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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-08-24 · 8 (24.8.1927) · p. Seite 247

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
8 (24.8.1927)
Article
Zum 80. Geburtstag von Max Liebermann
Date
1927-08-24
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 247 Max Liebermann. Baron Berger Zwanzigjährige vom Philosophieftudium abließ und zur Kunst überging; und von Menzel, dem halb Gefürchteten, Anerkennung zu ernten, war des jungen Künstlers ernsthaftes Bemühen, und der Altmeister hat ihm dann auch grilliges Lob gespendet. So ist Liebermann nur .aus dem Berliner Milieu verständlich, und es ist bezeichnend, daß er sich nicht entschließen konnte, seinen Wohnsitz für dauernd an einen anderen Ort zu verlegen, sondern daß er noch heute im Haus seiner Eltern wohnt. Der Antrieb, der nun aber durch ihn die deutsche Kunst ein gutes Stück weiter schob, kam von Frankreich und Holland. Corot und vor allem Millet zogen ihn 1874 nach Paris, wo er bald Fühlung mit dem Kreis der Freilichtmaler in Barbizon bekam. Die „Arbeiter im Rübenfeld" entstanden als erste große Frucht jener Zeit, nachdem Liebermann schon vorher durch „Die Gänserupferinnen" und „Die Konservenmacherinnen" gezeigt hatte, wie er das unmittelbar tätige und bewegte Leben zum Gegenstand seiner Kunst zu machen beabsichtigte. - Um,1880 „entdeckte" Liebermann Holland, d. h. die holländische, weite Landschaft und die große Kunst des 17. Jahrhunderts. Vor allem Franz Hals wurde ihm zum Führer, und im Kopieren von dessen schnell hingemalten, farbig differenzierten Bildern hat.er seine eigene Kunst weiter gefördert. Fast jedes Jahr ist der Künstler wieder nach Holland gegangen, und die meisten seiner Motive stammen von dort. Liebermanns Kunst stellt sich immer mehr auf Leben und Bewegung ein, er malt unmittelbar vor der Natur, malt Licht und Luft in das Bild hinein, und das ist für Deutschland das große Neue, das er in die erstarrte Überlieferung der Romantik und des Geschichtbildes bringt. Seine „Netzflickerinnen", 1888 entstanden, sind eines der schönsten Beispiele seiner Kunst; die Weite der Meereslandschaft, das zitternde Licht, das darüber hinweggleitet, der scharfe Wind, der die junge Frau im Vordergrund vorwärts treibt, gibt dem Beschauer den Eindruck der Unmittelbarkeit und Frische; das scheinbar ganz Zufällige der Komposition unterstützt das noch. — Noch weiter geht das in einem Bild, das 14 Jahre später entsteht, dem „Restaurant Jakob an der Elbe". Während man bei den „Nehflickerinnen" immer noch glauben kann, das Bild sei um der Haüptgeftalt, der „Heldin" willen gemalt, ist hier nun alles Figürliche: Menschen, Bäume, Dinge „entpersönlicht" zugunsten des flutenden Sonnenlichts, das durch die Zweige bricht und sich in Spritzern und Klecksen bald hier, bald dort feftsetzt. Ein Gefühl von sommerlicher Wärme und Behaglichkeit geht von dem Bild aus, und dadurch erhält der — an sich gleichgültige - Gegenstand seine künstlerische Berechtigung. - Die Eigenart des Liebermannschen Impressionismus zeigt sich ebenfalls deutlich in dem auch 1902 entstandenem Bilde des „Papageienmann". Eine zufällige Szene aus dem Berliner Tiergarten, aber den Künstler interessiert gar nicht das Genrehaste, vielleicht sogar Humorvolle des Vorgangs, — ihn packt nur das Leuchten und Flimmern all der vielen Farben, die um die blaue Gestalt herumschwirren und wieder durch die Sonnenflecken eine Steigerung erfahren. Nun aber ist's erstaunlich, wie dieser scheinbar ganz dem augenblicklichen Augeneindruck hingegebene Maler auch zum vorzüglichen Porträtisten wird. Freilich kommt Liebermann erst ziemlich spät zum Bildnis, erst in den neunziger Jahren. Seine scharfe Beobachtungsgabe hilft ihm hier das psychologisch Wesentliche herauszuheben. — Vielleicht das erstaunlichste dieser Porträte ist das des Baron Alfred Berger, des Hamburger Theaterintendanten, von 1905. Der Mann hat so gar nichts, was dem Laien als irgendwie „künstlerisch" bemerkenswert erscheinen mag, ist schwer, breit, dick, hat ein zwar geistvolles, aber ziemlich vierschrötiges Gesicht, aus dem neben aller Klugheit eine unbändige Lebenslust spricht. Mir wfll scheinen, als ob Liebermann gerade diese Aufgabe gereizt hätte; hier fand er sich in Nachbarschaft Franz Hals' und seiner „Landsknechtkavaliere" mit ihrer derben Lebensfreude. — Ein klein wenig zurückhaltend ist der Baron Berger gemalt, als wenn er eben ein Bonmot in den Freundeskreis geworfen hätte und auf

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