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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-03-17 · 3 (17.3.1926) · p. Seite 56

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
3 (17.3.1926)
Article
Die Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden zu Augsburg
Date
1926-03-17
Page
Seite 56 (sequence 3)
Language
German
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56 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 Innenansicht der Synagoge ßen, welche die Kuppelzwickel schmücken. Die Reliefs sind jeweils von hebräischen Umschriften begleitet. Es würde zu weit führen, diese Stücke im einzelnen zu beschreiben, es sei nur kurz hingewiesen aus die Darstellung von Quelle, Palmbaum und Taube mit Friedenszweig, das heilige Feuer auf dem Altar, den geflügelten Löwen mit den Gesetzestafeln. Alle diese Stücke sind nicht nur von großer Anschaulichkeit, sondern von einer sehr persönlichen, dekorativen Monumentalität. Bei der Besichtigung der Synagoge durch die Besucher der Tagung am Sonntag, dem 21. Februar 1926, führte der Synagogenvorfteher, Herr Albert Dann, folgendes aus: Der Bau ist im Jahre 1914 begonnen und im Jahre 1917 glücklich beendet worden. Es war außerordentlich schwer, die geeigneten Arbeiter und die bestellten Materialien rechtzeitig zur Stelle zu haben. Es mußten fortgesetzt Eingaben an die Regierungbehörden gemacht werden, um dies zu erreichen. Der größte Wert wurde auf die Ausgestaltung der Ostfront gelegt, die vollständig in Marmor durchgeführt ist. Die verschiedenen Kapitale über den Säulen sind alle in der Form gleich, in der Ausführung jedoch grundverschieden, ebenso die Bekleidungskörper für die Heizung. Auch die vielen Hunderte von kleinen Fensterchen sind jedes mit einer anderen Bemalung versehen. Der Hauptvorteil der Augsburger Synagoge vor allen anderen Synagogen besteht darin, daß die Plätze in der Herren- und in der Frauensynagoge so angeordnet sind, daß der Rabbiner und der Vorsänger von allen gleich gut gehört und gesehen werden können. Auf der Estrade sind die Plätze für den Rabbiner und den Synagogenvorstand und für 2 Kantoren angebracht. Rechts und links sind Logen für die öolksschulpflichtigen Knaben und im ersten Stock für die volksfchulpflichtigen Mädchen eingebaut. Das Vorbeterpult hat eine schwere Marmorplatte, deren Neigung mit einem Druck der Hand geregelt werden kann. Bei Trauungen dient die Platte als Tisch und kann durch einen Knopf in wagrechter Stellung festgehalten werden. Herr Dann führte weiter aus, daß die hiesige Verwaltung, bevor sie an die Einrichtung der neuen Synagoge ging, zuerst alle die neuen Synagogen in den verschiedenen deutschen Städten' durch eine Kommission besichtigen ließen und daß alle praktischen Neuerungen, die bei diesen Reisen gefunden wurden, mit nach Augsburg übernommen worden sind, während Fehler, die sich anderwärts im Laufe der Zeit herausgestellt haben, dort vermieden wurden. Die oben erklärte Einrichtung des Vorbeterpultes stammt von Offenbach, ein Schrank, in welchem die Thoravorhänge und Decken aufbewahrt sind, von Mainz, die Einrichtung für die Aufbewahrung der Thorarollen während der Vorlesung aus der Haftarah aus Stuttgart. Es wurde noch eine Führung durch das Haus veranstaltet und der wundervolle Blick von der Frauensynagoge aus gezeigt, es wurden die Erholungsräume besichtigt und der Tresor gezeigt, und die Werktagssynagoge und der Trausaal besucht. Die auswärtigen Gäste waren von der praktischen Einrichtung und von dem herrlichen Bau und seiner vornehmen Wirkung restlos befriedigt. Hierauf übernahm Herr Dr. Fränkel, Lehrer der Israelitischen Kultuögemeinde, die Aufgabe, die hebräischen Inschriften zu erklären und die zahlreichen Symbole, die dem weihevollen Gotteshause ein spezifisches Gepräge geben, zu deuten: Dem Betenden wird die Heiligkeit des Ortes gekündet durch die in vergoldeten großen Buchstaben weithin leuchtenden wichtigen Worte am vorderen großen Ostbogen: „Wisse, vor wem du stehst!" Längs der Emporenbrüstung sind 6 wichtige Sätze aus der Ethik angebracht. Die fünf hohen Feste sind symbolisiert durch „Gerste", „Traube", „Krone", „Schofar" und „Weizen" entsprechend dem Bibeltexte für Pessach, Sukkos, Jom-Kippur, Rosch- Haschono und Schewuos. Die Emporenbrüstung wird unterbrochen von schildartigen Zeichen, die in ihrer bunten Fassung einen besonderen Reiz ergeben. Es sind die Symbole der 12 Stämme Israels, wie sie uns die Bibel in den Segensworten Jakobs und Mosis überliefert hat. Der Stamm „Levi", aus dem der Hohepriester war, ist symbolisiert durch den „Brustschild" mit den 12 Steinen: „Jeder Stamm sollte ihm gleichartig sein; jeder Mensch soll uns ein Edelstein sein, sein Bestes suchend und fördernd." „Juda" ein junger „Löwe": „Sei stark wie ein Löwe, zu erfüllen den Willen deines Vaters im Himmel!" Die Deutung erstreckte sich dann, ebenso aufklärend, auf die übrigen Symbole. Besonders wurden die 4 „Reliefs" des Gewölbes in ihrer Großartigkeit gezeigt, darstellend 1. die „Theorie der Religion" — ein geflügelter Löwe mit der Thora-Rolle und den Gesetzestafeln unter dem Lebensbaum; 2. die Praxis der Religion", das Leben — ein Opfer-Symbol. Die Opferflamme, das heilige Feuer auf dem Altar, der Lebensbaum mit goldenem „Kranze", und dessen Inschrift: „Dein Opfer sei beständig.." — 3. Die „Ethik". Drei gleiche Kronen und eine mächtige Krone darüber leuchten vom dritten Relief hernieder, nach den „Sprüchen der Vater": „Drei Kronen gibt es: Die Krone der Gelehrsamkeit, des Priestertums und des Königstums — aber die Krone des guten Namens überstrahlt sie alle" — sie trägt jeder gute, zuverlässige, charaktervolle Mensch. 4. Die „Wirkung der Religion". Symbol: Die „Quelle" (Gottesfurcht ist eine Lebensquelle), der „Palmbaum" (der Gerechte blüht gleich einer Palme, langsam, aber dafür lange), die „Taube mit dem Friedenszweig" (sie bringt Kunde vom Herrn: „Frieden, Frieden! Dem Gott-Nahen und Gott-Fernen!") Im Ring der Kuppel, bestrahlt von einem prachtvollen Sternenkranz, schließen dann die weihevollen Worte Salomos, anläßlich der Einweihung des Tempels, die Sinnbilder zusammen. (Die Buchstaben-Ornamente sind dabei eine neue Wirkung für sich.) Nachdem im Anschluß an den letzten Satz der Kuppel-Inschrift: „Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker" die Universalität des Judentums zur Sprache gekommen war, schloß Herr Dr. Fränkl, im Anschluß an den letzten Satz in der Festschrift des leider infolge Krankheit abwesenden Herrn Rabbiner Dr. Grünfeld, mit dem Wunsche, daß auf den nunmehr beginnenden wichtigen Beratungen der Tagung Gottes reichster Segen ruhen möge.

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