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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-04-15 · 4 (15.4.1927) · p. Seite 106

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
4 (15.4.1927)
Article
Bericht über die Verhandlungen der 5. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden am 13. und 14. März 1927 in Fürth
Date
1927-04-15
Page
Seite 106 (sequence 7)
Language
German
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106 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 der Arbeit, die selbst das Alter noch mit jugendlicher Frische, mit rüstiger Elastizität kränzt und krönt, sie hat dem Leben den Adel seines Inhalts, die Weite des schöpferischen Geistes, den Stolz des froh geschauten, werktätigen Zieles, den Elan, der im harten Ringen erkämpften festen Weltanschauung gegeben, die gegen die Gefahr der Erstarrung im Widerstreit der Welt und ihrer sich wandelnden Geistesströmungen sich zu behaupten, sich durchzusetzen weiß. Aus dieser Erfassung des Dienstes des Tages, der Aufgabe des Lebens, erwächst als Krönung unseres Strebens, das nicht mit dem Hauch unseres flüchtigen Wandels verweht, der Dienst am Menschen, der Dienst am Nächsten, der alle Irrungen der Eigensucht überwindet, überhöht. Er hat aus den tiefsten Neigungen des Menschenherzens schöpfend, die Liebe als den beherrschenden Zug wie eine zarte Blüte in die schnell verwehenden Spuren unseres Daseins eingepflanzt, die aus der natürlichen Stille des Familienkreises ihren Weg nimmt, ihr festes und einigendes Band um die Gemeinschaft schlingt. Die Liebe aber, die erfinderisch genug ist, um durch ihre Werke edler, schöpferischer Tat die Wunden de>r Zeit zu heilen, um die Müden und Beladenen zu entbürden, um das Sehnen nach den edlen geistigen Gaben des Lebens zu stillen, sie vollbringt die vornehmste Pflicht des Bürgers, indem sie im großen und im kleinen sich sorgt um die Wohlfahrt der Gesamtheit, um das Glück und den Aufstieg des großen gemeinsamen Vaterlandes, das sie aus den Tiefen schicksalhaften Unglücks zu dm Höhen neuen Ruhms, neuen Ansehens emporführen will, denn die Stätte der Heimat ist uns durch Geschichte, durch Erinnerung, durch die Gemeinsamkeit des Glücks und des Leids dreifach geweiht und geheiligt. Von diesem Geiste >er Gemeinschaft, der in unserer Mitte lebt, mögen die Verhandlungen dieser Tagung lebendiges Zeugnis oblegen. Möge der Geist des Segens unseres Gottes aus ihnen ruhen. Möge der Geist unserer heiligen Religion und die Freude an der schöpferischen Tat, und die tief wurzelnde Liebe zur Gemeinschaft ihre Gedanken beflügeln und ihren Willen Schwingen leihen und dieser Tagung den Segen erwirken, der dem biblischen Sänger vorschwebt in dem Worte: „Denn bei dir o Gott ist der Quell des Lebens, in deinem Lichte schauen wir Licht!" ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt: Tief bewegt stehen wir unter dem Eindruck der Rede unseres hochverehrten Herrn Rabbiners. Wir danken Herrn Rabbiner Dr. Behrens für feine weihevollen Worte und ich bitte Sie die von ihm betonten Gedanken bei unseren Verhandlungen ganz besonders zu beherzigen, damit die von ihm und den übrigen Herren ausgesprochenen Wünsche für einen gedeihlichen Verlaus der Tagung in Erfüllung gehen. Wenn er in seinen letzten Worten dem Wunsche Ausdruck gegeben hat, der Geist der Liebe, der Gemeinschaft und der schöpferischen Tat möge über den Verhandlungen walten, so kann ich zur Erfüllung dieses Wunsches nicht besser beitragen, als wenn ich das Wort dem gebe, der die Verkörperung der von Gemeinschaftssinn und Liebe getragenen schöpferischen Tat in unserem Kreise ist. Ich gebe das Wort unserem allverehrten Präsidenten, Herrn OLGR. Dr. Neumeyer. Meine Damen und Herren! Es ist uns eine besondere Freude, die Tagungen unseres Verbandes abwechselnd in den Mittelpunkten des jüdischen Lebens in Bayern abzuhalten. So sind wir von der rebenumkränzten Stadt des sonnigen Maingaues in die alte Reichsstadt des Südens gelangt. Wir haben unsere Augsburger Verfassung bekommen und unser Augsburger Bekenntnis abgelegt in Erinnerung an die weltgeschichtliche Auseinandersetzung, an die Befriedung der Bekenntnisse in jener Stadt. Ich darf an jene Zeit anknüpfen nicht in dem ttefen Sinn des Augsburger Religionsfriedens, sondern mehr äußerlich an ein Vorkommnis, das sich in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Augsburg zugetragen hat, auf dem Reichstag 1548, dem sogenannten Augsburger Interim. Es war die Zeit der glänzenden Hofhaltung Kaiser Karls des Fünften, als Tizian den Kaiser in Augsburg malte. Damals zeigte sich auf dem Reichstag ein Jude Michel v. Dornberg, ansässig seit 1538 in Fürth. Die Chronik berichtet, daß er durch seine stattliche Erscheinung, seine selbstbewußte, imponierende Persönlichkeit und die Pracht seines Auftretens manchen deutschen Fürsten überstrahlte. Blitzartig wirft dies an sich herzlich unbedeutende Vorkommnis ein Licht auf die Stellung der Fürther Juden in der beginnenden Neuzeit. Sie waren ein Mittelpunkt jüdischer Kultur und jüdischen Wohlstandes und so sind sie es geblieben bis auf den heutigen Tag. Berühmte Rabbiner- und Gelehrtenschulen, ganze Geschlechter hervorragender Männer der Gotteslehre -und Wissenschaft sind hier herangewachsen, Ärzte von Weltruf, Apotheker, Rechtsgelehrte, Buchdrucker mit weithin reichenden Namen, Buchhändler, Bankiers und andere Gewerbetreibende. Was aber der Gemeinde ein so besonderes Gepräge gegeben hat, das waren die zahlreichen Mäzene, Männer, die große Summen im Dienste der menschlichen Kultur, insbesondere auch zur Herstellung von bedeutenden Druckwerken aufwendeten und so ihre Gemeinde und ihre Stadt in der Welt berühmt machten. Im 18. Jahrhundert werden allein 17 solche Mäzene gezählt. Und dieser wahrhaft schöne Zug dyr Förderung menschlicher Kultur ist zum unverwischbaren Charakter der jüdischen Gemeinde Fürth geworden. Noch heute erzählen prächtige Stiftungen von dem Gemeinsinn und dem opferwilligen Verhalten seiner Mitbürger, die in dem Stolz und in der Blüte ihrer Stadt und des bayerischen Landes ihren Stolz und ihre Ehre erblicken und dieser Bau hier, in dem wir tagen, kündet den Namen seines Schöpfers. Aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich möchte nicht, daß mich der Herr Präsident zur Ordnung ruft, weil ich vom Thema abschweise und liebgewonnenen Gedanken nachhänge. Ich muß Ihnen meinen Bericht erstatten. Er wird nicht solange dauern, denn er ist nach der wirtschaftlichen Seite befriedigend. Wir dürfen nicht allzu viel davon sagen, sonst wird die Lust geweckt und geht uns, wie es uns mit einer harmlosen Notiz in unserer Zeitung gegangen ist. Wir haben eine Frist zur Einreichung der Gesuche gesteckt und.die Gesuche sind wie die Pilze aus der Erde geschossen. Also ich will mehr im Sinne unseres verehrten Herrn Schatzmeisters sprechen. Wir stehen erst am Beginn unserer Entwicklung, haben so wenig wie die Gemeinden ein fundiertes Vermögen und können die Steuerschraube nicht stärker anziehen, müssen vielmehr darauf bedacht sein, wenigstens bei den örtlichen Umlagen eine, wenn auch nur geringe Erleichterung eintreten zu lassen und für den Verband eine kleine Reserve zu schaffen, um gegen Rückschläge in den Steuerejngängen gesichert zu sein. ' Die Ziffern, die ich Ihnen nunmehr geben will, betreffen in der Hauptsache das rechtsrheinische Bayern. Die Einnahmen des Jahres 1926 betrugen rund J( 320 000.— gegen A 271 000.— des Vorjahres. Hiervon entfallen auf München rund 32 Prozent auf Nürnberg 24 Prozent, Fürth 12 Prozent und Augsburg 6 Prozent. Die Erhebung der Verbandsumlagen durch die Finanzämter ist noch nicht in völlig befriedigender Weise durchgesührt. Eine Reihe von Finanzämtern, in deren Bezirk sich Verbandsgemeinden befinden, haben Umlagen nicht abgeliefert. Von einigen Finanzämtern sind erst in der letzten Zeit Umlagen für das Rechnungsjahr 1925 eingegangen. Wir werden das erforderliche hier veranlassen. Da die Finanzämter allmählich auch Abrechnungen einschicken, aus denen sowohl das Steuersoll, als auch die wirklichen Eingänge und Rückstände ersichtlich sind, wird sich im Laufe der nächsten Jahre ein Bild von der Ste,uerkraft der israelitischen Bevölkerung in Bayern gewinnen lassen. Die Kreissteuerstellen haben mit Ausnahme von Nürnberg und Fürth, die ihre selbständige Steuerverwaltung haben, ihre Tätigkeit im wesentlichen beendet. Die ihnen wester noch zusallende Aufgabe, die Erhebung der Verbandsumlagen aus Lohnsteuern, wurde bisher nicht in Angriff genommen. Soweit wir dies übersehen können, wurden Lohnsteuern bisher nur in München, Würzburg, Augsburg, Regensburg und Koburg erhoben. Der Staatszuschuß betrug wie. im Vorjahre J( 60 000.—, wovon nach Abzug des Verwaltungskosten-Beitrages Ä 7500.— auf den Pfälzer Verband entfielen. Hierzu kann festgestellt werden, daß der Gesamtaufwand des israelitischen Bekenntnisses in Bayern, also der Aufwand der Gemeinden und des Verbandes, mehr als 2 Millionen Mark ausmacht. Die Ausgaben des Verbandes für Besoldungszuschüsse und ähnliche Aufwendungen einschließlich der Zahlungen an den Bayerischen Versorgungsverband betrugen für das Berichtsjahr rund Ä 161000.— gegenüber A 123 000.— im Vorjahre. Die Steigerung ist wesentlich bedingt durch die Übernahme der Auszahlung der Ruhegehälter auf die Verbandskasse. Nach den Beschlüssen der Augsburger Tagung hat nämlich der Verband den gesamte>n Verkehr, insbesondere das Abrechnungswesen, mit dem Versorgungsverband übernommen und so eine bedeutende Erleichterung für die Zuschußgemeinden herbeigeführt, die insbesondere auch dadurch wesentlich entlastet sind, daß der Verband dem prozentualen Verhältnis seiner Zuschüsse entsprechend auch die Beiträge zum Versorgungsverband aus eigenen Mitteln leistet. Der die Gemeinden

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