Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-02-09 · 2 (9.2.1927) · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
2 (9.2.1927)
Article
James Bieberkraut, der Maler und Radierer
Date
1927-02-09
Page
Seite 34 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2727810-2727836-2727839-2730804--01696-2730912
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

34 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 James Bieberkraut, München * „Abendstimmung am Laachersee" zu betrachten. Was mag der Sohn vom Vater an eigener Starke geerbt haben? Diese Darstellung eines charaktervollen Menschen ist ein Akt des Dankes an die Liebe des Vaters. Ein Modell sitzt ihm zur Arbeit; plötzlich erkennt er an dem Mädchen den Kontrast von Kleidung und Hintergrund mit der Zartheit des jungfräulichen Gesichtes. Es ist wie eine Übersetzung des landschaftlichen Gedankens im ersten Bild in die Arbeit des PorträtierenS. Jede Landschaft hat ihre Seele; der Künstler soll sie uns herausarbeiten. Wenn er aber das materielle Bild der Landschaft dabei nicht verzerren will, wie dies mitunter an modernen James Bieberkraut „©ßf WlNtßr" München Bildern, auch großer Meister, geschieht, so muß er die Nuance beherrschen. Jeder Baum, jeder Zweig ist mit Bewußtsein haarscharf auf die Stelle gesetzt, die ohne ihn leer sein müßte. Jede Tönung, und gerade die zarte Aquatinta-Tönung, die eine Radierung ermöglicht, ist auf den seelischen Gehalt der Landschaft abgestimmt. Diese Überlegungen nötigen den Landschafter zur Pflege der Radierung. Auch hier im wesentlichen Autodidakt, hat es Bieberkraut zu dem meisterhaften Bilde der „Abendstimmung am Laachersee" gebracht. Die Zartheit der Farbentöne, mit japanischen Aquarellen und Farbenholzschnitten wetteifernd, kann auch hier die Reproduktion nicht zeigen. Wohl aber erkennen wir die Elegie des Abendftiedens, die Wirkung, die von den im Vordergründe ragenden Bäumen ins Ferne zeigt. Trotzdem die Bäume wie selbstverständlich in der Landschaft stehen, erkennen wir an der Wahl des Sujets dieselben Stilisierungöversuche wie im ersten Bild. Das fünfte Bild, „Der Winter", ist stärker aufs Realistische gestellt wie die bisher besprochenen Landschaften. Die Härte des Winters wird durch den Aufeinanderprall der Ge- James Bieberkraut München „Exlibris" mss gensätze Licht und Schatten scharf hervorgehoben. Ganz vorzüglich ist die lastende Schwere gezeigt, mit welcher der Schnee die Fichten drückt. Mit scharfer Silhuette schneiden die Höhenzüge des Leutaschtales in den stahlblauen Himmel. Wer die Radierung so beherrscht, kommt auch zu anderen Problemen: zur Gebrauchsgraphik. Die Schwierigkeit liegt James Bieberkraut „©JÜbriö" München JA Mg S 91 PB E RKRAtT^ im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.