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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-05-23 · 5 (23.5.1927) · p. Seite 146

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
5 (23.5.1927)
Article
Bericht über die Verhandlungen der 5. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden am 13. und 14. März 1927 in Fürth
Date
1927-05-23
Page
Seite 146 (sequence 5)
Language
German
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146 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 5 wurden. Diese erhielten in jeder Gemeinde, die sie aufsuchten, einen kleinen Betrag, mit dem sie gerade bis zur nächstgelegenen Gemeinde kommen konnten, wodurch Dauer und Kosten der Reise ganz erheblich gesteigert wurden. Um den hier zutage tretenden Mißständen zu steuern, ist die Hauptstelle für Jüdische Wanderfürsorge in Berlin unter Mitwirkung der Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden und des Arbeiterfürforgeamts geschaffen worden, die bestimmte Richtlinien aufgestellt und eine Organisation von Provinzialkassen in ganz Deutschland errichtet hat. In Bayern haben wir solche Provinzialkassen in München, Nürnberg-Fürth, Würzburg und neuerdings auch in Regensburg, die der Hauptstelle angegliedert sind und außerdem eine Grenzstelle in Passau. Die in Weiden und Hof sind wieder aufgelöst worden. Aufgabe dieser Kassen soll es fein, dafür zu sorgen, daß die Wandernden nicht an die nächste Gemeinde, sondern bis zur nächsten Provinzialkasse weitergeschickt und so rascher ihrem Ziele zugeführt werden. Die Hauptstelle hat eine ausgedehnte Kontrolltätigkeit in die Wege geleitet, die Mißbräuche verhindern soll. Die gesamte Einrichtung ist noch im Entstehen begriffen und funktioniert noch nicht vollständig; sie wird auch nie vollständig funktionieren können. Die Wanderarmen lassen sich von uns nicht immer bestimmte Direktiven geben. Wir müssen also damit rechnen, daß die Arbeit lückenhaft bleiben wird; aber wir können immerhin durch die Organisation den Notstand etwas lindern. Wir müssen uns klar darüber sein, daß das Wanderarmenproblem durch solche Mittel nicht gelöst werden kann. Dazu müßte man die Ursache der sozialen Krankheit beseitigen. Das aber geht über unsere Kraft. Die Ausbringung der Mittel für unsere Organisation der Wanderfürsorge dachten wir uns so, daß die Orte, an die keine Durchwanderer mehr kommen sollen, Beiträge an die nächste Provinzialkasse zu leisten haben. Entsprechend einer Anregung, die uns von Fürth gegeben wurde, haben wir verlangt, daß die Gemeinde, die durch die Schaffung der Provinzialkasse entlastet wird, an diese jährlich so viel Mark zahle, als sie Seelen hat. Wir würden dann, wenn dies durchgeführt würde und die Großgemeinden entsprechende Beträge aufbringen, für diese Zwecke in Bayern etwa M. 49 000.— bekommen. Leider hat dieser unser Appell nicht überall Anklang gefunden; die meisten Gemeinden haben sich zögernd und zurückhaltend verhalten. Ich möchte auch von dieser Stelle aus an die Gemeinden des Landes die Bitte richten, die Organisation zu fördern, indem sie ihre Beiträge leisten. Sie handeln damit im eigenen und im allgemeinen Interesse. — Aus Mitteln des Verbandes beantrage ich, für die vier Prooinzialkasien und die Grenzkasse zusammen M. 10 000.— (im Vorjahr M. 9 000.—) zu bewilligen. Ich beantrage ferner für die Hauptstelle der Wanderarmenfürsorge in Berlin wie im letzten Jahr M. 2500.— zur Verfügung zu stellen. Die bisher vorgetragenen Posten stellen die Aufwendungen des Verbandes für Wohlfahrtszwecke im engeren Sinne dar. Hierfür sollen insgesamt M. 57 000.— bewilligt werden. Wir kommen nunmehr zu den sozialen Aufgaben im weiteren Sinne. Hier stehen an der Spitze die Bildungs- und Unterrichtsanstalten. Wir haben in Bayern die Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, die unsere jüdischen Religionslehrer und Volksschullehrer ausbildet. Die Bedeutung dieser Anstalt wird möglicherweise in den nächsten Jahren noch weit über den bisherigen Rahmen hinaus wachsen, da die jüdischen Lehrerseminare im übrigen Deutschland aufgehoben werden und die in Preußen geplanten Akademien sich als Bildungsstätte für den jüdischen Religionslehrer schwerlich eignen werden. Das Lehrerseminar ist bis jetzt schwach finanziert. Es ist genötigt, einen großen Teil seiner Mittel durch freiwillige Spenden aufzubringen. Die Erhaltung der Lehrerbildungsanstalt ist ein öffentliches jüdisches Interesse; aber wir in Bayern können die ganzen Lasten nicht allein tragen. Von dem Gesamtetat des Seminars von 50—60 000 M. schlagen wir vor, M. 20 000.— aus die Rechnung unseres Verbandes zu übernehmen (im letzten Jahre M. 12 000.—). Ähnlich liegen die Dinge bei der Präparandenfchule in Höchberg. Es wurden bisher M. 8000.— bewilligt. Der Rat schlägt vor, diese Zuwendung auf M. 14 000.— zu erhöhen. Auch diese Anstalt hatte ein Budget von M. 50 000.—, wobei allerdings berücksichtigt werden muß, daß der Präparandenfchule eine Bürgerschule angegliedert ist, auf welche ein Teil der Aufwendungen entfällt. Eine an diesem Ort seit langem bestehende Anstalt, die auf große Verdienste zurückblicken kann, ist die Realschule Fürth. Im Vorjahre sind für diese Anstalt M. 7000.— und eine Nachtragsbewilligung von M. 1000.— gewährt worden. Wir schlagen vor, auch dieses Jahr M. 8000.— zu bewilligen. Wir sind uns dabei bewußt, daß die Realschule Fürth mit diesem Zuschuß nicht auskommen kann; aber wir sind der Ansicht, daß hier im großen Umfange ein lokales Interesse besteht, und daß die Kultusgemeinde Fürth in erster Linie für die Erhaltung dieser Anstalt Sorge tragen müßte. Eine weitere jüdische Bildungsanstalt, die für das ganze Land Bedeutung gewonnen hat, ist die Haushaltungsschule in Wolfratshausen. Zu ihrer Errichtung wurden im Vorjahre M. 5000.— gegeben. Ich bitte, für dieses Jahr nochmals M. 2000.— zu genehmigen. Die Schule wird sich in Zukunft wohl in der Hauptsache selbst erhalten können. Aber ein Zuschuß ist vorerst noch nötig zur Deckung der alten Schulden, die bei Gründung der Schule ausgenommen werden mußten. Insgesamt beantrage ich für Bildungsanstalten M. 44 000.—, das sind um M. 11 000.—■ mehr als im Vorjahre. Unter dem Etatposten „sonstige jüdische und kulturelle Zwecke" sind verschiedene Positionen zusammengefaßt. Zunächst bitten wir, für Stipendien M. 8000.— statt M. 6000.— des Vorjahres zu bewilligen. — Zur Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Arbeiten wird ein gleicher Betrag wie im Vorjahr, M. 3000.—, beantragt. — Für Inventarisation jüdischer Kunstaltertümer in Bayern bitten wir M. 6000.— zu genehmigen. —' Für die historischen Arbeiten des Verbandes, über die Herr Rabbiner Dr. Freudenthal berichten wird, M. 10000.—. — Für Fortbildungskurse für Lehrer, soziale Fortbildungskurse und sonstige Lehrkurse werden M. 3000.— beantragt. Lehrerfortbildungskurse sind in den verschiedenen Rabbinatsbezirken eingerichtet. Der hierfür geforderte Betrag soll dazu dienen, die den Lehrern entstehenden Reisekosten zu ersetzen. — Für die Förderung der Jugendvereine bitten wir, einen Betrag von insgesamt M. 1500.— einzusetzen. — Weiter sollen M. 2000.— dem Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten für die Vorbereitung einer jüdischen Siedelung als vorläufiger Beitrag des Verbandes zur Verfügung gestellt werden. — Ferner bitte ich, M. 1000.— für die Förderung der körperlichen Ertüchtigung der Jugend in den Etat einzustellen. — Ich beantrage also insgesamt zu diesem Etatsposten M. 34 500.— zu genehmigen. Wir kommen zu den Beiträgen für Reichsanstalten und Vereine. Solange wir keinen Reichsverband haben, ist es notwendig, daß die Landesverbände in ihrem Budget Beiträge für solche Einrichtungen gewähren, die außerhalb des Landes ihren Sitz haben, ihren Wirkungskreis aber auch auf Bayern erstrecken. Bis jetzt wenden sich diese Anstalten zumeist an die einzelnen Gemeinden und bekommen von diesen Zuwendungen. Wir haben diesbezüglich eine Enquete unter den Gemeinden des Landes unternommen, die noch nicht abgeschlossen ist. Es besteht die Absicht, daß der Verband hier die Gemeinden, auch die Großgemeinden, entlastet, indem er die Beiträge an die „Reichsanstalten" für das ganze Land übernimmt, und zwar vorerst solange, als ein Reichsverband nicht besteht. Für das laufende Jahr kann das noch nicht geschehen.— Zunächst schlagen wir vor, zu bewilligen wie im Vorjahr für die drei Rabbinerseminare je M. 1000.—, für die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums M.500.—, für die Akademie für die Wissenschaft des Judentums M. 500.—, für die vier Anstalten des Deutsch-Israelitischen Gemein de bundes M. 2000.—; ferner als neue Bewilligung für den Jüdischen Frauenbund in Berlin M. 500.— für das Pro-Falascha- Komitee M. 1000.—, für Zuwendungen an sonstige Organisationen M. 400.—. Die für das Pro-Falascha-Komitee eingesetzten M. 1000.— sollen für die Erziehung eines Falafcha-Zöglings in Bayern verwendet werden. Es ergibt dies zusammen für diese Position M. 7900.— und damit einen Gesamtetatposten von M. 143 400.—. ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt dankt IR. Dr. Straus für das erstattete Referat. Engel (Würzburg) bittet jetzt den Debatterednern das Wort zu erteilen. ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt schlägt dagegen vor, zuerst Dr. Freudenthal sprechen zu lassen. Es erhebt sich kein Widerspruch. Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg): Meine Damen und Herren! Gestatten Sie, daß ich Sie für einige Augenblicke aus

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