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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-02-15 · 3 (15.2.1928) · p. Seite 34

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
3 (15.2.1928)
Article
Sprachliches und Sachliches aus dem Talmud
Date
1928-02-15
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 stammt seine Radierung des bekannten Porträts von dem berühmten Amsterdamer Rabbiner Menasse ben Israel, der mit ihm in derselben Straße wohnte. Da werden wir sicherlich nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, daß dieser berühmte Mann ihm bei der Komposition des Bildes seine Ratschläge erteilte, nach denen der geniale Künstler sich gerichtet hat'. Bei der bekannten Neigung Menasses zur Mystik wird es erst recht einleuchtend, daß er dieser Form der Buchstabenverteilung, die auch in der Kabbala eine große Rolle spielt, den Vorzug gegeben hat. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß in seinem Werke, „La piedra gloriosa o de estatua de Nebuchadnezar“, das Amsterdam 1655 erschien und mit vier Kupferstichen von der Hand Rembrandts versehen ist, diese Form der Gruppierung der Worte ebenfalls zu finden ist. Das Werk ist äußerst selten, es ist mir nicht gelungen, es zu erlangen und Einsicht davon zu nehmen. Die Vorliebe Menasses für eine solche Anordnung der Worte, die nach Art der magischen Quadrate senkrecht und wagrecht zu lesen sind, zeigt sich auch darin, daß das Titelblatt mehrerer seiner Werke, die er selbst dem Druck übergeben hat, die Psalmenworte 85, 11 in folgender Darstellung enthalten: II. „Er möge kommen, aber ich möchte ihn nicht sehen". So übersetzt und erklärt man gewöhnlich die Worte ns'srps 'n", die im Traktat Sanhedrin 98 b gleichlautend im Namen der älteren Amoraim: Rabbi Iochanan, Ulla und Rabbah mitgeteilt werden. Sie wünschen, der Erlöser — Maschiach - soll kommen, aber sie selbst wollen sein Erscheinen nicht miterleben. Wem kehrte sich nicht das Herz im Leibe um, wenn er diese Worte lieft? Mit welchen Gefühlen haben denn diese großen Lehrer in Israel dreimal im Tage das njnnm nm “rn ns* ns '•Di yj'y gebetet? Haben sie nicht gefürchtet, als nzrn */'" Qnpty zu erscheinen? Der weitaus größte Teil unserer Gebete bezieht sich auf das Erscheinen des Erlösers, ihm galt das sehnsüchtige Hoffen und Harren zahlloser Geschlechter, um seinetwillen hat Israel fast zwei Jahrtausende lang beispielloses Martyrium ertragen — und die großen Meister, die führenden Geister in Israel, sollten seine Ankunft nicht herbeisehnen, sollten sogar ausdrücklich wünschen, sein Erscheinen nicht zu erleben, die Verherrlichung Israels, die Aufrichtung des Gottesreiches nicht zu sehen? Läßt sich das in Wirklichkeit denken? Ist das zu begreifen? Und was ist der Grund dieses unbegreiflichen Wunsches? Wegen der n.'^v 'Pnn wegen der Leidenszeit, wegen der Geburtswehen, die dem Erscheinen des Maschiach vorausgehen werden! Seit wann sind denn die Weisen Israels so ängstlicher Natur, daß die Furcht vor Leiden und Gefahren sie mutlos macht und sie Verzicht leisten läßt auf die Herrlichkeit der Endzeit, auf die glorreichen Verheißungen der Propheten? Wenn die berufenen Führer des Volkes sich äußern, was soll da das gewöhnliche Volk denken? “VsJ D’ns:i ds Tp ’2nS *itpy ns nD.n^rr? „Wenn die Zedern des Libanon von der verzehrenden Flamme ergriffen werden, wie soll es dem Isop an der Wand ergehen?" Sonst schwören die Weisen 2 Nachträglich fand ich, daß auch zu 'Dl' Daniel die Flammenschrift so darstellt, daß sie senkrecht zu lesen ist. Israels nicht höher als nsms nsns „So wahr ich die Tröstung Israels sehen möchte" und hier wünschen Sie, daß sie diese Zeit nicht erleben sollen! Und wie undeutlich haben sie sich ausgedrückt! „Er, der Erlöser möge kommen, aber ich will ihn nicht sehen." Sie fürchten doch nicht den Erlöser, sondern die seinem Erscheinen vorausgehenden Leiden; davon ist jedoch in diesen Worten nichts enthalten. Es heißt nur, ich will ihn nicht sehen. Nach diesen Worten könnte es gar wohl geschehen, daß sie die rppö 'Pnn mitmachen müßten und den n'tPö dennoch nicht sehen würden. Wir wollen jedoch in der Betrachtung der Talmudstelle fortfahren. Abbaji sagt zu Rabbah: ssys ’ss aus welchem Grunde? Meinst Du vielleicht wegen der Leiden, die der meffianischen Zeit vorausgehen werden? Hat doch R. Elieser zu seinen Schülern gesagt, wer gegen die nw ’^zin geschützt sein will, der möge sich mit dem Studium der Thora, mit Werken der Wohltätigkeit beschäftigen; das ist doch bei Dir der Fall und Du hättest doch demnach diese Leiden nicht zu befürchten! Darauf antwortete er: smn oru' ssty die Sünde könnte es verursachen. Rabbah wollte demnach sagen, ich fürchte, daß ich diese Vergünstigung nicht genießen werde, weil ich sie durch meine Sünde verwirkt haben könnte. Wir stehen hier vor einer neuen Schwierigkeit. Jetzt ist es doch nur ein Zweifel, ob er vielleicht diese Vergünstigung verwirkt habe oder nicht. Die Herrlichkeit des inessianischen Reiches dagegen ist doch eine unzweifelhaft feststehende Tatsache, da sollte man doch meinen, müßte der Grundsatz s»sio psn s's „Das Zweifelhafte kann das Gewisse nicht verdrängen", zur Anwendung gelangen. Die Fortsetzung der Talmudstelle bietet nicht minder große Schwierigkeiten. I. Rabbi Iochanan sagte ebenfalls: „Er möge kommen, ich will ihn aber nicht schauen." Darauf sagte zu ihm R. Schimeon ben Lakisch: Aus welchem Grunde? Meinst Du etwa, weil es geschrieben steht (Amos 5, 19): Wie wenn Jemand vor dem Löwen sich flüchtet und es trifft ihn der Bär und er kommt nach Haufe, um sich an die Wand anzulehnen, und da beißt ihn die Schlange?" Ich will Dir Ähnliches in dieser Welt (heutigen Tages) zeigen. Der Mann geht hinaus aufs Feld und es begegnet ihm der Santar (der die Grenzen des Feldes abfteckt), da ist es ihm, als ob er einem beutegierigem Löwen begegnet wäre, er kehrt nach der Stadt zurück und trifft den Steuereinnehmer, da ist es ihm, als ob er einen reißenden Bär angetroffen hätte; er geht nach Hause und findet seine Kinder vom Hunger gepeinigt, und es ist ihm zu Mute, als ob er von einer Schlange gebissen worden wäre. II. Darauf entgegnete Rabbi Iochanan: Das ist es nicht, sondern weil geschrieben steht: „Fraget doch und sehet, ob ein Männlicher gebiert! Warum sehe ich, daß jeder Mann die Hände auf seine Lenden legt, gleich einer Gebärerin, warum ist jedes Angesicht in Blässe verwandelt? (Iirmija 30, 6.) Was bedeutet „jeder Mann"? Es sagte Raba bar Iizchak im Namen Rab's: Der, in dessen Besitz alle Stärke ist. Was bedeutet „jedes Angesicht"? R. Iochanan sagte, damit ist die himmlische und irdische Familie (der Kreis der Himmlischen und Irdischen) gemeint. Zu dieser Zeit spricht der Heilige, gelobt sei Er, diese sind meiner Hände Werk, jene sind meiner Hände Werk, wie soll ich jene vor diesen vernichten? Wir haben diese Auseinandersetzung der Deutlichkeit wegen mit I und II bezeichnet. Bei I kommen wir mit der gewöhn-

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