Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (11.11.1927)
- Article
- Hebräische Büchereien im Gebiete des heutigen Bayern
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 331 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 331 Nr. 1 Außer den eigens für Fugger hergeftellten Handschriften verschafften ihm seine Agenten aber auch ältere, darunter überaus wertvolle Stücke. Unter diesen waren gegen zwanzig Handschriften aus dem früheren Besitze des Kardinals Domenico Grimani, die allerdings zum Teil schon vorher für Fugger abgeschrieben worden waren, so daß sich diese Werke in zwei Exemplaren in der Fuggerschen Bibliothek vorfanden. Grimanis hebräische Handschriften stammten wiederum zum Teil aus dem Besitze Giovanni Pico della Mirandolas, des ältesten bedeutenderen Sammlers hebräischer Literatur im Abendlande. Erwähnenswert sind von den älteren nicht für Fugger angefertigten Handschriften fünf von dem Arzte Eleazar Parnas aus Reggio in Kalabrien mit der linken Hand geschriebene, jedoch nicht von ihm verfaßte medizinische Codices. Ein Beispiel seiner schönen spanischen Kursivschrift gibt Abbildung Nr. 4, wo auch seine Nachschrift mit seinem Namenszug deutlich lesbar ist. Zu diesen älteren Handschriften gehört auch Cod. Nr. 5 der Staatsbibliothek, eines der wertvollsten, sicher das prächtigste Stück der Fuggerschen Hebraicasammlung, das sich bis heute vollkommen deutlich und unversehrt erhalten hat. Es ist dies ein auf Pergament geschriebener Bibelkommentar des bekanntesten und volkstümlichsten Bibelerklärers Salomon ben Isak (Raschi), der 1105 in WormS starb und dort begraben liegt. Der Codex, der zwei schwere, mit Y und Z, hebräisch mit n und & signierte Foliobände zu 218 und 256 Blatt umfaßt, ist, wie aus der in Abbildung Nr. 5 wiedergegebenen, dort nur durch zwei Längsfalten unterbrochenen Nachschrift des Schreibers hervor- Tf * jLoci.iiceWI»*- Zu CjTBrtkcnfczgn •'Jn f*cn «nifcczatn fUit m pttlcfctn Cupdlaizc^tO^j^ hbzu Pvntrc& 02 > X*mt$ tnibi brt Tfrxt&i*9 f\rmo C%itc Umrcnh?'zxrcwrtr fcri cvtclft v. ,h;"W ’si > i'Ü :■ _ >y-yv3 WW' vjn-s C“1 *'-&>)> ■vyV'ü" (■ ^>7 &Ö3» M - ‘OYvji D57in iWabf n’-v:pn v"^- firf. -7<^ifj^nßinn)i^iaßi^Aovi7Au?jmmräiinn^in^t JhmrUn nrnmi^dnt^ aj>//h tf^yj/r/r/iU erJly-Jür^ iAw.w.i .vftht// xn7‘ '''^ZiSr/iaTr^/i/rjy/aUnU'JuUf^ Äin7ip?772>s rs Sr/rwAnx änfcm ft# ..4- -vV. Abb. Nr. 8. Titeleintrag in den Fuggerschen hebräischen Büchern. (B. St.-B. 6K. 210.) Abb. Nr. 9. Eintrag Hartmann Schedels in einem aus der Synagoge in Bamberg stammenden Gebetbuch (B. St.-B. 6ti. 410). geht, im Jahre 4995, also noch im 5. Jahrtausend der jüdischen Zeitrechnung, d. i. im Jahre 1255, von Salomon ben Samuel aus W ü r z b u r g geschrieben. Der Name des Auftraggebers war Joseph ben Moses, dessen nicht genannter Wohnsitz nicht gerade Würz bürg gewesen sein muß. Jedenfalls treffen wir den Codex im Jahre 1526 in Italien. Nach einer in der Handschrift erhaltenen, ebenfalls auf Abbildung Nr. 5 ersichtlichen Bemerkung wurde nämlich in diesem Jahre am 15. Tebeth der Codex in Venedig an Iekusiel ben David verkauft. Auf dem Umwege über Italien, wie schon der grüne Einband beweisen würde, gelangte er dann schließlich in Fuggers Besitz. Eine ausführliche Beschreibung der Handschrift würde hier zu weit führen. Um dem Leser jedoch eine Probe ihrer glänzenden Ausstattung zu geben, bringen wir in Abbildung Nr. 6 eine durch zwei übereinanderlaufende, prächtig kolorierte Bänder in vier Felder geteilte Seite. Die Wirkung des Ganzen — man beachte auch die Tiergestalten — wird durch die Schönheit der Schrift selbst wesentlich unterstützt. Das Werk enthält ferner eine große Zahl von Initialen und Miniaturen. Auf der in Abbildung Nr. 7 wiedergegebenen Miniatur zu Anfang des Buches Daniel sind sämtliche Gesichter durch Wegradieren der Augen und Nasen entstellt, so daß kein religiöses Bedenken — der Künstler war jedenfalls, wie oft bei Kolorierung und Illustrierung hebräischer Handschriften, kein Jude — der Benutzung des Werkes im Wege stand. Wenn wir uns wieder den anderen Werken der Fuggerbibliothek zuwenden, so fällt vor allem die verhältnismäßig geringe Zahl der Drucke auf. Was freilich Fugger an hebrä-