Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1927-01-07 · 1 (7.1.1927) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
3 (1927)
Issue
1 (7.1.1927)
Article
Über jüdische Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern
Date
1927-01-07
Page
Seite 5 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2727810-2727836-2727838-2730641--01604-2730742
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 5 Harburg a. d. Wörnih Thorakion« | (Ein Rimon vom Jahr« 1775 | vom Zahre 1S3S geschriebene Memorbuch. Dieses muß, wie aus dem Fürftengebet für Graf Philipp Karl von Oettingen-Wallerftein (regierte auch über Harburg bis zu seinem im Jahre 1766 erfolgten Tode) hervorgeht, im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Sein sonstiger Inhalt geht über den gebräuchlichen Iiskor-Schematismus nicht hinaus.. Als persönliche Notiz erfahren wir nur, daß der im Jahre 1828 verstorbene Gemeinde-Vorstand, Vorbeter und Mohel Jakob Moscheh b. Elieser Lipmann Hechinger, der auch im öffentlichen Leben seiner Zeit hervortrat und als Hoffaktor dem Wallerstein'schen Fürftenhause Dienste leistete, sein bisheriges Wohnhaus der Gemeinde zur Einrichtung eines Schul- und Armenhauses hinterließ. Dieses Gebäude, ein einstöckiges Haus, befindet sich in der gleichen Straße „Egelsee" etwas unterhalb der Synagoge in der gegenüberliegenden Häuserreihe. Der einfache Bau ist durch nichts ausgezeichnet; nur eine Inschrifttafel, die in anmutiger Weise den Namen des Stifters mit dem schönen Worte der Schrift: 2 pp' T»^nx nta no (Wie schön sind deine Zelte, Jakob; IV. B. Mos., 24, 5) verknüpft, deutet zugleich auf den neuen Zweck des Hauses hin. Hechingers Familie hatte sich zuvor am oberen Ende des Marktplatzes ein neues stattliches Haus errichten lasten, dessen Stirnseite von einem Oval geziert ist, das über dem Monogramm und der Iahrzahl 1807 das Wort ■pcsw aufweist, das den Zahlenwert [5]567 (1807) sowie den zwanglosen Sinn „Ich werde Dich behüten" ergibt. Auch andere Häuser, die in ihrer Stattlichkeit eine Zierde des Städtchens sind, waren früher im Besitze von jüdischen Einwohnern. Der Zug nach der größeren Stadt hat leider inzwischen die Zahl der Juden verringert. Diese Tatsache wird besonders auf dem oberhalb der Burg gelegenen Friedhof zum Bewußtsein des Besuchers dringen. Die riesige Fläche, deren Bestand an Grabdenkmälern durch einen eigenartigen Vorfall verringert wurde, als die Franzosen im Jahre 1800 in seiner Nähe biwackierten und die hölzernen Denkmäler als Feuerholz verwendeten, macht die ehemalige Größe und den jetzigen zahlenmäßigen Niedergang der Gemeinde anschaulich. Die größtenteils dem 19. Jahrhundert entstammenden Steine geben ein treffliches Bild der vom ästhetischen Gesichtspunkte nicht besonders erfreulichen Entwicklung der Grabmalkunst und zeigen, wie manch einfaches Grabmal aus dem Anfang des Jahrhunderts, an Würde und Eindruckskraft die pompösen Steine der letzten Jahrzehnte überragt. Die liebevolle Betrachtung der Zeugen der Vergangenheit erfüllt uns wohl mit Wehmut über den Rückgang des jüdischen Lebens in unseren Tagen, doch auch mit Stolz auf das Gestaltungsvermögen unserer Ahnen. Sie verwirklichten in ihrer Weise eine midraschische Erklärung und ließen „die Schönheit Iaphetö in den Zelten Scheins wohnen". Lin versunkener Von Dr. M. Weinberg, Genau am 9. Januar 1666 wurde die israelitische Gemeinde in Sulzbach in der Oberpfalz, damals Resid ^ftadt des in der jüdischen Geschichte rühmlichft bekannten Herzog Christian August, gegründet. An diesem Tage erhielt Feuftel Bloch, Vater des nachmaligen Druckers Moses Bloch, vom Herzog die Erlaubnis, sich in der Stadt als erster Jude anzusiedeln, 300 Jahre nachdem die frühere Gemeinde zur Zeit des schwarzen Todes der Vernichtung anheimgefallen war. Zu Anfang des Jahres 1668 hatte sich schon durch Zuzug eine kleine jüdische Gemeinschaft gebildet und F. Bloch erhielt die Erlaubnis, einen jüdischen Friedhof anzulegen. Im Mai bereits weihte er ihn mit seiner eigenen Person ein. Er kam als erster auf den Totenacker zu Begräbnis. Er hatte jedenfalls nicht voraussehen können, wie ungünstig die von ihm gewählte Lage des Friedhofes sein würde. Zunächst liegt dieser auf einer exponierten Stelle, die ihn frei allen Stürmen aussetzt. Hierdurch kommt es, daß alle älteren Steine verwittert sind und ihre Aufschrift unleserlich wurde. Auch der Grabstein des Begründers ist dadurch nicht mehr feftzuftellen. Es kam aber hierzu noch ein schwereres Verhängnis. Nur etwa 4 Kilometer entfernt befindet sich in Rosenberg der Hochofen der bekannten Maxhüite. Das Erz dieser Hütte wird dieser durch eine Drahtseilbahn zugeführt, welche über den Friedhof läuft, und zwar aus einem Bergjüdischer §riedhot Rabbiner in Neumarkt (Opf.) werk, das sich direkt unter dem Friedhof befindet. Man hat festgestellt, daß schon in früheren Jahrhunderten an derselben Stelle ein Erzbergwerk bestanden haben müsse. Jedenfalls aber wird seit Jahrzehnten nachhaltig dort nach Erz gegraben, in den letzten Jahren in verstärktem Maße. War schon das Darüberführen der Drahtseilbahn eine nicht zu vermeidende Störung der Friedhofsruhe, so machten sich die Grabungen selbst bald in noch lästigerem Sinne bemerkbar. Es traten allmählich Bodensenkungen auf. Die Maxhütte übernahm die Verpflichtung, alle aus dem Bergwerksbetrieb sich etwa ergebenden Schädigungen wieder gutzumachen und hat sich diesen Verpflichtungen niemals entzogen. Seit dem Kriege erfolgte eine stärkere Inanspruchnahme des Bergwerks und die bisher nur kaum merklichen Oberflächenveränderungen entwickelten sich in erhöhtem Maße und begannen geradezu das ganze Landschaftsbild des Friedhofes und seiner Umgebung zu verändern. Der Boden senkte sich, hier weniger, dort mehr, aber konstant. Große Grabsteine fielen um und zersplitterten und zeigen an einzelnen Stellen das Bild eines Steinbruches. Das Wärterhaus verfiel und vor allem stürzte die starke massive Umfassungsmauer zusammen. Reparaturen derselben waren zwecklos, denn das Neuerstandene wurde sofort vom selben Schicksal erreicht. Es mußte in provisorischer Form ein Latten-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.