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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-01-07 · 1 (7.1.1927) · p. Seite 4

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
1 (7.1.1927)
Article
Über jüdische Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern
Date
1927-01-07
Page
Seite 4 (sequence 2)
Language
German
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4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 nimmt die Zahl der jüdischen Einwohner zu; am 5. November 1794 werden 322 Seelen gezählt. In die Zeit des 18. Jahrhunderts fallen naturgemäß auch sonstige Zeugen der ehemaligen Größe, vor allem der Bau derSynagoge. Blick auf Harburg a. d Wörnitz von Nordosten 1" Synagoge Diese ist in ihrer äußeren Gestalt zu den stattlichsten Gebäuden des zwischen Fels und Fluß eng zusammengepreßten Städtchens zu rechnen. An der ehemaligen Poftftraße nach Nördlingen gelegen, die heute durch Neuanlage der Staatsstraße Nebenstraße geworden ist und den Namen „Egelsee" führt, erhebt sich das hohe Gebäude, das in den Untergeschoßräumen die frühere Rabbinerwohnung sowie die heute noch benützte Gemeindeftube und die Mikwah enthält. Im ersten Stock betreten wir die Männersynagoge und sind durch den hohen, luftigen, tonnengedeckten Raum sofort gefesselt. Unser Blick wird vorzugsweise von dem als hervorragendes Kunstwerk anzusprechenden A l m e m o r angezogen. In seiner reizvollen Rokoko-Holzschnit¬ Harburg a. d. Wörnitz: Synagoge Blick auf Almemor und Aron ha-Kodesch >CO<, »oo< zerei, die aber als echtes Produkt einer schon eklektisch gewordenen Zeit Anklänge an frühere Stilformen aufweist, gibt er mit seiner heiteren, auf die Töne Weiß, Blau, Gold und Grün gestimmten Farblichkeit ein gutes Bild vom handwerklichen Können seiner Entstehungszeit, der Mitte des 18. Jahrhunderts. Zu diesem prächtigen Stück stehen die übrigen Einrichtungsgegenstände in gutem Einklnag. Der Aronha-Kodesch beherrscht in seiner strengeren Linienführung neben dem die Mitte des quadratischen Hauptraums einnehmenden Almemor den Gesamteindruck; so werden die beiden den religiösen Funktionen dienenden Aufbauten in ihrer Bedeutung richtig betont. Der zur Oftwand gerichtete Blick des Beters wird durch das Schriftwort: " TPitr Tön 'ixh (Ich halte mir Gott ständig vor Augen, Ps. XVI, 8) in eindringlicher Form erneut an den Zweck des Hauses gemahnt. Darunter erinnert dieAngabe des Erbauungsjahres ps*? Tj?nnJtso (5514 — 1754) an die Entstehungszeit. Ein Blick von der die Westseite einnehmenden Frauenempore auf die mächtig auffteigende Gewölbetonne, auf die fein abgewogene Vertikalgliederung, vermittelt die volle Wirkung des Raumes. Wie schön muß das Gotteshaus erschienen sein, wenn die große Chanukkah-Menorah, die Hängeleuchter und Wand-Kerzenträger in ihrer heiter-festlichen Rokokogeftaltung in vollem Glanze erstrahlten! Von der nun leider nicht mehr lebenerfüllten Pracht vergangener Tage zeugen einzelne noch erhaltene Parochoth, besonders Harburg a. d. Wörnitz Thoraschild und Zeiger a. d. Jahre 1775 ein in freudiger Farbenftickerei mit Vögeln und Blumen auf maiengrünem Grunde geziertes. In anderer Weise von dem ehemaligen Leben der Gemeinde erzählen uns die Beschriftungen anderer Vorhänge, bzw. des der Gemeinde gehörigen Thoraschmucks. Da erfahren wir, daß die Lern-Chewra ( p"n '^22 D"& ) bereits im Jahre 1775 (5535) aus Schild, Krone und Zeiger bestehende si'lber-vergoldete Thorageräte (tüchtige kunfthandwerkliche Arbeit) dem Gottesdienste widmen konnte. Die gleiche Bruderschaft spendete einen heute noch seinem Zwecke dienenden Vorhang im Jahre 1795 (5555). Der fromme Wissenseifer in der Gemeinde führte im Jahre 1802 (5562) zur Gründung einer zweiten Chewrah für agadische Vorträge ( p"n ), die im Jahre 1838 (5598) einen Vorhang und im Jahre 1846 (5606) auch einen, allerdings weniger wertvollen und künstlerisch nicht so hochstehenden, vollständigen Thoraschmuck stiftete. Im 18. Jahrhundert, in der Blütezeit der Gemeinde, entstand ferner das auf dem Almemor aufliegende auf Pergament

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