Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 5 (23.5.1927)
- Article
- Hebräische Büchereien im Gebiete des heutigen Bayern
- Date
- 1927-05-23
- Page
- Seite 138 (sequence 6)
- Language
- German
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138 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 5 WMMWMMW * - iw / Mrw rxwr£.^ *«ro tti Vnjmacn nfeao / ir» väo^jr'i -jorcn ne© uoi wau t&v ’öano ooi p^ya 31^301 nnao 5aai p'm.ntoi _ Abb. Nr. 7. Titelblatt der Erstausgabe der Responsen des Maimonides, Konstantinopel ca. 1520. Eigentum der Münchener Universitätsbibliothek (2° 8er. hebr. 7). durch den Buchdruck man sich bis ins 17. Jahrhundert hinein nicht gewöhnen konnte. Wie eS heute noch Leute gibt, die keine Schreibmaschine benützen wollen, so vermißte damals die gelehrte Welt bei einem Druck die persönliche, individuelle Note, die die Handschrift auszeichnet. Ja man schrieb sogar bereits im Druck erschienene Werke ab und auch Widmanftetter besaß solch späte, zum Teil für ihn angefertigte Handschriften. Daß Widmanftetter seine hebräischen Bücher auch benutzte, zeigen uns trotz des Fehlens von Gebrauchsspuren hie und da eingestreute Randbemerkungen von seiner Hand. Auch sein Exemplar der Erstausgabe der Responsen des Maimonides, die in Konstantinopel zwischen 1520 und 1540 gedruckt wurden, enthält eine gegen eine judengegnerische Behauptung Luthers gerichtete Randglosse Widmanftetters. Das Titelblatt des jetzt der Münchener Universitätsbibliothek gehörigen Exemplars ist in Abb. Nr. 7 wiedergegeben, während Abb. Nr. 8 das Titelblatt der ersten uns bekannten jüdisch-deutschen, von der Lutherschen unabhängigen Pentateuchübersetzung zeigt, die von dem Konvertiten Paulus AemiliuS herausgegeben wurde und im Jahre 1544 in Augsburg oder Isny erschien. Die Reichhaltigkeit der hebräischen Bücherfammlung Widmanstetters, der neben seinen hebräischen Büchern natürlich noch eine viel größere Zahl lateinischer, griechischer, deutscher und nichthebräischer orientalischer Bücher besaß, war für die damalige Zeit unerhört. Georg Viceelius berichtet uns, daß er schon beim Einblick in den Katalog — es war dies ungefähr im Jahre 1541, als die Bibliothek noch lange nicht ausgebaut war — vor Verwunderung habe aufschreien müssen. Auch Christof Mandel in der Vorrede zu der „Rechnung der 70 Wochen Danielis", Dillingen 1552, erzählt von Widmanftetters „Librarey", daß er eine „mit so viel schönen, trefflichen kabbalistischen und anderen hebräischen Büchern gezierete und geschmückte Bücherei niemals gesehen habe." Auf deutschem Sprachgebiet hatte jedenfalls, wie der Münchener Oberbibliothekar Dr. Otto Hartig, der die Geschichte der Gründung der Münchener Staatsbibliothek bearbeitet hat, feftstellt, die Widmanstettersche Bibliothek an Reichhaltigkeit orientalischer, vorzugsweise hebräischer Literatur, nicht ihresgleichen. Trotz allem hätte es ein bis heute nicht ausfindig gemachter Gutachter, der zwar wenig Kenntnisse, aber desto mehr Einfluß gehabt zu haben scheint, beinahe zuwege gebracht, daß die Widmanftettersche Bibliothek nach dem Tode ihres Besitzers vernachlässigt worden wäre. Widmanftetter hinterließ nämlich drei Töchter, die nicht in besten Verhältnissen lebten und bald an den Verkauf der Bücher Herangehen wollten. Herzog Albrecht V. von Bayern hatte zwar, wie ein ihm nahestehender Zeitgenosse berichtet, das Bestreben, es anderen Potentaten, dem Papste, dem Könige von Frankreich, den Mediceern, die berühmte Bibliotheken ihr eigen nannten, gleichzutun und hatte daher zunächst großes Interesse an der Hinterlassenschaft Widmanftetters. Allein es wurde von „vertrauenswürdiger Seite" berichtet, daß das Kaufobjekt den Erwartungen nicht entspreche. Die Bibliothek wird als ein großer, aber ohne Geschmack zu- IP ’Piü» V’T^3in'7,3fO®pll 07 fli^ro'tsrfrnprn-j nrnwönnnsTioÄ!EDV&>\TOt7!3 Tiestylff Bücher Wo fe/auFöem kSedrsilchen von wpn jfi tv ott/nach bcrvttzigrn Jatxn artritm öie Lrürsch Sprach gcbiachk/vn doch m lk H«dral' schcn düchstaben garmkr/aU-rdingwi« dirIn dcn fr durch« gaNyJar in dicwochai aaftat- Un/mitfamptbmCapitkn/auPdlmptopfyc tat av^y»gcn/w»Ich< fr darzü Danen. ' . tuZtobbfai&cbbiimto ta baAMm watnmaBbtc&ßouvom&xmAabctoBat. - 10 - J\Vaert-t (T.V«An-yi MD mm mm 'iSpÄ-acS-;* H“ MM Abb. Nr. 8. Eine in Augsburg oder Isny i. I. 1544 erschienene jüdisch-deutsche Pentateuchübersetzung. Eigentum der Bayer. Staatsbibliothek (2» A. hebr. 9).