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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-05-15 · 9 (15.5.1928) · p. Seite 130

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
9 (15.5.1928)
Article
Überreste von kanaanitischen Kulturen bei Jerusalem
Date
1928-05-15
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 FELSALTAn BEI KAff R-EL-flÜFTI daß er mehr Stufen hat, ist er auch fast doppelt so groß gewesen. Bei Bethanien fand ich einen, der auf der obersten Stufe eine Schale hat usw. — Man hat nun angenommen, daß man auf diesen Altären Feuer entzündete und Opfer verbrannte; ich glaube jedoch, daß ihr Zweck ein anderer war: In Kleinasien konnte ich Übergangsformen ermitteln, die erlaubten eine Vergleichsreihe aufzuftellen, an derem einen Ende, quasi als Ausgangspunkt, sich die sitzende Figur der Kybele, der Erdmutter, befindet. Dann wird diese statuenhafte Darstellung immer einfacher und rudimentärer, Füße, Knie und Brust werden zu einfachen Stufen, auf denen dann nur noch ein „schematischer" Kopf sitzt, während die Arme in flachen Linien in die Hintere Felswand geritzt find. Zuletzt wird dann auch der Kopf zu einem „Klotz", resp. es sind zwei Köpfe vorhanden (auch dafür gibt es Übergangsformen), womit wohl das Götterpaar Kybele und Athys gemeint ist. Schließlich mag den Bauern, die natürlich keine Statue, wohl aber ein paar Stufen ausarbeiten konnten, die eigentliche Bedeutung derselben ganz verloren gegangen sein; genau wie der Christ es sich heute nicht mehr klar macht, wenn er das Kreuz schlägt, daß das eigentlich den ganzen Vorgang der Passion, vor allem aber Christus selbst bezeichnen soll'. Wenn man diese „Stufenaltäre", eigentlich Bilder der sitzenden Göttin, als solche betrachtet, so ergibt sich auch der Vorgang des Opfers ganz von selbst: Man legte auf die breite Stufe oben, den Schoß der Göttin, die für diese bestimmten Gaben, Erstlinge von Früchten und dergleichen, oder man goß in die Schale oben Wein oder Milch. Eine andere, weit verzwicktere Frage ist nun, ob diese sog. Altäre etwas mit den in der Bibel mehrfach genannten Bama's zu tun haben, wie Salomo eine solche auf dem „Berg des Ärgernisses" erbaute. Wir wissen nur, daß bei den Bama's auch Holz und Stoffe verwendet wurden, was zur F. A. kaum passen dürfte. Wirklich zu lösen ist diese Frage allerdings erst dann, wenn wir genau wissen werden, was und wie eine Bama eigentlich war, was heute leider noch nicht der Fall ist. 3 Die entsprechenden vergleichenden Tabellen veröffentlichte ich bereits 1908 in der „Orient. Lit. Zeitg.", als diese unter der Leitung des leider verstorbenen Prof. Wolfs Peiser die führende Rolle spielte. — Meine Theorien wurden damals heftig angefochten, gelten heute aber als anerkannt! — Wohl aber können wir das Gebot der Bibel, den Altar nur aus unbehauenen Steinen zu errichten, auf diese Altäre beziehen, denn sie sind ohne die Tätigkeit der Steinmetzen undenkbar. So wollte also der Gesetzgeber zwischen dem jüdischen und heidnischen Altar eine Schranke errichten, die ein Schwanken, ein Hinübergleiten zum heidnischen Kult ein für allemal unmöglich machte! — Endlich sind diese Kultobjekte bei Jerusalem so interessant, weil sie, wie bereits mehrfach erwähnt, solchen in Kleinasien sehr ähnlich sind, ja fast gleichen. Nun wissen wir aber, daß Anatolien das eigentliche Reich der Hettiter war, und auch, daß die Iebufiter, die Herren Jerusalems vor David, ein hettitischer Stamm waren. Daher werden beide auch ähnliche religiöse Ideen gehabt und folglich auch ähnliche Kultobjekte errichtet haben. So liefern sie also in diesem Fall eine Bestätigung der Geschichte, resp. religionsgeschichtlicher Tatsachen. B. Schalensteine. Sie sind eng verwandt mit den Felsaltären, in gewisser Beziehung nur primitive Vorgänger derselben. Wenn ich über sie nun nicht zuerst berichtet habe, so geschah es nur deshalb, um den Leser in diese ihm ferner liegende Materie bequemer für ihn einzuführen, da ihm wohl der Begriff eines Altars näher liegt, als der eines Schalensteins! Wie es die Abbildung H zeigt, besteht ein solcher, wenigstens in seiner einfachsten Form, in weiter nichts, als einer über den Boden hervorragenden Felskuppe, deren oberster Teil möglichst flach, mit einer Anzahl in den Stein gearbeiteter Schalen oder kleiner Näpfchen versehen ist. Die Formen der letzteren können sehr verschieden sein, ihr Durchmesser zwischen 50 und 5 Zentimeter variieren, während sie ungefähr 30 — 3 Zentimeter tief sind; aber es gibt auch Zylinder- oder umgekehrt kugelförmige, die oben 20 — 25 Zentimer messen und ungefähr 40 Zentimer tief sind. Ebenso kommen quadratische, resp. rechteckige Schalen vor, und nicht selten sind die Aushöhlungen durch kleine Rinnen zu „Systemen" miteinander verbunden. Eines der schönsten Exemplare fand ich am Nordrand des Wadi-en-Nar, es ist ungefähr 50 Meter lang, ungefähr 10 Meter breit; man hat einen nach Osten leicht abfallenden ganzen Felsrücken zu diesem Zweck hergerichtet. Um nun aber die für die Schalen nötigen horizontalen Flächen herzustellen, ist dieser Felsrücken quasi in 5 große Stufen zerlegt, auf denen sich dann mehrere Dutzend von runden, ovalen, quadratischen, tiefen und flachen Schalen befinden. Daß dieser immense Schalenstein auf xmMLEIWTCiN.

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