Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 4 (15.4.1927)
- Article
- Bericht über die Verhandlungen der 5. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden am 13. und 14. März 1927 in Fürth
- Date
- 1927-04-15
- Page
- Seite 107 (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 107 treffende Teil dieser Beiträge wird vom Verband durch monatliche Abzüge an den Gehaltszuschüssen erhoben. Es besteht Anlaß, die Gemeinden darauf hinzuweisen, daß dieser Abzug ein Teil des von ihnen zu leistenden Beamtengehaltes ist und daß sie diesen Betrag an die Beamten abführen müssen. In den Verhandlungen mit dem Versorgungsverband wurde erreicht, daß einer Reihe von Beamten im Ruhestand oder ihren Hinterbliebenen, die bisher keine Versorgungsansprüche hatten und teilweise nur Sustentationen durch unseren Verband erhielten, Pensionsrechte zuerkannt wurden. Dies geschah teilweise mit rückwirkender Kraft, so daß Nachzahlungen von insgesamt A 6000.— bis A 7000.— an solche Versorgungsberechtigte ausbezahlt wurden. Nach dem Stand vom Februar dieses Jahres erhalten 51 Gemeinden ständigen Zuschuß des Verbandes zu den Besoldungen ihrer Beamten, nämlich 42 Gemeinden 50 Prozent, 6 Gemeinden unter 50 Prozent, 1 Gemeinde mehr als 50 Prozent, 2 Gemeinden feste Summen ohne prozentuale Grundlage. Von unserer Verbandskasse!, also nicht vom Bayer. Versorgungsverband, werden ausbezahlt: Ruhegehälter an 10 pensionierte Lehrer und Beamte, Witwengelder an 12 Beamtenwitwen, darunter an 2 Rabbinerwitwen, und entsprechende Waisengelder. In geringem Umfang gewährt der Verband Unterhaltsbesträge (Sustentationen) in Fällen, in denen rechtliche Versorgungsansprüche nicht gegeben sind. Von den 15 Rabbinatsbezirten in Bayern rechts des Rheins (ohne München und Nürnberg), erhielten 6 Bezirke Zuschüsse in der Höhe von 20—75 Prozent der jeweiligen Besoldung des Rabbiners. Zu den regelmäßigen Zuwendungen an die Gemeinden gehören auch die Zuschüsse für die Kosten des Religionsunterrichts. Bauzuschüsse erhielten im vergangenen Jahre 30 Gemeinden. Hervorzuheben sind hier Aufwendungen für die Gemeinde Scheinfeld mit A 3000.— Zuschuß und JC 2000.— Darlehen zur Reparatur de>r Synagoge, die im Jahre 1651 erbaut wurde und wohl zu den ältesten Synagogen des Landes zu zählen ist. Für Darlehen wurden A 58 000.— verausgabt. Die Rückzahlungen betrugen JC 18 000.—. Nach dem Stand vom 31. Dezember 1926 beträgt das Guthaben des Verbandes an Darlehen JC 64 000.—. Ich möchte hervorheben, daß der Verband nur dann in der Lage ist, Darlehen weiter zu gewähren, wenn er auf pünktliche Rückzahlung rechnen kann. In dieser Richtung verfügen wir ebenso über gute wie auch über schlechte Erfahrungen.- Nahezu verdoppelt wurden die Aufwendungen des Verbandes gegenüber dem Jahre 1925 für soziale und kulturelle Zwecke. Sie betrugen im Berichtsjahr rund JC 100 000.—. Sie wurden zugeführt der Waisenanstalt Fürth, der Kinderheilstätte Bad Kissingen, dem Landheim Wolfratshausen, dem Kurhospiz Bad Kissingen, das nunmehr ein prächtiges neues Heim erworben hat, zu dem wir herzlich gratulieren, dem Landessiechenheim Würzburg. Es ist dies die erste von dem Verband selbst betriebene Anstalt. Wir haben uns davon überzeugt, daß die Anstalt ausgezeichnet geführt wird. Es wurden 19 Personen ausgenommen. Die Insassen sind glücklich und zufrieden. Die Anstalt hat nur einen Fehler; sie ist zu teuer. Wir werden uns bemühen, auch hier Abhilfe zu schaffen; dem Fürsorgeverein für Geisteskranke in Aschaffenburg-Lohr, der Lehrerbildungsanstalt Würzburg, der Präparandenschule Höchberg, der Israel. Realschule Fürth, der Haushaltungsschule Wolfratshausen, dann für Zwecke außerhalb Bayerns: den drei Rabbinerseminaren, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, zahlreichen kleineren Vereinen und Gesellschaften, die sich der Pflege jüdischer kultureller Aufgaben widmen. Wir leisteten auch einen Beitrag für die „Gesolei" in Düsseldorf. Besondere Freude bereitete uns die Förderung jüdischer Künstler und Gelehrter, die sie in den Stand setzte, monumentale für die Allgemeinheit bedeutsame Werke zum Abschluß zu bringen. Gegenstand unserer eingehenden Fürsorge war das Wanderarmenwesen mit den Provinzialkassen in München, Fürth und Würzburg und der Grenzstelle in Passau. Die Grenzstellen in Weiden und Hof wurden aufgehoben, eine neue Provinzialkasse in Regensburg errichtet. Im Wohlfahrtsamt des Verbandes, das dem Wohlfahrtsamt der Kultusgemeinde München angegliedert ist, wurden etwa 100 Fälle behandelt. Neu hinzugetreten sind die Aufwendungen für die Inventarisation jüdischer Kunstaltertümer in Bayern. Wir freuen uns nunmehr in steigendem Maße ideellen Zwecken unsere Aufmerksamkeit zuwenden zu können. Zeugnis ist die Gründung der historirischen Kommission des Verbandes unter der Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal, deren Arbeiten bestimmt sind, die Freude und Teilnahme zu wecken an den kulturellen Leistungen unserer Vorfahren und ihrem wechselvollen Schicksal, aber auch die enge Verbundenheit aufzuzeigen, die seit mehr als 1000 Jahren zwischen der israelitischen Bevölkerung und den bayerischen Landesteilen besteht. Unser Grundsatz bei der Verwaltung des Verbandes ist der, die ja unerläßliche Arbeit vom grünen Tisch auf das notwendigste zu beschränken, die Organisation des Verbandes mit warmem pulsierendem Leben zu erfüllen und enge persönliche Beziehungen auch zur kleinsten Gemeinde herzustellen. Jede Gemeinde in Bayern soll wissen, daß sie als wertvolles Glied in dem Ganzen unserer religiösen Gemeinschaft erscheint, daß wir an ihren Sorgen und Nöten auch inneren Anteil nehmen und daß sie mit diesen Sorgen bei uns ihre Zuflucht hat. Diesem Zwecke dienen die Verhandlungen unserer Bezirksausschüsse, die Reisen unserer Baureferenten, die vermittelnde Tätigkeit der Bezirksrabbiner und soweit dies nur möglich ist, auch das unmittelbare Eingreifen der Verbandsleilung. Wir sind an die Grenzen des Landes gekommen und haben Verbindungen mit den Gemeinden wieder ausgenommen, die auf ein totes Geleise gekommen waren und im Bureauwege nicht wieder hergestellt werden konnten. Wir haben Gemeinden besucht, die führerlos waren und keinen Vorstand mehr hatten; wir haben an Ort und Stelle die Energien geweckt und den Gemeinden eine Verwaltung gegeben. Wir haben an einem Tage 4 Gemeindeversammlungen besucht und bewirkt, daß Gemeinden nach jahrelangem Hader sich behufs Anstellung eines gemeinschaftlichen Lehrers und Kultusbeamten zu einem Zweckoerband zusammenschlossen. Ich penne in dieser Richtung auch unsere, Schiedsgerichte, die Fälle geradezu verzweifelter Art einer gütlichen Lösung entgegengesührt haben. Ich möchte Herrn Kollegen Jung und seinen Beisitzern den besonderen Dank des Verbandes sagen, daß es ihnen in mühsamer Arbeit gelungen ist, einen der schwierigsten, die Allgemeinheit beschäftigenden Fälle in befriedigender Weise zu Ende zu führen. In der Richtung der Durchdringung des Landes mit den Gedanken und der Arbeit des Verbandes und im Interesse der persönlichen Verbindung mit den wertvollsten Gliedern unserer Gemeinden liegen insbesondere auch die von Herrn Kollegen Straus meisterhaft organisierten Bezirks-Wohlfahrtstagungen. Es wird mir erzählt, daß diese Tagungen mit einem wahren Hunger ausgenommen worden sind. Die Ergebnisse, und Erfahrungen auf dem Gebiete moderner Wohlfahrtspflege werden den -Beteiligten hier von sachkundiger Seite mitgeteilt. Sie hören von der neuen Fürsorgepflichtverordnung und der durch sie herbeigeführten Zentralisation der Fürsorge, sie verlieren die Scheu vor der Jnanspruch- FürPessach! Ein prächtiges Geschenkwerk mit 300 Bildern, gebunden M. 20.— Zu beziehen durch die „EWER“- _ BUCHHANDLUNG, Ottostr. 2, oder durch die Expedition des Blattes VERLAG B. HELLER, Herzog- Max-Straße 4. Das Werk kann auch gegen bequeme Ratenzahlung bezogen werden.