Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 11 (11.11.1927)
- Article
- Hebräische Büchereien im Gebiete des heutigen Bayern
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 333 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 333 dings erst im Jahre 1478 ftattgefunden. Mein gerade damals gelang es den Juden, von ihrer Synagoge das Schicksal der Verwandlung in eine Kirche fernzuhalten. Wohl aber war dies der Fall nach dem grausamen Überfall des Pöbels auf die Bamberger Juden im Jahre 1349. Damals gingen die Synagoge und fast sämtliche Judenhäuser in das Eigentum des Fürstbischofs über. Jene wurde in eine Marienkapelle umgewandelt. Nachdem sie baufällig geworden war, wurde an ihre Stelle im Jahre 1470 eine größere Marienkapelle erbaut, die im Volksmund noch heute die „Judenkapelle" heißt. Es liegt aber weiter die Vermutung nahe, daß sämtliche Schedelschen hebräischen Codices, die aNe durch Gebrauch sehr abgegriffen sind und sicher in diesem Zustande schon in Schedels Besitz gelangten, auf dieselbe Weise wie Cod. 410 sein Eigentum wurden. Die. großen Folianten konnten die Juden bei ihrer unfreiwilligen Wanderung mit ihrer ganzen Familie nicht mitschleppen und sie mußten sie daher ihrem Schicksal überlassen. Abbildung Nr. 10 zeigt das Kol-Nidre-Gebet des Machsor Schedelcoder 6. Daß, wie ersichtlich, dieses Machsor den polnischen Ritus hat und daß dies auch bei den anderen genannten Schedelschen Festtagsgebetbüchern der Fall ist, braucht uns in unserer Vermutung über den Ursprung dieser Bücher nicht irre zu machen. Denn im Gegensatz zu der allgemeinen Annahme war vor Verbreitung der gedruckten Gebetbücher im heutigen Süddeutschland ebensowenig wie im benachbarten Böhmen und Mähren der sog. deutsche Ritus überall heimisch. So bietet denn die Fuggersche hebräische Bibliothek dem Bibliographen unendlich viel, aber auch dem Forscher der jüdischen Geschichte manches. Im Gegensätze zu ihren anderssprachigen Teilen steht sie zahlenmäßig etwas hinter der Widmanftetterschen zurück. Aber ihre Anlage ist entschieden großzügiger. Die beiden hebräischen Büchereien unterscheiden sich eben geradeso wie ihre Besitzer. Fugger war der Aristokrat, Widmanstetter der Gelehrte, jener der. Geldfürft, dieser der Fürstendiener. Fuggers Bücherei ist von Agenten zusammengetragen, die Widmanftetterö von ihm selbst zusammengesucht. Jene ist gekauft, diese erworben. Dem Verdienste Fuggers auch um die hebräische Wissenschaft tut dies keinen Abbruch. Zu einer Zeit, da man die Juden in den „Teutschlanden" allenthalben mied und verfolgte, zu einer Zeit, da man die Lebenden unbedenklich tötete, erweckte Johann Jakob Fugger die Toten zu neuem Leben. ßilfsverein der Deutschen luden Aufruf! (Genehmigt durch das Bayerische Staatsministerium des Innern vom 23. Oktober 1927, Nr. 2589ä 209) Seit dem Ende des Weltkrieges ist der Hilfsverein der Deutschen Juden nicht an die Glaubensgenossen mit der Bitte herangetreten, größere Mittel für seine Aktionen zur Verfügung zu stellen. Jetzt glaubt der Hilfsverein die Zeit gekommen, zur Fortführung seiner Arbeit in Deutschland auf dem Gebiete der Emigranten-, Pogromwaisen- und Studentenfürsorge, sowie zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit in Rußland und im Orient die Mitwirkung der deutschen Juden wieder in stärkerem Maße in Anspruch nehmen zu dürfen. Unter dem Drucke wirtschaftlicher Notwendigkeiten vollzieht sich gegenwärtig in Rußland der Übergang der Juden zum Ackerbau und zur industriellen Arbeit. Die zuständigen russischen Behörden fördern die ländliche Ansiedlung der Juden, die großen jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften beteiligen sich an ihrer Durchführung. Der Hilfsverein, der als Vertreter der deutschen Judenheit für jüdische Auslandshilfe in Deutschland seit Anfang des Jahrhunderts den Juden in Osteuropa und im Orient in bewegtesten Zeiten zur Seite gestanden hat, rechnet auch jetzt auf die tatkräftigste Unterstützung der deutschen Juden, die es ihm ermöglichen soll, an der Lösung der zur Zeit im Vordergründe stehenden großen Aufgaben mitzuwirken. Am 15. März 1927 ist Dr. Paul Nathan, einer der Begründer und Führer unserer Organisation, nach kurzem Leiden tiefbetrauert aus dem Leben geschieden. Wir deutsche Juden ehren sein Andenken auf die würdigste Weise, wenn wir für das jüdische Hilfswerk, das Lebenswerk Paul Nathans, unsere ganze Kraft einsetzen. Unsere Sammelaktion beginnt im September 1927 in Berlin und im Reiche. Spendet und werbet für unsere Aktion! Hilfsverein der Deutschen Juden Dr. h. c. James Simon, Vorsitzender Generalkonsul Eugen Landau, Stellv. Vorsitzender Curt Sobernheim, Direktor der Commerz- und Privatbank A.-G., Schatzmeister Vankdirektor M. Joachimssohn, Stellv. Schatzmeister Pros. Dr. Moriz Schaeser, Oberstudienrat i. R., Schriftführer Frau Henriette May, Stellv. Schriftführerin. Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin); Rabbiner Dr. Leo Vaerwald (München): Justizrat Dr. Blau (Frankfurt a.M.); Dr. Cohn, Staatsrat a. D. und Justizrat (Dessau): Dr. Karl Ellstaetter (Berlin): Prof. Dr. Falkenheim, Geh. Medizinalrat (Königsberg i. Pr.); Dr. Wilhelm Feilchenfeld, Sanitätsrat (Berlin): D. Frischmann (Hamburg); B. Galatzer (Bremen); L. Goldfeld, Geh. Justizrat, Landgerichtsdirektor i. R. (Breslau): Jakob Heckscher (Hamburg); Berthold Israel, Inhaber der Fa. N. Israel (Berlin); Dr. Bernhard Kahn (Berlin); Dr. F. Kaufsmann (Frankfurt a. M.); Dr. phil. S. Levi, Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde, -Mainz): Rechtsanwalt Felix Makower (Berlin); Justizrat Dr. Mann (Stettin); George Marx (Königsberg); Hermann Marx, Direktor der Deutschen Bank (Filiale Königsberg); Dr. Mayer, Geh. Oberregierungsrat (Karlsruhe): Prof. Dr. Eugen Mittwoch (Berlin); Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, Präsident des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden (München); Rechtsanwalt Paul Solinger, Vorsitzender des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes und Mitglied des Vorstandes der Israelitischen Religions-