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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-11-11 · 11 (11.11.1927) · p. Seite 330

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
11 (11.11.1927)
Article
Hebräische Büchereien im Gebiete des heutigen Bayern
Date
1927-11-11
Page
Seite 330 (sequence 5)
Language
German
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330 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 JWö JY« J73 Abb. Nr. 7. Eine der zahlreichen Miniaturen der Naschihandschrift. daß aber grobe Fehler unterbleiben. So lesen wir verschiedentlich (auf N4 und X4) statt Der Signator wußte gar nicht, daß „Kabbala" ein rein hebräisches Wort ist, sondern betrachtete es als ein lateinisches oder italienisches, das er nach der Art in hebräischen Lettern wiedergab, wie alle fremdsprachlichen, auch deutsche Wörter mit hebräischen Lettern wiedergegeben werden. Außerdem bleiben die Inhaltsangaben nach wie vor häufig unzutreffend, bis sie von Gö an ganz wegfallen. Gleichzeitig wanderten jedoch die Messingftifte, die zum Einhaken der Schließen dienen, bei den meisten Bänden von dem Hinterdeckel, wo sie bis dahin ausschließlich angebracht waren, nach dem Vorderdeckel, wohin sie gehören. Jede dieser sonst nicht beachteten Einzelheiten für sich mag unwichtig erscheinen. Im ganzen sind sie aber im Verein mit hier nicht aufgeführten, anderweitig besprochenen Verschiedenheiten der Einbände durchaus geeignet, die von den Fachgelehrten oft erörterte Frage, woher die Fuggereinbände stammen, zu beantworten. Die Einbände nach Art des in Abbildung Nr. 1 und 2 wiedergegebenen sind ohne weiteres als Venetianer Einbände des 16. Jahrhunderts kenntlich. Da die hebräischen Signaturen gleich den lateinischen nur am Sitz der Bibliothek nach Weisung des Bibliothekars aufgepreßt worden sein können, sind auch die hebräischen Inhaltsangaben, die die gleichen primitiven Typen zeigen, in Augsburg hergestellt worden. Aus irgendeinem Grunde ließen sich von B3 an Signaturen und Inhaltsangaben in Augsburg nicht mehr in hebräischen Lettern Herstellen. Deshalb ließ man die Inhaltsangabe gleich in Italien aufpressen — allerdings kaum von jüdischer Hand, wie die erwähnten Ungenauigkeiten und Fehler zeigen, — während gleichzeitig selbstredend die nur in Augsburg festzuftellende hebräische Signatur in Wegfall kommen mußte. Von G5 an mag dann allerdings der ganze Einband unter Anpassung an die bisherigen italienischen in Augsburg hergestellt worden sein, wo man aber beim Binden, wie die Schließen beweisen, den hebräischenInhalt der Bücher mehr als in Italien berücksichtigte. Die Bücher mit den grünen Einbänden selbst aber stammen sicher alle vom italienischen Büchermärkte. Wer in Italien die Agenten Fuggers für den Ankauf der Hebraiea waren, ist nicht bekannt. Es dürften dieselben Persönlichkeiten gewesen sein, die auch andere Literatur besorgten, so insbesondere Jakob Strada aus Mantua, selbst Besitzer hebräischer Bücher, und Nikolaus Stoppio, „Prokurator" in der bekannten hebräischen Offizin Bömbergs in Venedig. Ausdrücklich genannt wird in zwei Handschriften der Druckereivorsteher Cornelio Adelkind in Venedig, allerdings nur als Auftraggeber gegenüber dem Schreiber. Allein es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß Adelkind den Auftrag nicht für sich erteilte, sondern als Vermittler Fuggers oder eines Fuggerschen Agenten handelte. Der Name Fuggers als des Bestellers war den Schreibern aller für ihn angefertigten Abschriften jedenfalls nicht bekannt, vielleicht sogar absichtlich vorenthalten worden. Während Fugger andere Bücher schon 1536 aus Italien bezogen hatte, begann er mit der Anlegung der hebräischen Bücherreihe reichlich spät. Codex A wurde für Fugger im Jahre 1548 geschrieben, die letzten Handschriften der letzten Reihe im Jahre 1553, so daß also dieser Teil der Fuggerschen Bibliothek in einem Zeitraum von fünf Jahren entstand. Kein Wunder, wenn man alle Schreiber oder Abschreiber beschäftigte, deren man gerade habhaft werden konnte, wenn sie auch vom Inhalte selbst wenig verstanden. Wie groß muß die Eile gewesen sein, wie sehr müssen die Agenten auf Ablieferung gedrängt haben, um ihren reichen Auftraggeber zu befriedigen und zu ihrem guten Verdienste zu kommen, wenn selbst ein gelehrter Schreiber wie Esra ben Isak von Fano, von dem Cod. 31 (F4) stammt, flüchtig und inkorrekt abschrieb! Nur der Titel wurde — wahrscheinlich von anderer Hand — sorgfältiger auögeführt, wobei die für Ausschmückungen aller Art vorzüglich geeigneten hebräischen Quadratbuchftaben, wie Abbildung Nr. 3 zeigt, in interessanter Weise ausgenützt wurden. Die federgezeichnete weibliche Gestalt weift jedenfalls auf den Titel des Werkes, „Lebensquell", hin.

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