Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (7.5.1926)
- Article
- Der Ursprung und die Entwicklung der jüdischen Familiengräber bei Jerusalem
- Date
- 1926-05-07
- Page
- Seite 122 (sequence 3)
- Language
- German
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122 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 5 VORHALLE. GRUNDRISS. Abb. II konnte, das Grab also vollständig ungeschützt war. Eine doppelte Beisetzung nach jüdischer Art, wie sie oben geschildert wurde, war dort also nicht möglich, denn auch die Türen vor CC. und NK. sind zu groß, um geschloffen zu werden, so daß auch die Annahme, daß man die Leichen in der NK. einfach deponierte, unhaltbar sind. Dagegen zeigte der Vergleich mit dem Nachbarland Ägypten, daß dort, besonders in der Zeit um 1300, Felsen- Tempel quasi „Mode" waren, die im Prinzip den gleichen Grundriß haben, wie die Gräber bei Jerusalem. Dieser Plan kann ja auch nur von unterirdischen, i m Felsen gelegenen Bauten stammen, bei denen man die Nebenräume ganz nach Belieben, ohne irgendwie auf die äußere Erscheinung oder Bauart Rücksicht zu nehmen, anlegte. Nun stand aber gerade zu jener Zeit, wie wir es aus den Tell-Amarna-Briefen wissen, Palästina unter ägyptischer Herrschaft, deshalb ist es auch wohl nicht weiter wunderbar, wenn sich die ägyptischen Statthalter in Jerusalem, nach dem Vorbild ihrer Heimat, Felsentempel anlegten! Auch glaube ich eine Stelle bei Ezechiel (8, 7 ff.) in diesem Sinn deuten zu können, nicht in bezug auf den Vorhof des Tempels, denn was sollte da „ein Loch in der Wand"? Dagegen paßt die Schilderung buchstäblich auf unsere Grotten, die auch nicht weit vom Nordtor liegen! Bei Ezechiel 7, aber ist klar gesagt, daß in der Kammer, die hinter „dem Loch in der Wand" (— Tür zwischen Halle und CC.) liegt, Götzendienst getrieben wurde. Außerdem handelt es sich bei Ezechiel um ein Gesicht, also brauchen wir die lokale Bestimmung nicht zu genau zu nehmen, hingegen ist möglich, daß sich Reste von solchen, durchaus unjüdischen, kanaanitisch-ägyptischen Kulten noch bis in die Zeit der Propheten hinein gehalten haben. - Endlich beachte man, daß die Vorbilder im Niltal Tempel und keine Gräber waren! Endlich kommen noch einige rein fachliche Gründe hinzu, die ich ohne weitere Abbildungen usw. hier nicht erörtern kann, die aber klar beweisen, daß die Anlagen ohne Kukhim wohl Kult-, aber keine eigentlichen Grab-Grotten waren. Wenn sich in ihnen nun aber doch vereinzelt Grabstätten finden, so ist das nur so zu erklären, daß hervorragende Persönlichkeiten sich im Schutz der für sie „heiligen Orte" beisetzen ließen, genau wie Fürsten usw. im Mittelalter in Seitenkapellen der Dome. Als dann die Juden das Land eroberten, sahen sie, wie gut sich solche Grotten auch für ihre Grabzwecke eignen würden, und daher imitierten sie dieselben. Die vorhandenen zu benutzen verbot ihnen ihr nationales und religiöses Gefühl, weil es heidnische Anlagen waren, ein Umstand, dem wir wohl die Erhaltung der vor-jüdischen Kultgrotten zu verdanken haben. Woher sie allerdings die Idee der Kukhim und „doppelten Beisetzung" hatten, wissen wir, wie gesagt, leider nicht! So werden also die Felsengräber, die dem.geschilderten Typ am ähnlichsten sind, die ältesten jüdischen, aus der K ö n i g s z e i t sein. Denn wenn wir als Vorstufe zu ihnen die von Ägypten entlehnten Felsentempel haben, so ist anderseits auch ein Verfall des Typs in späterer Zeit deutlich feststellbar, wenn man, wie ich es tat, alle charakteristischen Formen ausgenommen und miteinander verglichen hat: Zuerst wird der große. Vorhof immer kleiner, dann die Vorhalle, die endlich zu einer liefert Türnische zusammenschrumpft. In den Anlagen der älteren Zeit sind niemals Kukhim im Hauptraum, später aber läßt man die NK. fort, und legt auch in der CC. Kukhim an, so daß zuletzt die ganze Anlage nur noch aus einer Tür, einer Kammer mit Kukhim und einer, manchmal geradezu, raffiniert versteckten Beinkammer besteht. — Das ist wohl folgendermaßen zu erklären: Als Land und Stadt noch im ungestörten Besitz der Juden waren, genügte der oben geschilderte „Steinstöpsel" in der kleinen Öffnung der Vorhalle zum Hauptraum, um das Innere vor Störung und auch Verunreinigung durch Tiere zu schützen. Als dann aber die feindlichen Invasionen hereinbrachen, wird die Soldateska absichtlich die weithin sichtbaren Gräber geschändet haben, denn das war nach antiker Auffassung der größte Schimpf, den sie den Belagerten in der Stadt selbst antun konnten. Ganz von der Gier nach vermeintlichen Schätzen ab- HALLE. LANGtfSGHNITT Abb. III ^^99999