Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (8.3.1927)
- Article
- Aus der Geschichte der israelitischen Kultusgemeinde Fürth
- Date
- 1927-03-08
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 61 diesem Kreise angehört, von besonderer Wichtigkeit. Nahe verwandtschaftliche Beziehungen fesselten ihn an Fürth und seine vornehmsten Familien. Von 1700— 1708 war er Oberrabbiner von Fürth. Er war gleichzeitig Oberrabbiner von Schnaittach und Ansbach und damit das geistige Oberhaupt von mehr als hundert Gemeinden. Er stiftete die Klaus-Synagoge in Fürth, die er glänzend ausstattete. Mit der Synagoge war ein Lehrhaus, Beth-Hamidrasch verbunden, in dem Tag und Nacht das Thorastudium gepflegt wurde. Das einschlägige Testament wurde am 17. Kislev (11. Dezember) 1707 errichtet. Die Familie Frankel hat das Wiener Memorbuch mit nach Fürth gebracht, würdig, im Jahre 1633 angelegt, mit sorgfältiger Schrift und prunkthafter Ausführung ausgeftattet, wurde mit reichvergoldeten und versilberten Initialen und Überschriften versehen. Die Einträge für Wien datieren von 1633— 1670. In Fürth beginnen die Einträge Ende 1691 und sind bis Pesach 1921 fortgeführt. Berühmt ist die zweite Frau des Rabbi Josef Steinhart, der in Fürth von 1764—1776 Rabbiner war. Es ist die bekannte Rabbizin Kröndel, Tochter des H. Löw (Berlin), Schwester des R. Jesaja (Berlin). Sie war eine gottesfürchtige, geistreiche und gelehrte Frau, die von ihrem Gatten sehr verehrt wurde. Überraschende Erklärungen zu Midrasch und S§gl|!|p Aus: Alt-Fürth: Israelitischer Schulhof mit Blick auf das in Fürth weitergeführt wurde (siehe Bild S. 64). —Neben der Klaussynagoge bestanden noch folgende Synagogen nächst der Hauptsynagoge und der Neuschul. 1. Die Synagoge der Waisenschule, 2. die Mannheimer Schule, 3. die Gabriel- Schul, 4. die Talmudschule des Oberrabbiners, 5. die Synagoge des Hekdesch (Spitalsynagoge). Neben den offiziellen Gemeindesynagogen Altschul und Neuschul waren die Privatsynagogen für den Gottesdienst besonders privilegiert. Überaus bedeutsam wie in keiner Gemeinde, waren die Memorbücher, neben dem hochinteressanten Memorbuch der Klaus, das Künstlerisch hervorragt, sind die Memorbücher der Altschul, der Neuschul, der Waisenschul und der Mannheimerfchul, die sich übrigens ergänzen, aufschlußreich für die Familiengeschichte Fürths. Das Memorbuch der Klaus, der Gemeinde Wien den Turm der Michaelskirche. Phot.: Dr. Karl Gröber. Pijjut werden in ihrem Namen zitiert. Sie starb am 30. Mai — 1. Siwan 1775. In Fürth erfuhren die Juden Freiheiten und Bevorzugungen, die im 17. und 18. Jahrhundert unerhört waren. Nicht bloß, daß sie an allen Gerechtsamen der Ortsgemeinde Teil hatten, sie besaßen neben dem Niederlassungsrecht auch aktives und passives Wahlrecht zum Amte des Ortsbürgermeisters und dursten 2 jüdische Deputierte in die christliche Gemeindeverwaltung schicken. Sie hatten die Entscheidung in allen Zivilrechtssachen zwischen Juden, die Verwaltung der fteiwilligen Gerichtsbarkeit untereinander und die Ausübung des Polizei- und Straftechts gegen Ungehorsames, und die christliche Obrigkeit war verpflichtet, ihnen auf Antrag Rechtshilfe zu leisten. Völlig unbeschränkt waren sie in der fteien Religionsübung,