Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 3 (8.3.1927)
- Article
- Aus der Geschichte der israelitischen Kultusgemeinde Fürth
- Date
- 1927-03-08
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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60 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 gefallenen Söhne unserer Gemeinde. Am Sonntag, den 10. Juni 1923 wurde das Denkmal unter Teilnahme weiter Kreise der Gemeinde, der Stadt, der Kultusverwaltung, der Behörden, zahlreicher militärischer Vereine und der Geistlichkeit der christlichen Konfessionen, feierlich eingeweiht. Wie die Erinnerung an den Weltkrieg dem Friedhof eine besondere geschichtliche Weihe erteilt, so umschließt der alte und berühmte Friedhof in ganz unvergleichlicher Weise die geschichtlichen Erinnerungen unserer Gemeinde. Zahllose Geschlechter, deren Namen noch weit in die Gegenwart hineinragen, haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Hier ruhen aus langen Jahrhunderten, Bereits im Jahre 1617 wurde in Fürth die Hauptsynagoge (Altschul) - siehe Bild Seite 61 — eingeweiht. Sie fand ihren Platz auf dem Schulhof, nächst der Königftraße, dem alten Mittelpunkt der Gemeinde, die in den umliegenden und benachbarten Straßen ihre Wohnung aufgeschlagen hatte. Im Jahre 1692 wurde sie wesentlich umgebaut. Am 7. September 1831 fand die feierliche Einweihung der neureftaurierten Synagoge Lurch Oberrabiner Dr. Löwy statt, der am 21. März 1831 feierlich in sein Amt eingeführt worden war, und die Reihe der neuen Gemeinderabbiner eröffnet. Im Jahre 1865 wurde sie vergrößert und am 15. und 16. September eingeweiht, zuletzt Der Marienplatz in Fürth. Phot.: Heinrich Lotter. rie Persönlichkeiten, die Fürth Ruhm und Ansehen verliehen haben in der Welt, in der Welt der jüdischen Gelehrsamkeit und des frommen Wandels zumal, der untrennbar ist von den Werken der Menschlichkeit und der werktätigen Nächstenliebe. Die alte Gemeinde Fürth, vorbildlich in der Pflege der Religion und der gelehrten religiösen Studien, hat eine große Reihe hochberühmter Namen unter ihren Rabbinen aufzuweisen. Von 1607 —1830, von Simson ben Josef, nur bekannt durch eine von ihm zu einem Psalmenkommentar ausgestellte Approbation, Hanau 1616 — bis zum Abschluß der Tätigkeit des Rabbi Wolf (Hamburg), der von 1820—1830 die Talmudhochschule als letzter Direktor geleitet hat, und erst am 15. Mai 1850 gestorben ist, lauft eine ununterbrochene Kette, die nur in den Jahren 1632 — 57 — unter den Stürmen des Dreißigjährigen Krieges, eine Lücke auszuweisen hat. wurde sie im Winter 1924/25 im Innern einer gründlichen Renovation unterzogen und mit Zentralheizung versehen. Am Passahfefte 1925 wurde sie feierlich wieder ihrer Bestimmung übergeben. Durch die Einführung des Gebetbuches der Gemeinde Nürnberg erhielt der Gottesdienst seine jetzige Gestalt. Die Gemeinde Fürth war bereits am Ende des 17. Jahrhunderts, als die Domprobftei Bamberg endgültig die weltlichen Hoheitsrechte am Orte ausüben sollte, bis auf etwa 450 Familien, einschließlich der AnSbachschen Untertanen, gestiegen. Einen außerordentlichen Zuwachs an Zahl, Reichtum und Intelligenz erfuhr die aufblühende Gemeinde um das Jahr 1670, als ein Teil der Wiener Exulanten, hier ein Zufluchtsstätte suchten und fanden. Damit erhielt die Gemeinde einen besonders bedeutsamen Einschlag. Für die Geschichte Fürths ist die hervorragende Persönlichkeit des R. Bärmann Frankel, der