gemeint sein konnte, wie ich das in meiner speziellen Arbeit „über Tennen und Keltern" dargelegt habe. Ich möchte noch bemerken, daß ich 5 Q'/Omr. MÄCHEN-FORMEN. BARIUM. für diese meine Angaben einen gewichtigen Zeugen habe, der im großen ganzen der gleichen Meinung ist, nämlich Kittel. Wenn aber ein so durchaus vorsichtiger Gelehrter wie er, dafür stimmt, so kann eine solche Annahme unmöglich als aus der Luft gegriffen bezeichnet werden! Eine andere Stelle ist wegen der knappen Schilderung nicht ganz sicher zu deuten, nämlich ob dort von einem Felsaltar (wie Luther übersetzt) oder einem Schalenstein die Rede ist. Es heißt Ri. \3, 19 von Simsons Vater Manoah, daß er ein Böcklein opferte: „und opferte es auf einem Fels dem Herrn". Da nun auch in der Richterzeit noch der jüdischen Religion viele Schlacken anhingen, von denen sie erst durch die Propheten befreit wurde, so können wir annehmen, daß sie in manchen Punkten, wie bereits erwähnt, der kanaanitischen, wenigstens was den „äußeren Rahmen", die Zeremonien anbelangt, ähnlich gewesen sein wird. S. C u r t i ß hat nun aber in seinem bekannten Werk Opfer der Fellachen beschrieben und nachgewiesen, daß dieselben auf uraltheidnische Gebräuche zurückgehen. Die Fellachen aber benutzen solche Schalen auf Steinen mit Vorliebe zum Auffangen des Opferblutes, und ähnlich werden wir uns auch wohl das Opfer Manoahs vorzustellen haben. — Die Erwähnung und Schilderung der Schalenfteine geschah einerseits um den Leser mit möglichst vielen alten Kultarten des Heiligen Landes bekannt zu machen, hauptsächlich aber um zu den Nischen überzuleiten; denn die Nische ist eigentlich nur die vertikale Projektion der horizontalen Schale.— In Anatolien sind solche Nischen, besonders in der Nähe der alten hettitischen Kultorte und Zentren häufig. Das Monument Arslankaja (— Löwenfels) bei Düver, bestehend aus einem kleinen Raum mit geöffneter Doppeltür, in welchem die Große Göttin, Kybele, thront, und von zwei aufgerichteten Löwen gekrönt wird, gibt uns die Erklärung solcher Nischen. Kybele, die