Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 8 (24.8.1927)
- Article
- Zum 80. Geburtstag von Max Liebermann
- Date
- 1927-08-24
- Page
- Seite 246 (sequence 2)
- Language
- German
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246 Bayerische Israelitische Gemeiydezeitung Nr. 8 .-MU Max Liebermann, Die Netzslickerinnen. Franz Rompel, Photogr. Kunstanstalt, Hamburg 22 man fragen, wo sie verwurzelt ist undvon wo sie ihre Antriebe erhält. — Unseres Meisters Werden ist nur verständlich aus alter Berliner Kulturtradition. Man ist heute sehr geneigt anzunehmen, daß Berlin und Kultur Begriffe sind, die nichts miteinander zu tun haben, und für die moderne Weltstadt mag das vielleicht zutreffen. Aber vor etwa IOC) Jahren war aus der Romantik eine ganz echte Berliner Kultur erblüht, die sich im Geistes¬ und Kunstleben der preußischen Hauptstadt wie in der einzelnen Familientradition mehrere Generationen hindurch fortsetzte. Im Haus Liebermann, dessen ältere Glieder bedeutende Kattunfabrikanten waren, lebte diese Überlieferung ebenso stark, wie in der Gruppe namhafter Maler, deren Vertreter Krüger, Steffeck, Menzel sind. Steffeck war Liebermanns erster Lehrer, als der Am 20. Juli vollendete Max Liebermann sein 80. Lebensjahr^ Wenn sonst schon jeder tätige und arbeitende Mensch in so hohem Alter einmal wägend Rückschau halten darf, so ist das ganz besonders bei Liebermann berechtigt, in dessem Namen sich ein Abschnitt deutscher Kunftentwicklung symbolisiert. In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts war er zum Führer im Kampf um die „neue Richtung", den Impressionismus geworden, und aus dem Vorkämpfer der kleinen Oppositionsgruppe ist er allmählich zum führenden Künstler der ganzen Malerei in Deutschland geworden, der trotz der Kunftrevolutionen, die wir unterdessen erlebt haben, noch heute ernsthaft mitzusprechen und zu gestalten hat. Will man sich über die Bedeutung der Liebermannschen Kunst klar werden, so muß 'jeia&m Max Liebermann, Terrasse bei Jacob in Nienstedten Franz Rompel, Photographische Kunstanstalt, Hamburg 22