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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-05-01 · 8 (1.5.1928) · p. Seite 115

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
8 (1.5.1928)
Article
Jüdische Buchmalerei im 18. Jahrhundert
Date
1928-05-01
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 - Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 115 den Formengebung des Titelblatts und der Menorah eine lebhafte Gestaltung liebt. Dieselbe zarte Zeichnung begegnet uns wieder in einem vom gleichen Künstler geschaffenen Gebetbuch, das sich in der Bibliothek der Wiener israelitischen Kultusgemeinde befindet; es wurde in den Jahren 1721/22 geschrieben^. (Abb. 4). Wenn nicht vom nämlichen Urheber, so doch sicher aus dem gleichen Kreis jüdischer Schönschreiber und Buchmaler stammt eine heute in Fürther Privatbesitz aufbewahrte Sammlung der Gebete für Jom Kippur katan, die im Jahre 1720 für Frau Iitl, Gattin des R. Meir Pösing geschrieben wurde. (Abb. 5.) Wie in seinem oben angeführten Aufsatz D. Kaufmann berichtet, befand sich im Besitz des Herrn Emanuel Baumgarten in Wien ein von Arjeh Loeb geschriebenes und gezeichnetes Gebetbuch mit den Sabbatgebeten und -Gesängen des Isaak Lurja, das 1717 für Meir Pösing in Wien angefertigt wurde. Leider ist dieses Meisterstück, als welches es D. Kaufmann rühmend hervorhebt, nicht mit dem sonstigen Nachlaß Baumgartens in den Besitz der Wiener israelitischen Gemeinde übergegangen, so daß eine Vergleichung, die kunftgeschichtlich von hohem Interesse wäre, unmöglich ist. Immerhin ist die Vermutung infolge der nahen Beziehungen der ersten Besitzer und der zeitlichen Nähe der Ent- Ä \f Abb. 4. Gebetbuch aus dem ehemaligen Besitz der Baronin Wetzlar: Miniatur zum ersten Wort der Psalmen. Abb. 5. Jom Kippur Koton-Gebetbuch: Titelseite Privatbesitz: Herr Jgn. Schopflocher, Fürth i. B. geschrieben wurde (Format: 10X7 Zentimeter). Gegenüber dem zuletzt behandelten zeigt es im Ganzen mehr malerische Auffassung, was sich sowohl im Titelblatt (Abb. ö) wie in einem weiteren Blatte zeigt, das die im Freien versammelte Zehnzahl von Männern darftellt, die die Neumondsbenediktion sprechen (Abb. 7). In dieser aus dem Leben gegriffenen Szene, wie auch in anderen Bildern aus dem religiösen Leben des Hauses können wir eine sonst bei Juden nicht allzu häufige Freude an der genrestehung gegeben, daß es sich bei dem Fürther Gebetbüchlein auch um eine Arbeit Arjeh Juda LoebS handelt. Die feinere Behandlung der Zeichnung auf dem Titelblatt der Fürther Th'phillah gegenüber den Bildern und selbst den Initial-Verzierungen des Heidingsfelder Siddurs ist vorzugsweise auf das kleine Format (15 X 8 Zentimeter) zurückzuführen, das eine minutiösere Ausführung mit sich bringt. Daß die zeitlich spätere Arbeit stärkere Anklänge an den überholten Stil des späten Barocks verspüren läßt als das Büchlein vom Jahre 1720, mag seinen Grund darin haben, daß Juda Loeb Cahana - vielleicht auf Wunsch des Bestellers — sich mehr oder minder.eng an ein bestimmtes Vorbild anschließen mußte, während er in den Gebeten für Jom Kippur Katan seiner künstlerischen Auffassung freien Lauf lassen und dem Zeitstil, der sich schon lockernden Zwischenstufe zum leichtbeschwingten Rokoko Ausdruck geben konnte. Der in Wien blühenden Schule jüdischer Kleinmeifter auf dem Gebiet des Buchschmucks entstammt auch ein Gebetbuch in Münchener Privatbesitz, das die Sabbathymnen Rabbi Isaak Lurjas, des Gottesmannes enthält und im.Jahre 1724 in Wien 2 Dr. Bernhard Wach st ein, Das Testament der Baronin Eleonora Wetzlar von Plankenstern. Archiv für jüdische Familienforschung, Wien 1912, Heft 2/3, Seite 4^9. Die der Abb. 4 zugrunde liegende Reproduktion ist ebendott aus Seite 2 wiedergegeben. ' ■»■>!»» r?-jvr| i’Jr #;Fri5/ SS). Abb. 6. Sabbatgebete des R. Jf. Lurja: Titelseite Privatbesitz: Herr Kunschändler Jakob Spaeth, München

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