Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (11.11.1927)
- Article
- Hebräische Büchereien im Gebiete des heutigen Bayern
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 332 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 'Sy- - **U 31 -Oyi'l' ~S3TTH' ■ip Es2raaaR| 21y? rnprr&n ^fai -f^S^yt^rS^ , ' T^ftsf? yfagriigt ^'2tp ' 7MVLV >h^7^y^ mryo*K.'x%'£<m ä; rvv?^ irfepii - - * ’ - - 7L^'S2 7^3^ Tjrn ■aj?b’^b'3”\"\?onS-Tcia 7YHMS' «•vwv^r:» vj-Vi ‘ :• ■v^'ra^rvjjT? . '3**nV*s» örinv^na ’ - - VL^L^ ''i »•* Mvwas*i ^aTyäVvig; Abb. Nr. 10. Ein Folio-Machsor aus dem Besitze Hartmann Schedels (B. St.-B. Ld. 21). ischen Werken in Deutschland kaufte — diese Werke tragen wie alle in Deutschland gekauften Bücher den oben erwähnten weißen Schweinslederband —, war fast nur Gedrucktes. Es sind zum Teil in Basel, zum Teil in Venedig gedruckte, hauptsächlich für christliche Theologen bestimmte Bibeln und grammatikalische Werke. Daß aus Italien nicht mehr Drucke importiert wurden, trotzdem gerade damals eine besonders große Zahl hebräischer Werke aus allen Wissensgebieten erstmals oder aufs neue italienische Pressen verließ, ist auffällig. Aus jeden Fall fuhren die Agenten und Buchhändler besser mit dem Verkauf von Handschriften, auch von eben erst verfertigten, als mit dem von Drucken. Daß sich keine der in Johann Jakobs Zeit in Augsburg selbst von Chajim Schwarz in den dreißiger Jahren des sechzehnten Jahrhunderts hergeftellten hebräischen Drucke, auch nicht der wertvolle „Tur" des Jakob b. Ascher, in Fuggers Bibliothek vorfanden, ist ein Beweis dafür, daß Fugger damals noch gar nicht an den Erwerb hebräischer Bücher dachte. Zehn Jahre später aber war von den Erzeugnissen des jüdischen Buchdruckers in Augsburg offenbar nichts mehr vorhanden. In der Fuggerfchen Bibliothek in Augsburg erfuhren die angekauften Hebraica natürlich dieselbe pflegliche Behandlung wie alle anderen Bücher. Der erste Bibliothekar Johann Jakobs, Hieronymus Wolf, der bekannte Demosthenesüberfetzer, der die Fuggerfche Bibliothek in den Jahren 1551 bis 1557 verwaltete, hielt zwar hebräische Bücher für überflüssig, da kaum jemand in der ganzen Stadt sie verstehe. Aber sein Nachfolger, der Belgier Samuel Quicchelberg, selbst des Hebräischen nicht unkundig, hatte in Wolfgang Prommer einen Mitarbeiter, der sich der hebräischen Bücher mit Sorgfalt annahm. Als Fugger von Taufkirchen aus die Anordnung traf, daß die hebräischen Bücher hebräisch katalogisiert werden sollten, die Titel jedoch lateinisch darunter zu setzen seien, damit sich jedermann über den Inhalt unterrichten könne, konnte Prommer ihm antworten, daß bereits vor Jahresfrist (1555) ein Jude die Titel hebräisch mit punktirten Buchstaben in die Bücher selbst eingetragen habe. Er habe dazu sechs Wochen benötigt. Diese Einträge sollten in einen anzulegenden Katalog übernommen werden. Ein solcher Katalog kam aber bei Lebzeiten Fuggers nicht mehr zustande. Als Beispiel eines solchen Eintrags von der Hand des unbekannten Juden auf der Innenseite des Vorderdeckels diene Abbildung Nr. 8. Unter dem umständlich angegebenen und sorgfältig punktierten Titel steht die Transskription, d. i. die Wiedergabe des hebräischen Textes in lateinischer Schrift, darunter die lateinische Übersetzung. Der fehlerhafte hebräische Text verrät auf Schritt und Tritt den Ignoranten, deren es damals auch viele unter zum Christentum übergetretenen Juden gab. Ein solcher hat vielleicht, da die Schriftzüge nicht die bei Juden, sondern bei Christen üblich gewesenen sind, auch hier gearbeitet. Zudem hätte eine jüdische Hilfskraft nicht, wie es bei den Eintragungen in den Fuggerfchen Büchern geschehen ist, das Tetragramm, den vierbuchstabigen Gottesnamen, ohne Abkürzung und dazu noch sorgfältig punktiert wiedergegeben. Die hebräische Bibliothek Fuggers enthält unter Bevorzugung der Exegese, der Philosophie und Kabbala Werke aus allen Gebieten der hebräischen Literatur mit Ausnahme der Liturgie. Sei es, daß der hinter Fugger stehende Hebraist für jüdisch-liturgische Werke kein Interesse hatte, sei es, daß Fuggers Bevollmächtigte bei diesem dieses Interesse nicht voraussetzten, jedenfalls findet sich weder bei den von Fugger einzeln erworbenen Handschriften und Drucken, noch zufällig auch bei den Handschriften aus Grimanis Besitz ein liturgisches Buch. Ohne daß es Fugger wußte, wurde diese Lücke -jedoch durch einen Zufall in bester Weise ausgefüllt. Fugger erwarb nämlich im Jahre 1552 die gesamte bis dahin erhaltene Bibliothek des berühmten Nürnberger Humanisten und Arztes Hartmann Schedel von dessen Enkel Melchior, der als letzter seines Stammes sein Erbe um fünfhundert Gulden verkaufte. Es waren nicht viele, aber kostbare hebräische Bücher darunter. Unter den Drucken ist vor allem die sehr seltene Bibelausgabe Brescia 1494 erwähnenswert. Daneben interessieren uns sieben in unüberzogenem Holzdeckel mit Schweinslederrücken gebundene und der Reihe nach mit den Buchstaben A - G auf dem Vorderdeckel bezeichnte Handschriften. Drei davon sind Pentateuchmanuskripte, die übrigen vier aber, sämtlich in Folio, liturgische Bücher, Festtagsgebete enthaltend. Am interessantesten jedoch ist ein kleines, für den täglichen Gebrauch bestimmtes, in Leder gebundenes Gebetbuch (Cod. 410). An dessen Schluß trug Schedel die in Abbildung Nr. 9 wiedergegebene Bemerkung ein, die auf deutsch lautet: Vorliegendes hebräisches Buch wurde nach der Vertreibung der Juden aus Bamberg in ihrer Synagoge, die später zu einer schönen Kapelle geweiht wurde, gefunden. Dieses Buch verehrten mir, Doktor Hartmann Schedel, die Brüder des Dominikanerordens am 27. November 15O2 in Bamberg. Ich ließ das zerrissene Buch wieder in guten Zustand bringen. Damit hätten wir aus der hebräischen Bibliothek Fuggers erstmals auch einen wichtigen Verbindungsweg zur allgemeinen jüdischen Geschichte gefunden. Eine Vertreibung der Juden aus Bamberg hat, wie wir den gründlichen Darlegungen des Bamberger Rabbiners Dr. A. Eckstein entnehmen, äs jure aller-