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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-04-15 · 7 (15.4.1928) · p. Seite 101

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
7 (15.4.1928)
Article
Denkwürdige Überreste der alten Judengemeinde Rothenburg o. d. T.
Date
1928-04-15
Page
Seite 101 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 101 Denkwürdige Überreste der alten ludengemeinde Rothenburg o. d. I. Es wäre in unserer Zeit noch ein Buch zu schreiben, dessen Entstehen sicher ein Verdienst sein würde, ein jüdischer Reiseführer. Wem ist dieser Mangel noch nicht fühlbar geworden, wenn man als denkender Jude Herz und Gefühl hat für die Erlebniffe seines Volkes in deutschen Landen, für die Geschichte der Juden in Bayern, gerade dann fühlbar, wenn man, auf einer Reise befindlich, solch historischen Boden betritt, und mit dem Wissen von dem Leiden unserer Väter gerne die Zeugen aufsuchen möchte, die uns in stummer Sprache, jene an Unglück reiche, mittelalterliche Zeit vor Augen führen. Wie würde man einen solchen historischen Führer begrüßen, wenn man durchglüht von der Begeisterung für die sittliche Höhe und Geisteskraft der großen Gelehrten, die in unseren ehemals blühenden Gemeinden gelebt, Männer, deren Namen in allen Zweigen der rabbinischen Literatur einen großen Klang haben, an die Stätten ihrer früheren Wirksamkeit kommt, und dort in geweihter Stimmung der Kehilloth Kedoschoth, der belebten Lehrhäuser und ihrer großen Lehrer mit dem talmudischen Zitat „Chawal al Bild 1: Rothenburg o. d. T., Blick in die Iudengasse von Osten aus. WHW deavdin welo mischtacchin", „Wehe über die Verlorenen, die nicht ersetzt werden", klagend gedenkt. So ein Führer, geschrieben mit Liebe zum jüdischen Volk, mit Verständnis für seine Vergangenheit und Entwicklung, mit hingebungsvoller Verehrung für seine Tradition und deren großen rabbinischen Meister, aufgebaut in Form eines kurzen historischen Abrisses, verbunden mit Hinweisen auf alle sehenswerten jüdischen Kulturdenkmäler, enthaltend aber auch zugleich einen Führer durch die Stätten heutiger jüdischer Gemeinden und deren Einrichtungen, solch ein Buch müßte einen ständigen Begleiter bilden, für alle, die noch mit Interesse am Judentum Anteil nehmen. So könnten wir besonders bei unserer wandernden Jugend das Verständnis für jüdische Geschichte wecken und so die vielen Altertümer nicht nur konservieren, sondern mitten ins Leben stellen. Das Interesse an den historischen jüdischen Denkmälern ist heute noch nur ganz vereinzelt anzutreffen und so. kommt eö auch, daß gerade in einer der besuchtesten Städte, in die man sich so gerne begibt, um ein Stück Mittelalter in der Betrachtung der Architektonik und beschaulicher Weltabgeschiedenheit auf sich wir¬ Bild 2: Ehemaliger Iudenkirchhof, Schranne mit angrenzendem Hof. An der inneren Seite der Mauer sind alte Grabsteine eingemauert. ken zu lassen, an den jüdischen Anteil ganz vergaß. Wer kennt es nicht, das trauliche Rothenburg o. d. T. mit seinem in die Gegenwart hinübergeretteten Mittelaller, seinen Mauern und Türmen, stillen Gassen und holperigen Wegen, Giebelhäusern und Fachwerkbauten, schließlich mit seinem herrlichen bezaubernden Blick ins Taubertal. Und wer unter gebildeten Juden kennt nicht Rothenburg und seinen großen Gesetzeslehrer des dreizehnten Jahrhunderts, den damaligen geistigen Führer der deutschen Iudenheit, den berühmten Maharam Rothenburg, R. Meir ben Baruch, dessen halachische Entscheidungen auch heute noch von großer Bedeutung sind. Und aus der synagogalen Elegie ist uns eine ergreifende Kinoh bekannt, die nach dem grausamen Iudenmorden im Jahre 1298 verfaßt, für alle Zeiten das Andenken erhalten hat, an Rothenburg, als die von jüdischem Blut rote Stadt (Ha'ir Ha'aduma Mi'dam). Bild 3: Schranne vom Hof aus, aus den Resten der ehemaligen Synagoge erbaut und vermutlich auf deren Stelle. »i»

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