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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-04-15 · 7 (15.4.1928) · p. Seite 102

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
7 (15.4.1928)
Article
Denkwürdige Überreste der alten Judengemeinde Rothenburg o. d. T.
Date
1928-04-15
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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102 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Bild 4: Gedenkstein an die Märtyrer des Jahres 1298 (5058). Steht im Lapidarmuseum in Rothenburg o. d. T. Wir suchen nach Überresten der alten jüdischen Kehilla. Spärlich sind sie noch vorhanden im Nordoften der Stadt, im früheren Iudenviertel. Unverständnis hat hier viel versäumt. Im Streben, das altertümliche Gepräge des Städtchens zu bewahren, hat man übersehen, daß die Erhaltung der jüdischen Denkmäler, mit der Geschichte der Stadt verknüpft, dieselbe liebevolle Pflege erfordert, wie die Mauern und Tore. Wir finden eine Iudengasse? Die kleinen Häuschen mit ihren winkligen schmalen Stuben, dunklen Gängen und gewundenen Treppen, mögen zum Teil noch aus der Zeit stammen, da Rothenburg noch eine bedeutende Iudengemeinde war? Dann ein Platz, der heute noch „Iudenkirchhof" genannt wird. An den beiden Längsseiten ist er von Häusern umrahmt, an der dritten Seite grenzt er an die Stadtmauer und nimmt an der vierten Seite seinen Ausgang von dem großen Schrannenbau. Diese Schranne ist vermutlich die Stelle, an der die Synagoge einmal stand? Ein Hof, umgeben von einer Mauer, grenzt vom Osten an die Schranne und gewährt so den Zugang zu diesem Gebäude. Die Schranne sowohl als auch die Mauer des Hofes beansprucht nun unser besonderes Interesse, weil eine Anzahl ganz alter, aber doch gut erhaltener jüdischer Grabsteine sowohl an der Innenseite der Mauer, als auch an der Ostseite der Schranne eingebaut sind. So finden sich hier Steine aus den Jahren 1275, 1325, 1379 1 Merz, Geschichte von Rothenburg, schreibt: Noch sind bei Nr. 681 und 635 die engen Zugänge sichtbar, welche bei Nacht mit Toren verschlossen 2 Rothenburg erlebte mehrmals Judenaustreibungen. Anläßlich des „Rindfleischaufsiandes" im Jahre 1298, während des schwarzen Todes im Jahre 1349 und zuletzt im Jahre 1519. Nachher wohnten bis zur Emanzipation keine Juden mehr in Rothenburg. 3 Nach Merz' Geschichte von Rothenburg wurde nach der Judenaustreibung im Jahre 1519 die Synagoge zu einer Kapelle umgestaltet, jedoch schon im Jahre 1525 auf Betreiben des berüchtigten Teuschlin von Grund auf zerstört. 1588 wurde aus den brauchbaren Resten die Schranne erbaut. und mehrere andere. Der vor der Scheune liegende freie Platz, der „Iudenkirchhof", wurde vor nicht allzu langer Zeit einer baulichen Veränderung unterzogen und dabei eine Mauer eingelegt. Diese bestand fast nur aus alten Grabsteinen, die durch Vermauerung und Bewurf vor Verwitterung geschützt, hierbei ans Tageslicht kamen. Ein Teil dieses Fundes steht jetzt noch im Hofe der Schranne an die Mauer gelehnt. (Da der Hof zur Zeit dem städtischen Bauamt als Materiallagerplatz dient, stehen diese Steine in unwürdigstem Zustande, hinter Sand, Kies und Pflastersteinen und es wäre dringendste Aufgabe, für Verwahrung an einem geeigneten Ort zu sorgen.) Einige andere Steine wurden damals in die Gartenanlage vor das Lapidarmuseum gestellt; ein besonders denkwürdiger Gedenkstein, der sich daunter befand, wurde im Museum selbst aufbewahrt. (Siehe Bild 4 und 5.) Seine Inschrift sei hier im Wortlaut wiedergegeben: uroty '2 "iö nsoö ’nppn GTDin1 2 3? nman pmzutsn '^np o’jnx m1? by m rry intwi inruty TyV yin nssom nann ö' inom two lrpsm ni?3 wy Tyxi m uöö rta “pyn us ’ttrwn wön vnnb y> wbwn oval, 'ssnpö ^nn ^xu «3' ix wsin 'wnpi X X X Übersetzung: Mit bitterer Seele eine bittere Klage. Da wir vergaßen die früheren Leiden, meißelte ich es ein auf Tafeln von Stein, zur Erinnerung an die Märtyrer Rothenburgs die gemordet und verbrannt wurden wegen ihres Glaubens, im Jahre 58 (1298) am 19. Tamus. Und in einer Befestigung außerhalb der Stadt vernichteten (die Feinde) sie, zündeten Feuer an und sie wurden getötet. Sie (die Feinde) wandten sich zur Stadt, vernichteten dort Groß und Klein. Am 12. des Bild 5: Grabsteine aus dem Jahre 1309 und 1375, vereinigen Jahre aus dem „Iudenkirchhof" ausgegraben. Stehen jetzt vor dem Lapidarmuseum.

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