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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-06-08 · 6 (8.6.1926) · p. Seite 174

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
6 (8.6.1926)
Article
Fortsetzung und Schluss des Verhandlungsberichtes über die Tagung vom 22. Februar 1926
Date
1926-06-08
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Es wird eine Reihe von Persönlichkeiten bezeichnet: Als Vorsitzender wird genannt ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt, Vertreter Geh. Justizrat, Professor Dr. Frankenburger (München). Als weitere Mitglieder der Tagung: Dr. Nußbaum, Vertreter Dr. Perlmutter, Dr. Rhemheimer, Vertreter RA. Jung, Dr. Silberschmidt, Vertreter David Lehmann, Isaak Schwab, Vertreter Dr. Morgenroth. Als Standesvertreter aus dem Rabbinerstande Dr. Baerwald (München), Vertreter Dr. Wohlgemuth (Kitzingen), für die Lehrer Dr. I. Bamberger (Nürnberg), Vertreter Hauptlehrer Krämer (Speyer), für die Kantoren Kirschner (München), Vertreter Frankel (Nürnberg), für die Schächtbeamten Oppenheimer (Laudenbach), Vertreter Blumenthal (Neustadt a. d. A.), Kultusbeamten Wormser (Nürnberg), Vertreter Glaser (München). Die Zusammensetzung des Gerichtshofes für den einzelnen Fall wird dem Präsidium des Rats überlassen, das die Beisitzer aus den bezeichnetcn Persönlichkeiten zu bestimmen hat. Besteht eine Erinnerung dagegen? RA. Flaschner (München): Es scheint ein Irrtum oorzuliegen: Unter den 5 Herren, die von der Tagung zu wählen sind, müssen sich auch die Vertreter der Standesorganisation befinden. OLGR. Dr. Neumeyer (München): Es steht nichts im Wege, wenn mehr Herren vorgeschlagen werden für Verhinderungsfälle. Die Liste wird dem Präsidium des Rats zur Verfügung gestellt und die redaktionelle Fassung dem Präsidium überlassen. ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt (München): Mit dieser Modifizierung wird über § 30 abgestimmt. Es erhebt sich kein Widerspruch. Dr. Oettinger (Regensburg): § 33 wird zu streichen sein, nach dem, was heute früh beschlossen wurde. OLGR. Dr. Neumeyer (München): Ja, sedoch nicht in dem Sinne, als ob die Bestimmung abgelehnt würde, sie soll einer späteren Beschlußfassung Vorbehalten bleiben. ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt (München): Damit bringe ich nunmehr die Beamtenordnung als Ganzes zur Abstim- Jch stelle fest, daß die Beamtenordnung mit den im einzelnen beschlossenen Abänderungen einstimmig angenommen ist. Nun ist dieses markante Gesetz, das den Beamten eine genügende Sicherung gibt, unter Dach und Fach gebracht. Ich freue mich, die Glückwünsche der Tagung dem Präsidenten des Rats aussprechen zu können. Oberlehrer Dingselder (München): Meine Damen und Herren! Ich bin freudig erregt und nur schwer finde ich das rechte Wort, das auszusprechen, was mir in dieser Stunde Kopf und Herz erfüllt. Eine Hoffnung, die Bayerns jüdische Beamte seit bald 50 Jahren hegen und an deren Erfüllung wir noch vor 6 Jahren nicht entfernt zu denken wagten, ist heute Tatsache geworden. Die Arbeit des Verbandes für Rabbiner, Lehrer, Kantoren und Kultusbeamte hat in dieser Stunde ihre Krönung erfahren. Der in den Satzungen des Israelitischen Lehreroereins umschriebene Zweck unserer Vereinigung: Förderung des israelitischen Schulwesens und Kräftigung des israelitischen Lehrerstandes, ist um einen großen Schritt dem Ziele entgegengereist. Nachdem der Verband die materielle Lage der Beamten und ihre Hinterbliebenenversorgung in so großzügiger Weise erledigt hat, hat er heute das geschaffen, was mir seit mehr denn 40 Jahren ersehnten und erstrebten. Ich für meinen Teil kann sagen, daß der heutige Tag mir unvergeßlich bleiben wird. Seit 46 Jahren ist Gleichstellung der jüdischen Beamten mit denen des Staates das Ziel des 'Lehrervereins. In dieser Stunde stehen wir am Ziele und müssen in erster Linie dem Präsidium, dem hohen Rat, der Tagung unseren Dank aussprechen für das, was sie in reicher Arbeit geschaffen haben. Aber es wäre Unrecht, eines Mannes heute zu vergessen, der die Grundlagen der Veamtenordnung mitgeschaffen hat, und der in seiner Bescheidenheit den wenigsten von Ihnen bekannt ist. Ungenannt blieb sein Name bis jetzt und es ist vielleicht ganz und gar nicht in seinem Sinne, wenn ich seinen Namen hier ausspreche. Aber es ist eine Dankcspflicht zu sagen, wie dieser selbstlose Mann Monate dieser Arbeit gewidmet hat. Ich bitte die Tagung offiziell, dem Manne den Dank auszusprechen für das, was er uns geschenkt hat; daß die Beamtenschaft sich diesem Dank anschließt, das möchte ich hier noch besonders betonen. Der Verband hat seine fünfjährige Wirksamkeit heute mit einem Werk abgeschlossen,, das zu seinen schönsten gehört und weit über die Grenzen des Landes hinaus einen Nachhall finden und wirken wird. Wenn in anderen Ländern die Beamtenverhältnisse geordnet werden, dann wird Bayern vorbildlich sein und bleiben. Der Wunsch, daß der Verband weiterhin so arbeiten und schaffen möge an den hohen Zielen zur Ehre des Judentums und der Menschheit, das ist das Dankeswort, das ich all denen aussprechen möchte, die uns dieses herrliche Geschenk gegeben haben. (Beifall!) ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt (München): Die Anregung Oberlehrer Dingselders nehme ist mit großer Freude entgegen. Ich glaube, es ist völlig im Sinne der Tagung gehandelt, wenn wir Herrn Stadtsyndikus Dr. Stern den Dank der Tagung aussprechen. Lehmann (Fürth): Meine Damen und Herren! Heute hat sich der Verband seine definitiven Hauptgesetze gegeben. Solche Stunden gehören gewürdigt. Als Vertreter einer der ältesten Gemeinden Bayerns sehe ich im Geiste die großen Kämpfe zwischen den jüdischen Parteien aus den letzten Jahrzehnten ,die heute der Duldung und gegenseitigen Achtung gewichen sind. In feiner und geistvoller Weise hat gestern Abend der Vertreter der liberalen Fraktion, Herr Dr. Oestreich, diesen Gedanken gewürdigt. Er hat die Hoffnung ausgesprochen, daß, wenn von ihrer Seite Wünsche kommen, sie auch bei uns Würdigung finden möchten. Wir haben uns hier zusammengcfvnden aus gemeinsamem Boden und haben die Erörterung der religiösen Fragen meist vermieden. Sie, meine Herren von der liberalen Richtung, vertreten die Ansicht vom Wandel der göttlichen Lehre, wir von der orthodoxen erkennen einzig und allein das alte Gesetz vom Sinai als für das ganze Judentum verbindlich an. Wenn solche Gegensätze nicht zum Ausbruch kamen, wenn Kämpfe vermieden wurden, so liegt dies an der Art unserer Gesetzgebung, die von gegenseitiger Achtung der jüdischen Parteien erfüll; ist. Der Geist, der hieraus spricht, ist unserem verehrten Präsidenten, OLGR. Dr. Neumeyer, zu verdanken, der in selten feinfühliger Weise stets zu vermitteln sucht und uns ein Beispiel feiner Zurückhaltung und großen Taktes jederzeit gegeben hat. Die heutigen Beschlüsse der Tagung machen den Verband nicht zu einem neutralen Dachverband, sondern zu einem ausgesprochenen religiösen Verband. Nur so kann der Verband arbeiten und lebensfähig sein. Lassen Sie mich aus tiefbewegtem Herzen der Hoffnung Ausdruck geben, daß unser Verband einst zum Ziele gleicher Religiosität sich zusammenfinden möge. Es wurde hier gestern gesagt, wir Fürther hätten unsere eigene Note. Herr Präsident, Ihnen wurde gestern abend in verschiedenen Trinksprüchen Ihr Wohl ausgebracht. Ich rufe Ihnen nun in altjüdischer Weise d-e Werte zu: Jejoscher kochacho, mögen Ihre Kräfte sich mehren, mögen Sie stark an Geist und Körper ein langes Leben führen im Kreise Ihrer Familie, uns ein gütiger, verständnisvoller Führer bleiben, dem jetzigen Geschlecht ein Vorbild, dem künftigen ein Beispiel, auf daß immer solche aufrechten, großen Männer die Rechte des jüdischen Volkes vertrc!.n zum Wohle von ganz Israel, das walte Gott! (Beifall!) OLGR. Dr. Neumeyer (München): Meine Damen und Herren! Ich bin tief berührt und tief beschämt von den gütigen Worten, die mir entgegengebracht worden sind. Aber ich darf wohl das eine sagen: Wenn wir Gedanken haben und Ideen, die wir zum Wohle unsrer religiösen Gemeinschaft zur Ausführung bringen wollen, dann ist alles umsonst, wenn nicht diese Gedanken und Ideen-ausgenommen werden in dieser freudigen und schöpferischen Art, wie dies in unseren Verbandsorganen der Fall ist. Es ist der Geist der Frauen und Männer hier, der aus unserem Werke spricht, was wir geben, sind nur Anregungen und Entwürfe. Daß sie in der fruchtbaren Art ausgenommen werden, um zu wirken bis in alle Zukunft, das ist der Verdienst der Männer und Frauen, welche die Gedanken sich zu eigen machen und mit aller Kraft Mitarbeiten zum Wohle der Gesamtheit. Ich darf also von Herzen die Worte freundlicher Anerkennung weitergeben an die hervorragenden Mitarbeiter, an unsere Kollegien, die in so vorbildlicher Weise hier den Grund legen zu unserer religiösen Gemeinschaft, so wahrhaft vorbildlich wirken für das deutsche Land. Ich darf den Herren weiter folgendes sagen: Als vor kurzer Zeit die Delegierten der deutschen Landesverbände bei uns waren und von einer Beamtenordnung des. Verbandes hörten, da haben nicht nur die jüngeren Landesverbände, sondern auch die alten Kirchen, wie sie in Süddeutschland bestehen, gebeten, wir möchten Ihnen unser Material zukommen lassen; das sei etwas so neues und außerordentliches für jüdische Verhältnisse, daß sie selbst es

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