Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 3 (15.2.1928)
- Article
- Sprachliches und Sachliches aus dem Talmud
- Date
- 1928-02-15
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2727850-2727853-2732711--02891-2732764- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. Z Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 35 lichen Erklärung noch leidlich zurecht. R. Simon b. L. sagt zu R. Iochanan: „Warum fürchft Du die 2'üpö 'V22 Kann es denn ärger werden als es bereits jetzt ist, wo wir von den römischen Feldmessern und Steuereinnehmern schikaniert und bedrückt werden, so daß unsere Kinder am Hungertuche nagen müssen? Wie wir jedoch bei II mit der gewöhnlichen Erklärung zurechtkommen sollen, ist mir unerfindlich. R. Iochanan sagt, mich schreckt und ängstigt die andere Weissagung, in der es heißt, daß die Männer mit schreckensbleichen Mienen gleich kreisenden Frauen einhergehen werden. R. S. b. L. gibt sich mit dieser Antwort zufrieden, als ob das eine genügende Begründung wäre für den Wunsch des R. Iochanan: 2'J’22'8 873 Nun ist doch wahrlich zwischen diesen beiden Verheißungen, die die Schrecken der 2’2S ^22 malen, kein großer Unterschied. Wenn R. S. b. L. für den Vers aus Amos eine Analogie in den Ereignissen seiner Zeit gefunden hat, so dürfte es ihm auch nicht schwer fallen, für die zweite Stelle aus Iirmijah eine zeitgenössische Analogie namhaft zu machen. In einer Zeit, in der die willkürlichen Erpressungen kein Ende nahmen und die Kinder vom Hungertode bedroht waren, da werden auch die schreckensbleichen Gesichter der Männer kein seltener Anblick gewesen sein. Es heißt da allerdings nach der Auslegung des R. Iachanan, daß auch der Kreis der Himmlischen, die 8'122 nVvö 72V von Furcht und Schrecken ergriffen sein wird, aber das kommt doch für uns, für die 2'PD '^22 nicht in Betracht. Überhaupt ist der ganze Schluß, daß der Heilige, g. s. E. sagen wird, wie kann ich jene vor diesen vernichten, unverständlich. Das ist ein Zusatz, der sich in den Zusammenhang gar nicht einfügen läßt, wenn wir an der gewöhnlichen Erklärung fefthalten. Eine Erklärung, die diese Schwierigkeiten vermeidet, wird da sicherlich willkommen sein. Eine solche möchte ich den Lesern unterbreiten. Ich übersetze die Worte: 873 m” 2'2'!22'8 „Er wird kommen, aber ich werde ihn nicht sehen." Daß in grammatikalischer Hinsicht nichts gegen diese Übersetzung einzuwenden ist, dürfte klar sein. Die Worte entsprechen dem Hebräischen: 3j*818 8^3 82' welches ebenfalls sofort in optativen Sinne, als auch als reiner Futursatz aufgefaßt werden kann. Alle diese Amoraim haben nicht etwa einen Wunsch, sondern ihre Überzeugung ausgesprochen, und zwar im Tone wehmütigen Bedauerns, daß sie 2'2'22 28'2 nicht erleben werden, daß er in ihren Tagen nicht erscheinen wird^. Weher ihnen diese Überzeugung kam, das war nun Gegenstand der Diskussion zwischen Lehrern und Schülern. Abbaji fragt seinen Lehrer Rabbah Woher weißt Du es so bestimmt? 2'2*2 '^>22^23L>27 82'7'8' meinst Du etwa, * Vgl. den Ausspruch des R. Jochallan den Torta (Jeruschalmi Tanith IV, 5) der zu Akiba sagte: Es wird Gras aus deinen Kinnbacken hervorwachsen, und der Sohn Davids wird doch nicht gekommen sein. weil die Vorboten des messianischen Reiches, die Leiden, noch nicht da sind, deshalb wird auch die Erlösung in absehbarer Zeit nicht eintreten? Dagegen läßt sich doch einwenden, daß '£"y>2\ mm gegen diese Leiden Schutz bieten, so daß der Erlöser kommen könnte, ohne daß Leiden vorausgegangen wären. Man könnte auch sagen, Rabbah fürchtete, daß er vermöge seines Alters wegen mangelnder Widerstandskraft die Leidenszeit nicht überdauern werde. Darauf sagte Abbaji, daß eine solche Befürchtung bei ihm, der min und 2">'2 in reichem Maße pflegt, nicht angebracht sei. Rabbah entgegnet hierauf: 8222 m;' 8Dty; „Die Sünde könnte es verursachen", das heißt unser Zeitalter ist noch genügend frei von Sünden, und daraus schöpfe ich die Überzeugung, daß das messianische Zeitalter noch in weiter Ferne sei. Die Unwürdigkeit des Zeitalters tritt der Erfüllung der göttlichen Verheißung hindernd in den Weg. Eine solche Auffassung hatte auch R. Wlieser das. 97b: 77813 78 387 283 778:5 2232*2 72*3y 7812*' 28 „Wenn Israel sich bessert, wird es erlöst werden, wo nicht, wird es nicht erlöst werden." Zu R. Iochanan, der sich in derselben Weise geäußert hatte, sagt R. S. b. L.: Warum hälft Du die Zeit der Erlösung für noch nicht gekommen? Es fehlt doch nicht an den Vorzeichen, die sein Kommen ankündigen, die 2’2*a '722 sind doch schon da. Wenn der Prophet Amos sagt: „Wie wenn Jemand vor dem Löwen flieht und so weiter, so fehlt es doch nicht an Analogien, die diesem Bilde genau entsprechen. Draußen auf dem Felde bedroht uns der Aufseher mit seinen Schikanen, in der Stadt verfolgt uns der Steuereinnehmer mit seinen Erpressungen, und zu Hause ist der Jammer der hungernden Kinder, der uns das Herz abdrückt. Das ist natürlich nur ein Beispiel, um zu zeigen, daß die Vorzeichen für 2'2-v 28'2 vorhanden sind; er hätte auch für die anderen Schilderungen der Schreckenszeit ebenfalls ein Analogon finden können in den betrübenden Ereignissen seiner Zeit. Darauf erfolgte die Antwort des R. Iochanan: „Du hast Recht, daran fehlt es nicht, die 2'2*2 '722 wären schon vorhanden, die Zeiten sind traurig und trübselig genug: 878 sondern ein anderes ist es, was mich befürchten läßt, daß die messianische Zeit noch nicht gekommen ist, was mich in der Meinung bestärkt, daß sie noch in weiter Ferne liegt. Wir sind noch nicht genügend vorbereitet. Die Feinde haben das Ihrige getan, sie haben es an 2'2-*2 '722 nicht fehlen lassen, und wenn es auf sie allein ankäme, dann müßte der Erlöser schon längst gekommen fern. Aber ber uns liegt das Hindernis, wir haben das Unsrige noch nicht getan. An uns haben diese Leiden noch nicht genügend ihre erzieherische Wirkung ausgeübt, deshalb halte ich die messianische Zeit noch nicht für gekommen." Es ist nun nachzuweisen, daß dieser Gedanke in den darauf folgenden Worten des R. Iochanan enthalten ist. Er beruft sich aus die Worte IirmijahuS im 30 .Kapitel, wo die Schrekr HAUS DER Q U A L I 1 ÄTSSTOFFE fl j N. STARK & Cil j MÜNCHEN NÜRNBERG! y KARLS PLATZ 5 LUITPOLDSTRASSE 11 J